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Beiträge zum Thema Fenster

Feuilleton

zur inneren Dynamik von Logo & Logos
Roter Pfeil auf blauem Grund

ROTER PFEIL AUF BLAUEM GRUND - EIN PAMPHLET Es gehört zu den stillen Freuden aller Symbolkundler, das Offensichtliche nicht zu verleugnen, sondern ihm erst recht ins Auge zu blicken. Wer nun also das Logo der AfD betrachtet, muss sich schon besondere Mühe geben, nicht jenen Assoziationen zu verfallen, die sich unwillkürlich einstellen. Der rote Pfeil – aufgerichtet, gespannt, nach oben strebend – wirkt wie eine Chiffre der Selbstaufrichtung einer gerade überwundenen Erschlaffung, eines Willens,...

Glaube und Alltag

Griechische Mythen in christlicher Deutung
Poros und Penia

Der Mythos von Penia und Poros ist eine der dichtesten, zugleich unerquicklichsten Erzählungen der antiken Philosophie. Überliefert ist er im Symposion, in jener berühmten Rede der Diotima, durch die Sokrates darüber belehrt wird, was oder wer Eros sei. Die Geschichte ist kurz – und von einer eigentümlichen Sprödigkeit: Als Aphrodite geboren ward, feierten die Götter ein Fest. Unter ihnen ist Poros, dessen Name „Weg“, „Ausweg“, „Möglichkeit“ bedeutet: eine Gestalt des geistigen Reichtums, der...

Feuilleton

FDJ-Duktus und AfD-Sprech
LTI-Mechanik

Vorspruch Wer die Mühe nicht scheut, sich den Entwurf des sachsen-anhaltinischen AfD-Programms als kursorische Lektüre zu verabfolgen, um darin zu studieren, wird recht bald merken, wie ganz unterschiedlich begabte Autoren das Ihrige in den umfangreichen Text haben einbringen dürfen. Am Sprach-Duktus ist viel - und eigentlich alles -ganz leicht zu erkennen. Bei der Erstellung eines 150-seitigen Papiers kann das auch gar nicht anders sein - verschieden begabte Geister wirkten mit. Der HERR hat...

Feuilleton

170. Todestag
Heinrich Heine

Der kommende 17. Februar markiert den 170. Todestag Heinrich Heines – ein Datum, das weniger nach stiller Gedenkkranzfeier als nach bewusst gesuchter gedanklicher Unruhe verlangt. Heine gehört zu jenen Autoren, die man nicht einfach erinnert, sondern die einen heimsuchen. Die Texte dieses Mannes wirken wie verspätete Briefe aus einer Zukunft, die sich weigert, endgültig Vergangenheit zu werden. Kaum ein Gedicht hat sich so tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt wie „Deutschland. Ein...

Kirche vor Ort

Thüringen
… als Frühwarnsystem

Thüringen - als Frühwarnsystem Man hat Thüringen gern als Landschaft beschrieben, wo der Weltgeist spazieren geht. Als bewaldete Falte der Mitte sah man es an und als grünen Riss zwischen den großen Platten Europas. Treffend auch wäre, von einer sozialen Membran zu sprechen: dünn, empfindlich, resonanzfähig. Wer diese Membran über Jahrhunderte gespannt hielt, war gar nicht der Staat – der war zu klein –, sondern die Kirche. Und deren eigentliches Organ waren sogenannten „Pfarrherren“, ganz egal...

Feuilleton

Philosophen vorgestellt
Hannah Arendt

Das Bild wirkt auf den ersten Blick harmlos: Kalenderästhetik, warme Farben, ein klassisches Porträt. Und doch ist es eine Falle, aus der man so schnell sich nicht wird befreien können. Die jüdische Philosophin Hannah Arendt blickt uns an, nicht frontal, eher seitlich, wie jemand, der weiß, dass das Entscheidende selten dort geschieht, wo es offiziell verhandelt wird. Über ihr steht der Satz vom autoritätshörigen Mob. Und genau dahinter liegt die eigentliche Zumutung. Arendt hat in ihrem großen...

Glaube und Alltag

Dem Himmel...
... Eine Stunde schenken

Peter Sloterdijk stellt eins seiner Bücher unter den bekannten Vers des Matthäusevangeliums. Dort heißt es: „Und er sprach zu ihnen nicht, es sei denn in Gleichnissen” (Mt 13,34). Titel des Buches: „DEN HIMMEL ZUM SPRECHEN BRINGEN.“  Auf einer dreihundertfünfzigseitigen Reise durch die Zeit wird Stück für Stück klarer, wie Menschen nicht nur über den Himmel erzählt, sondern durch eigenes Reden und Schweigen versucht haben, den Himmel selber zum Sprechen zu bringen. Nicht der astronomische...

Feuilleton

Wo Wüste war...
...soll Paradies werden

Die Erschaffung von Adam und Eva zu freien Ebenbildern Gottes wird auf immer untrennbar verbunden bleiben müssen mit der sofortigen Entscheidung der beiden Ureltern, ihre Freiheit maximal selber auch zu nutzen. Und so geschieht es denn: Man isst von jener Frucht, deren Genuss dazu zwingt, in Zukunft zwischen gut und böse unterscheiden zu müssen. Nur noch der Tod wird von diesem Zwang erlösen können … Ein besonderer Reiz ging schon immer von solchen Denkfiguren aus, mit denen Gott beschrieben...

