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Beiträge zum Thema Fenster

Glaube und Alltag

ADIEU
Abschied und Musik

Es gibt einen Punkt, an dem zwei scheinbar ungleiche Texte sich einander zuzuneigen beginnen. Als erstes das geistliche Bekenntnis in der Arie 65 aus der Matthäuspassion und zweitens ein salonhaftes Abschiedslied. Beide sind sauber getrennt durch Rang, Form und Anspruch. Aber unter „musikalischer Einwirkung“ nähern sie sich uns ähnlich. Man müsste nur genauer hinhören wollen - und das eigene Empfinden ernst nehmen. Die Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ aus der Matthäus-Passion, komponiert von...

Feuilleton

Die Musen am Denkmal
Herr Phaistos - ein Dramolett

HERR PHAISTOS - DRAMOLETT FÜR DIE FIGUR EINES HERZOGS PERSONEN • der Musenführer Apollon DIE NEUN MUSEN: • Kalliope (epische Dichtung) • Klio (Geschichte) • Erato (Liebesdichtung) • Euterpe (Musik) • Melpomene (Tragödie) • Thalia (Komödie) • Terpsichore (Tanz) • Polyhymnia (Hymnus, Andacht) • Urania (Sternkunde) WEITERE ROLLEN: • der Geist Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen • Herr Phaistos, ein Schmied (alias Hephaistos) • das Standbild (stumm) • ein Hammer S Z E N E: Nacht. Mondlicht....

Service + Familie

OSTERGESCHENKE
Raoul Schrotts Himmelskarten

Dieses dicke, schwere und große phantastische Buch von Raoul Schrott könnte jene geglückte Verwirklichung sein, die zu erfahren sich gewünscht hat, wer in Buchhandlungen am Regal mit Peter Sloterdijks Werken entlang ging – und schließlich "Den Himmel zum Sprechen bringen" gekauft und auch gelesen hat. Das Buch, das ich meine und ausdrücklich empfehlen will, heißt "Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit" und gehört auf den Gabentisch eines der 364 Nichtgeburtstagstage des...

Feuilleton

GESCHICHTEN VOR DER WAHL (TEIL 1)
die Notfallseelsorgerin

Ja - sie ist also tatsächlich gekommen, die Notfallseelsorgerin, diese außerordentlich nette und beherzte Notfallseelsorgerin mit den blonden schwarzen Haaren, mit dieser widersprüchlichen Frisur - blond und schwarz zugleich - was man eigentlich für unmöglich halten müsste, aber in Mecklenburg, wie jeder weiß, ist es möglich. Weil in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt alles möglich ist. Und da ist sie also aus diesem Seidenmalereikurs förmlich herausgerissen worden, ausgerechnet aus einem...

Feuilleton

как закалялась сталь
Leberecht Gottlieb (Teil 147)

147. Kapitel, das den Walzwerkarbeiter aus Stendal im Salon der Damen um Frau Else Lasker-Schüler examiniert. Und wie Dieter Müller ihnen eine Lektion erteilt, indem er fast nichts sagt, aber alles erklärt ... „Hier geblieben, Freundchen!“ hatte Doña Pia Marie ihm geboten. Als er sich also wieder gesetzt hatte, breitete sich Stille bis in den letzten Winkel des Salons aus. Es war, als ob die Sprache vor etwas stehen geblieben wäre, das sich nicht sagen lassen wollte. Zunächst geschah deshalb...

Feuilleton

Dieters Geschichte
Leberecht Gottlieb (Teil 146)

146. Kapitel, welches beschreibt, dass Dieter Müller es tatsächlich geschafft hat, seine Walzwerkwelt mit der des Literatursalons zu vertauschen - und wie er eine Geschichte erzählt, die es in sich hat. Niemand wusste, wie dieser Mann es geschafft hatte. Dieser Walzwerkarbeiter Dieter aus Stendal mit dem ölverschmierten Gesicht, den schweren Schuhen mit Stahlkappen und den Händen, die wie Reibeisen waren. Aber eines Tages, an einem Donnerstag, klopfte er tatsächlich an die Salontür Else...

