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Beiträge zum Thema Fenster

Feuilleton

Der Mond im Schatten der Erde
28. August 2026 früh um 5 Uhr ...

Am frühen Morgen des 28. August, wenn der Tag noch gar nicht recht begonnen hat, aber die Nacht bereits aufgibt, wird der Mond in den Schatten der Erde treten. Es wird dann keine jener plötzlichen Himmelserschütterungen geben, bei denen die Menschen auf die Straße laufen und nach oben zeigen, als sei ihnen etwas weggenommen worden. Nein - nur eine Mondfinsternis. Aber was heißt hier „nur”. Die Mondfinsternis ist ein stilles Ereignis - und sie wirkt um so mehr. Sie schreit nicht. Sie vollzieht...

Glaube und Alltag

Jesus durch das Kornfeld ging ...
Von Jesus und seinem Christentum

Wir kennen Bilder, die in Museen hängen - und Bilder, die über Betten hängen. Die Kunstgeschichte, die selbstverständlich nur die Bilder in den Museen für wichtig hält, hat lange nicht begriffen, dass möglicherweise die Bilder über den Betten viel wichtiger gewesen sind. Weil - vor ihnen wird eingeschlafen, aufgewacht, geliebt, gestritten, gebetet und gestorben. Ein solches Bild ist dieses Bild. Jesus geht durch das Korn. Mehr geschieht zunächst nicht. Kein Wunder. Keine Auferweckung. Kein...

Feuilleton
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AUF DEN TAG
MARIÄ HIMMELFAHRT

Heute – am 15. August – feiert man Mariä Himmelfahrt. Obschon – dieser Name ist eigentlich nicht ganz präzise. Maria fährt nämlich nicht in den Himmel auf wie Christus. Christus fährt in die Himmel auf. Maria wird nach dorthin aufgenommen. Assumptio Beatae Mariae Virginis heißt das Fest in der Sprache der alten Kirche mit vollem Namen. Soviel Zeit muss sein. Aufnahme der seligen Jungfrau Maria. Und dieser kleine Unterschied ist ein großer Unterschied, denn Christus geht aus eigener Vollmacht...

Glaube und Alltag

Die Wurzel trägt dich (Römer 11,18)
auf den „Israelsonntag“ am 9.8.2026

Es gehört zu den genialen Ideen des Apostels Paulus, dass er das Verhältnis der jungen Christenheit zum alten Gottesvolk Israel mit einem Bilde erklärt, von dem heute vermutlich mehr Menschen den Namen als die Sache selbst kennen. Gemeint ist das Veredeln – oder Auf-Pfropfen. Ein Edelreis oder Edelzweig eines Baumes wird abgeschnitten und einem anderen Baum eingesetzt. Dort wächst er – wenn alles gut geht – an und besten Falls (wenn es gelingt) auch weiter. Ja – er lebt weiter, aber er lebt nun...

Feuilleton

STERN DES BUNDES
auf den 20. Juli 1944

Stern über dem Abgrund – Stefan George, Claus von Stauffenberg und das Geheimnis des Gewissens. Der 20. Juli ist gewiss kein triumphaler Tag. Er kann aber ein Tag der Gewissenserforschung sein. Dazu kommen die verschiedenen Bewertungen der Motive aller derer, die mit diesem Datum verbunden oder verstrickt sind. Denn die Männer, deren Namen wir mit diesem Datum verbinden, haben den Lauf der damaligen Geschichte nicht verändern können. Die Bombe explodierte, Hitler überlebte den Knall mit...

Glaube und Alltag
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HILDBURGHAUSEN
DIE BILDER DER CHRISTUSKIRCHE (4)

Könnte nicht - so denken wir manchmal - das Gefängnis die eigentlichen Universität der Menschheit sein? Nicht deshalb, weil dort klügere Menschen säßen als draußen, sondern weil dort jede Hoffnung bis auf ihre nackten Knochen abgeschabt wird. Draußen lebt man von der Illusion, schon morgen werde alles anders sein können. Drinnen ist das Morgen nur wieder ein neues Verhör. Jede Stunde fragt dieselbe Frage: Warum? Und weil niemand antwortet, beginnt man zu schreiben. Die Gefangenschaft gehört zu...