Feuilleton

L A T E X

Nachdem der Zweite Krieg über Europa hinweggegangen war, Städte, Häuser, Fabriken und Kirchen in Trümmern lagen und jede Form nationaler Orientierung nicht nur erschüttert, sondern weitreichend auch zerstört worden war, standen zwei Hauptaufgaben im Raum. Die eine darin, zu klären, warum es so weit gekommen war. Die andere darin, das Geschehene hinter sich zu lassen – oder es wenigstens zu überdecken. Beide Bewegungen liefen nebeneinander her, ohne sich recht versöhnen zu können. Die einen...

Feuilleton
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Wort und Ohr
Leberecht Gottlieb (Teil 145)

145. Kapitel, das uns ein sonderbares Erlebnis der Frau Luise Meysenburg-Arendt berichtet, und wir ein Gedicht hören und lesen können, welches Stefan George zuzuschreiben wäre, wenn wir nicht wüssten, dass es ein anderer geschrieben oder Frau von Meysenburg selber es der Muse abgerungen haben könnte ... Alsbald verließ Leberecht Gottlieb den Salon. Else Lasker-Schüler hatte ihm aus der Ferne noch mit einem Blick gewinkt. Und so trat der auf diese Weise Beschenkte auf die Straße mit einer...

Feuilleton

Im Salon der Frau Else Lasker-Schüler
Leberecht Gottlieb (Teil 144)

144. Kapitel,  in dem uns berichtet wird, wie der Kreis der Damen und Herren im Salon die Geschichte Leberecht Gottliebs aufgenommen hat, wie es in Salons zuzugehen pflegt und wie man den alten Geistlichen nun zu beurteilen und zu bekritteln beginnt ... Als Leberecht Gottlieb an jenem Abend die Schwelle des kleinen Lokals überschritt, auf dessen beschlagener Schaufensterscheibe mit weißer Kreide die Worte „Else’s Salon“ standen, war ihm, als träte er weniger in einen Raum als in einen bereits...

Feuilleton

Nosferatu
Leberecht Gottlieb (Teil 143)

143. Kapitel, das uns zeigt, wie Leberecht Gottlieb eine Erinnerung aus dem Gedächtnis hervor holt - und zu einer wirklich fesselnden Geschichte macht, um sie am nächsten Donnerstag vorzulesen - und sich damit im Salon der Else Lasker-Schüler einzufinden ... Nachdem Leberecht Gottlieb sich, in einer jener Entscheidungen, die weniger als Entschluss denn als leise Einwilligung erscheinen, dazu verstanden hatte, in den Erprobungsräumen der asphodelischen Wiese zu verweilen – jenem merkwürdigen...

Feuilleton

Workuta Adieu …
Leberecht Gottlieb (Teil 142)

142. Kapitel,  welches vom Einsturz der Bleimine in Workuta erzählt und unseren Held aus seiner Zwangslage  auf die Eleusische Wiese Asphodeliens führt und er dort den Violetten Engel trifft ... Der Einsturz kam ohne jede Ankündigung, ohne vorlaufendes Grollen,  das den Katastrophen feierliche Rahmung verleiht, kam ohne den Donner, der das Ungeheure in die Ordnung der Erwartung stellt. Nichts dergleichen. Es war ein trockenes, plötzliches Brechen, als habe die Erde selbst, die man doch für...