Feuilleton
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HILDBURGHAUSEN
DIE BILDER DER CHRISTUSKIRCHE (3)

Amandus Gotthold Fehmel Es ist eine weitere Eigentümlichkeit der Geschichte, dass sie gerade diejenigen zu vergessen scheint, die ihr ein Rückgrat leihen wollten. Und meist blieben die Lärmmacher im Gespräch, nicht die, welche den Lärm ertragen mussten. Und die Schreier werden zitiert, aber Gelehrte nicht verstanden. So zumindest scheint es auch Amandus Gotthold Fehmel ergangen zu sein. Wer war dieser Mann, dessen lebensgroßes Bildnis hinter dem Altar der Hildburghäuser Kirche zu betrachten...

Feuilleton
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HILDBURGHAUSEN
DIE BILDER DER CHRISTUSKIRCHE (2)

Es gibt Bilder, die historische Ereignisse darstellen. Und es gibt Bilder, die zusätzlich etwas über das Wesen der Zeit verraten wollen. Das hier gezeigte Gemälde aus der ehemaligen Hofkirche des Hauses Sachsen-Hildburghausen und jetzigen Christuskirche gehört dazu. Es will nicht nur betrachten lassen, was sich nach dem Bericht der Apostelgeschichte auf dem Berg des Abschieds ereignet hat. Es stellt vielmehr die Frage, wie ein Geschehen, das sich vor beinahe zweitausend Jahren vollzog,...

Glaube und Alltag

DER SPRINGENDE GOTT
Das sind wir nicht

Das sind wir gar nicht. Und doch begegnen wir ihnen überall: auf Flyern, Werbeplakaten und Internetseiten. Junge Menschen springen gleichzeitig in die Luft. Und ein Fotograf hat sie genau im richtigen Augenblick eingefroren, oder eine künstliche Intelligenz hat den Augenblick überhaupt erst erschaffen. Alle lachen. Alle besitzen das gleiche makellose Gebiss. Es gibt keine Müdigkeit, keine Krankheit, keine Schwerkraft. Die Gesichter scheinen aus einer Welt zu stammen, in der Alter ein Gerücht...

Feuilleton

HILDBURGHAUSEN
DIE BILDER DER CHRISTUSKIRCHE (1)

Noch ein Bild zum Thema „Mariae Verkündigung”. Das hier gezeigte Gemälde kann in der Christuskirche zu Hildburghausen betrachtet werden. Es stammt aus der ehemaligen Hofkirche des Hauses Sachsen-Hildburghausen und gelangte später über die Neustädter Kirche (Apostelkirche) an seinen heutigen Ort. Das Gemälde gehört zu jenen Darstellungen der Verkündigung, in denen das Geheimnis nicht durch dramatische Bewegung, sondern durch die Ordnung einfacher Gesten sichtbar wird. Alles strebt nach oben, und...

Feuilleton

SERENADE AN DIE MUSIK (V. Williams)
der Sternenhimmel

Es gibt Augenblicke im Leben, in denen zwei Welten einander zu bekämpfen scheinen, aber sich in Wirklichkeit deshalb begegnen, um sich gegenseitig zu vollenden. Die sogenannte nächtliche Szene aus Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ gehört zu diesen seltenen Augenblicken. Lorenzo blickt hinauf zum Sternenhimmel und spricht von jener Musik, die jede einzelne Sphäre in ihrer Bahn erklingen lässt. Nicht die kleinste der leuchtenden Welten, sagt er, bewege sich, ohne den Chor der Engel zu...

Glaube und Alltag
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Confessio Augustana
25. Juni 1530/2026

Auch die Kirchengeschichte kennt jene seltenen Stunden, die man den „Augenblick der Wahrheit“ nennt. Dieser Begriff stammt aus der Welt des spanischen Stierkampfs. Dort bezeichnet el momento de la verdad den Augenblick, in dem der Matador zum entscheidenden Stoß ansetzt. Alles Vorhergehende verliert seine Bedeutung; nun zeigt sich, ob das Ganze Bestand hat. Ernest Hemingway machte daraus ein Bild für jene Situationen, in denen Menschen und Institutionen über ihren innersten Grund Rechenschaft...