Feuilleton

Dornenkrone
Lotusblüte - ein Gedicht

Manchem bist auch Du bekannt aus der Zauberwelt Indiens, dem fernen Land, das den Lotos hält. Weil Dein Auge alle sieht, die in schwerer Zeit trauernd und mit herbem Lied zieh’n zur Ewigkeit - an dem Kreuz den Bruder mir tröste nun Dein Ruf, uralt Gottes Opfertier, das die Not uns schuf. Lächle weiter unverwandt still’ dem Grund den Sinn.  Diese Blüte reicht die Hand, dem ich Jünger bin …

Glaube und Alltag

Losung als Lösung
Graf von Zinzendorf

Eine der eigentümlichsten Einsichten geistlicher Geschichte besteht wohl darin, dass ihre produktivsten Formen nicht aus Überfluss entstanden, sondern aus Verlegenheit. Der Augenblick, in dem einem nichts mehr einfällt, ist kein Defekt, sondern eine Öffnung. Genau hier beginnt das Experiment, das man später „Herrnhuter Losungen“ nennen wird, und es ist kein Zufall, dass sein Urheber, Nikolaus Ludwig Graf Zinzendorf, vielleicht weniger als genialer Erfinder denn als erschöpfter Seelsorger...

Glaube und Alltag
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SONNTAG JUDIKA
GENESIS 22 - AUF DEM BERGE

GEDANKEN ZU GOTT, ABRAHAM, ISAAK UND ZU DEM ENGEL DES HERRN AUF DEM BERGE MORIA 1. Es gehört zu den eigentümlichen Spannungen der biblischen Überlieferung, dass sie mit dem Religiösen nichts beruhigt, sondern alles zuspitzt (Genesis 22) 2. Wo der Mensch sich dem Göttlichen nähert, dort wächst nicht nur Klarheit darüber, dass es die Welt des Göttlichen irgendwie gibt, sondern auch die Gefahr wächst, vor ihr zu vergehen. 3. Das hebräische Wort für Opfer (קָרְבָּן - korban), aus der Wurzel KaRaB –...

Feuilleton

Krasse Geschichten (Teil 3.2)
Man tut was man kann

Des herzoglichen Kutschers Philipp Schelers Geschichte von dem mutigen Straßen-Sperling hatte dann den letzten Ausschlag gegeben. Man musste es probieren. Man musste so tun, als ob es gelänge. Jeder muss das tun, was er kann. Man muss manchmal sogar etwas tun, was man nicht kann. Es gilt alles zu wagen … Schon lange vor dem Jahr 1687 ließ Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg den Weinkeller des Schlosses Friedenstein im Südflügel zu einem Laboratorium umrüsten. Mit Regalen, einer...

Feuilleton

Krasse Geschichten (Teil 3.1)
DER SPERLING - ODER WIE ALLES BEGANN

Man muss sich die Verhältnisse vergegenwärtigen, unter denen ein Herzog wie Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg zu regieren hatte: ein Land von zersplitterter Gestalt, hervorgegangen aus jener großen Teilung, die den ernestinischen Besitz Ernst des Frommen in kleinere, doch nicht minder aufwendig zu unterhaltende Höfe zerlegt hatten, jeder mit seinem Anspruch auf Repräsentation, Ordnung und Dauer. Die Mittel hingegen standen in keinem angemessenen Verhältnis zu diesen Ansprüchen; es war...

Feuilleton

HERDER-KORRESPONDENZ (3/2026
DISRUPTIVE ZEITEN

In der Ausgabe (3/2026 - S.21-23) der HERDER-KORRESPONDENZ (Monatsheft für Gesellschaft und Religion) findet sich der für meine Begriffe ausgesprochen interessante Artikel DISRUPTIVE ZEITEN von Helmut Zander. Ich gebe hier den Inhalt wieder, so wie ich ihn verstanden habe. Mut beim Lesen ist hilfreich ... Man hat sich fast schon daran gewöhnt, die Säkularisierung als schleichenden Verfallsprozess des christlichen Glaubens zu beschreiben – als ein langsames Ausdünnen seiner religiöser Substanz....