Feuilleton
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DAS LUISENDENKMAL
IN HILDBURGHAUSEN

Vor zweihundert Jahren musste Friedrich von Sachsen-Hildburghausen sein angestammtes Land verlassen. Er ging nach Altenburg – und übernahm dort die Regierung des neugebildeten Herzogtums Sachsen-Altenburg. Betrachtet man diesen Vorgang nur mit politischem Interesse, erscheint alles die Folge komplizierter Erb- und Gebietstauscherei zu sein. Betrachtet man es zusätzlich „menschlich”, erkennt man vielleicht auch eigene Erfahrungen wieder. Ein einzelner Mensch geht plötzlich fort, und das...

Glaube und Alltag
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Leben und Sterben
Die Begleiterin

Wenn es nicht so mühsam wäre, dann könnte man versuchen, eine lange Geschichte darüber zu schreiben, wie sich eine Sterbebegleiterin umschaute, ob sie nicht auf dieser Welt eine Freundschaft schließen könnte mit einem Menschen oder gar mehreren Menschen, die länger leben als - ja als wer eigentlich? Die Sterbebegleiterin, von der in einer solchen Novelle zu handeln wäre, müsste nicht nur schön sein. So würde man - jeder würde so sagen - sie müsste auch eine Lebe-Begleiterin sein. Hier der...

Feuilleton

Würde und Schwierigkeit
DER KONSERVATIVISMUS

Bevor wir über Konservatismus sprechen, müssen wir zunächst ein merkwürdiges Phänomen unserer Zeit betrachten. Wer eine neue Theorie entwickelt, wird gehört. Wer eine alte Wahrheit verteidigt, muss sich rechtfertigen. Darin liegt bereits eine geistige Vorentscheidung verborgen. Das Neue besitzt in den Augen des modernen Menschen einen Vorschuss an Glaubwürdigkeit. Das Alte hingegen steht unter Verdacht. Es muss beweisen, dass es noch existenzberechtigt ist. Aus dieser Voraussetzung ergibt sich...

Feuilleton

Sie erinnern mich daran ...
... was ich verliere

Nun war der alte Mann wirklich schon sehr alt. Und jetzt lag er sogar endgültig im Bett. Man überlegte, was man mit ihm machen solle. Nach Hause schicken ging nicht, da war keiner mehr. Ins Heim, ja gut, aber wie lange würde er es dort aushalten? Wäre es dann nicht doch gleich besser, ihn ins Hospiz zu schicken? All das stand dringend als Frage im Raum und der alte Mann ahnte wohl, dass man sich solche Gedanken über ihn machte. Er lag in seinem Pflegebett und schaute an die Decke, wo eine...

Glaube und Alltag

Fronleichnamsfest
VERGEGENWÄRTIGT

Fronleichnam ist auch für Leute da, die glauben, sie hätten mit Religion nichts am Hut. Es war einmal ein Mann, der jeden Morgen mit seinem Hund dieselbe Runde ging. Er war Ingenieur, ein vernünftiger Mensch. Er glaubte an Zahlen, an Brücken, an Heizungsanlagen und an die Steuererklärung. Mit Religion hatte er wenig zu schaffen. Gott war für ihn eine historische Randfigur, irgendwo angesiedelt zwischen den Pyramiden Ägyptens und den Ruinen des Römischen Reiches. Eines Morgens blieb der Hund...

Feuilleton

Krieg und Frieden
Bänkelgesang

Ein starker Mann war Goliath, sehr groß - und ziemlich dumm. Er trieb sich täglich stundenlang in Muckibuden rum. Als die Philister sammelten ihr Heer zu Kampf und Krieg, da wollt’ er der Gewinner sein, und grölte „Heil und Sieg.” Den stellte das Philistervolk in erster Reih’ zum Lauf. Und fordert das Volk Israel zu einem Zweikampf auf. Sechs Ellen hoch der Trottel maß und hatte einen Speer, so dick als wie ein Weberbaum von - ich weiß nicht woher. Der Goliathor stellt sich hin und brüllte:...