Feuilleton

KRASSE GESCHICHTEN (Teil 2)
IN GERASA - Markus 5

Es war eine Gegend, in der Dinge nicht gern benannt werden. Selbst Wind, der vom See herüber wehte, schien sich zu scheuen, eindeutig zu sein. Als wüsste er, daß jedes Geräusch das aufwecken könnte, was besser ruhen sollte. Auch die Hügel schienen dem zuzustimmen. Grau lagen sie da, von einer gleichgültigen Beständigkeit und zwischen ihnen zogen sich alte Grabeshöhlen hin wie vergessene Gedanken. Dort lebte ein Mann. Der Mann. Sollte man nicht lieber sagen, dass er hauste? Nein, auch das wäre...

Feuilleton

KRASSE GESCHICHTEN (Teil 1)
HANANIAS UND SAPHIRA

Es war eine jener Stunden, in denen selbst die Luft zu ruhen scheint. Als hätte sie beschlossen, sich nie mehr zu bewegen, um das Geschehende auf keinen Fall zu stören. So lag in jenem Hause, das den Jüngern als Versammlungsort diente, der eigentümlichste Zustand zwischen Erwartung und Müdigkeit – wie ein Nachmittag, der sich nicht recht entscheiden kann, ob er in den Abend übergehen oder lieber doch einfach stehenbleiben sollte. Die junge Gemeinde, die sich um die Erinnerungen an den...

Feuilleton

☩ 26. März 1675 ☩
Ernst der Fromme

Es war der gute Wille, selbstverständlich war es der gute Wille, der immer wieder beschworene gute Wille, der alles in Bewegung setzte und am Ende alles auseinandertrieb. Man muss sich das vorstellen: ein Herzog, Ernst I. von Sachsen-Gotha-(Altenburg), der mit jener protestantischen Ernsthaftigkeit regiert, die nicht nur regieren, sondern ordnen, erziehen, verbessern will – Schulen, Kirchen, Verwaltung, alles wird verbessert, alles wird geordnet, alles wird, wenn man so will, moralisch...

Glaube und Alltag
Hand des Johannes mit dem "Gift"-Kelch
(ehemals Hofkirche Hildburghausen - jetzt in der Apostelkirche)
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Sanctus Iohannes Evangelista
In der Apostelkirche zu Hildburghausen

Die Stadt Ephesus lag an jenem Morgen unter einem Licht, das mit seinem matten Schimmer alles in Bronze zu verwandeln schien. Die Säulen des Artemistempels ragten schweigend gen Himmel, und zwischen ihnen bewegten sich die Priester mit jener würdevollen Langsamkeit, die ein wenig Theaterhaftes an sich hat. Und so muss es ja auch sein. Johannes aber, der alte Jünger Jesu mit dem jugendlichen Gesicht, stand vor diesen Heiden, als hätte er die Zeit selbst bereits hinter sich gelassen. Man hatte...

Kirche vor Ort

1826 - 2026
200 Jahre Hildburghäuser Teilung

URVATER ERNST In einer der kulturell wichtigen Landschaften Europas verlief die Geschichte nicht als breiter Strom, sondern eher als Geflecht kleinerer Wasserläufe, die sich trennen, sich wieder vereinigen, dann wiederum in neue Richtungen auseinandergehen und sich schließlich vereinigen. Thüringen gehört zu diesen Landschaften. Wer im 18. oder frühen 19. Jahrhundert durch diese Gegend reiste, konnte innerhalb weniger Stunden mehrere Staaten durchquert haben, ohne dass dabei sich Landschaft,...

Feuilleton

Du, du ...
... gehst an mir vorbei

Es war eine dieser Dorfkirchen, die schon lange verschlossen sind. Nicht böswillig verschlossen, nicht feindselig – eher wie ein altes Haus, dessen Bewohner ausgezogen sind und das nun auf nichts mehr wartet. Höchstens darauf, dass jemand sich erinnert, wozu es einmal da gewesen ist. Die Frau, die dort vorbeikam, hieß Johanna Katharina. Sie war eine von jenen Menschen, die man früher als empfindsam bezeichnet hätte und später als medial. In ihrer Jugend hatte sie Wünschelruten geführt und...

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