Feuilleton

PHILOSOPHEN VORGESTELLT
TIER UND TELLER

Der Göttinger Philosoph Leonard Nelson formulierte einen Gedanken, der heute zu den Grundüberzeugungen vieler Tierethiker gehört. Tiere, so sagt er, hätten ein eigenes Interesse am Leben. Und um zu entscheiden, ob sie Rechte besitzen, müsse man sich lediglich fragen, ob wir selbst bereit wären, von einem überlegenen Wesen als bloßes Mittel für dessen Zwecke benutzt zu werden. Leonard Nelson (1882–1927) war ein deutscher Philosoph, Mathematiker, Logiker und Sozialethiker. Er gehört zu den...

Kirche vor Ort

Tücher wehen in der Luft
Burg und Fluss

Merseburg, Naumburg, Röcken und Pobles. Das sind einige jener Orte, welche nicht nur der altgewordene Thgeologiestudent gern besucht. Da steht man dann vor diesem bekannten Rabenkäfig des Bischofs Thilo von Trotha, studiert die Zaubersprüche der am Fluss gelegenen Stadt Heinrich II.  Macht in der weiten Halle des Naumburger Doms vor Uta und Gerburg staunend Halt und schaut südlich bei der Rudelsburg in den lieblichen Strom. Schließlich noch der Besuch bei dem Hammer-Philosophen, der in Röcken...

Glaube und Alltag

Überlegungen zum trinitatisfest
Die Milch des Römers Valerius Maximus

Auch zwischen Pfingsten und Trinitatis liegt eine eigentümliche Zwischenzeit. Fast könnte man sagen: Ein wenig hält die Kirche für diese Tage fast den Atem an. Denn zu Pfingsten feierte sie das Kommen des Heiligen Geistes, und wird am Trinitatisfest zu begreifen versuchen, wer jener Gott eigentlich ist, der sich im ausgeschenkten Heiligen Geist mitteilt. Schon die Pfingstgeschichte selbst trägt etwas Geheimnisvolles in sich. Wir lesen dort bei Lukas: „Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel...

Feuilleton

IM GEISTE ...
... AUF DEM BERG

Im letzten Buch der Bibel sieht Johannes eine Stadt. Nicht irgendeine Stadt, sondern die neue Stadt Gottes. Das himmlische Jerusalem. Und er schreibt einen merkwürdigen Satz. Er sagt nicht: Ich habe sie entdeckt. Er schreibt nicht: Ich habe sie berechnet oder erfunden. Sondern: „Er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem.“ (Apoc 21,10) Nicht, dass das Sonneberg war? Oder Sonneberg heute zumindest gemeint ist? Die Spielzeugstadt des...

Glaube und Alltag

23.5.1949 - das Grundgesetz
„FAST HEILIGE SCHRIFT“

Eine der bemerkenswerten Erscheinungen unserer geistigen Gegenwart ist, dass ausgerechnet jene Gesellschaften, die sich mit besonderem Nachdruck als säkular verstehen, unablässig auf der Suche nach Formen des Heiligen bleiben. Der moderne Mensch mag die Kathedralen verlassen haben; die Frage jedoch, worauf ein Gemeinwesen letztlich gegründet sei, verlässt ihn nicht. Denn kein Staat lebt von Verfahren allein. Keine Ordnung besteht dauerhaft aus bloßer Verwaltung. Wo Menschen zusammenleben,...

Feuilleton

Die Weise von Feuer und Liebe zur Kirche
Leberecht Gottlieb (Teil 150)

150. Kapitel, in welchem Leberecht Gottlieb eine Pfingstphantasie zum Besten gibt und wir einen Eindruck davon bekommen, wie der alte Geistliche die Dinge sieht, die man nicht sehen kann ... Von der Kirche, welche brennt, träumt der Superintendent. Träumt vom Früherwachen. Dunkel noch die Gassen. Über Feldern liegt ein fahler Schein, die Sonne hebt ihr Lid aus Gold und rotem Glanz, davon der Morgen langsam wächst wie die Gedanken Gottes. Heut ist Pfingsten. Er ginge kirchwärts. Träumt er!...

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