Feuilleton

über das böse
Santer

Das Böse erscheint in der Literatur nicht immer nur dort, wo man es ohne weiteres erwartet hätte. Es kommt nicht notwendig in dämonischem Gepränge daher, sondern oft sogar im Gewand der Vernunft, der Berechnung und technischer Überlegenheit. In den Erzählungen Karl Mays ist diese Einsicht in der Gestalt Santers mit bemerkenswerter Konsequenz ausgearbeitet (Winnetou Band I und Band III). Santer - der übrigens keinen Vornamen hat, aber dessen Name in lautlicher Verwandtschaft zum Formenkreis des...

Feuilleton
2 Bilder

PHILOSOPHEN VORGESTELLT
Gianni Vattimo (1936-2023)

Es gibt Philosophen, die auftreten wie Statiker der Weltgeschichte, mit Helm, Zollstock und dem festen Glauben an tragende Begriffe. Und dann gibt es diesen Italiener Gianni Vattimo, der leise lächelnd danebensteht und fragt, ob die tragenden Elemente dieser Gedankengebäude nicht längst Haarrisse haben. Gianni Vattimo gehört zu jener seltenen Gattung von Denkern, die ihre philosophische Pointe nicht aus der Verstärkung, sondern aus der Abschwächung beziehen. Seine Theorie des pensiero debole –...

Feuilleton

Zahl und Zeit
SIEBEN SACHEN

Zahl und Zeit. Der Mensch zählt, weil er Zeit hat – und weil er Angst vor ihr hat. Wo Ereignisse sich überschlagen, wo Geschichte unruhig wird, beginnt der Mensch zu rechnen. Er zählt Jahre, Fristen, Generationen. Er stellt Statistiken auf und liest die Zahl an den Manometern der sich leerenden Gasspeicher. Er liest jeden Tag Texte, in denen Zahlen vorkommen, und macht aus ihnen Fahrpläne: Was kommt als Nächstes? Wie lange noch? Wann endet dies, wann beginnt jenes? Zahlen beruhigen. Sie geben...

Glaube und Alltag

das Paradoxon
Gottes Antlitz

Der Barbierladen lag nahe am Hafen, dort, wo das Salz in den Fensterrahmen sitzt und die von Sturm und Regen  frisch gewaschene Dinge immer noch nach Erinnerung riechen. Die Tür stand offen. Drinnen war es still. Nur das leisen Klirren eines Glases hörte man, als die Tür sich schloss. Ein Fremder war eingetreten und setzte sich. Der Barbier sah ihn an, lange, so wie man einen Text liest, den man schon einmal gelesen, aber nie ganz verstanden hatte. „Sie haben Zeit?“ fragte der Barbier. „Ja“,...

Glaube und Alltag

DAS CHRISTENTUM ...
... und sein Nichtverschwindenkönnen

1. Religionen entstehen nicht aus dem Nichts Religionen entstehen nicht ex nihilo, sondern an Bruchstellen der menschlichen Erfahrung, hauptsächlich der starken Erfahrungen. Sie bilden sich dort, wo alltagsbewährte Wahrnehmungs- und Deutungsroutinen versagen. Der Mensch lebt in einem Gefüge aus erprobten Kausalitäten, sozialen Rollen, biologischen Rhythmen und sprachlichen Ordnungen. Solange diese kohärent funktionieren, besteht kein Bedarf an weiterführenden Deutungsentwürfen - sprich...

Service + Familie

Friedrich Schiller
Von der ästhetischen Erziehung des Menschen

Als Friedrich Schiller seine Schrift „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ verfasste, tat er das nicht nur im Ton pädagogischer Zuversicht, sondern auch mit der Erfahrung des Scheiterns. Die Französische Revolution hatte nämlich gezeigt, dass Freiheit, wenn sie ohne innere Form ausgerufen wird, in Raserei umschlägt. Schillers Diagnose war scharf: Der Mensch ist politisch überfordert, solange er ästhetisch ungebildet bleibt. Nicht Moral und nicht Gesetz sollten den Anfang machen, sondern...

Feuilleton

PHILOSOPHEN VORGESTELLT
Thomas Nagel

Der US-amerikanische Philosoph Thomas Nagel (*1937) gehört zu jenen Denkern, die man erst unterschätzt und dann nicht mehr loswird. Kein Revoluzzer, kein Systembauer, kein essayistischer Volkslautsprecher. Eher ein philosophischer Störsender. Einer, der mitten im gut geölten Betrieb moderner Erkenntnistheorie einfache, aber fatal wirksame Fragen stellte – und damit ganze Gebäude ins Schwingen brachte. Nagel ist ein kompromissloser Analytiker, allerdings einer mit metaphysischem Restgewissen....

Feuilleton

27. Januar
Mozarts 270. Geburtstag

Wolfgang Amadeus Mozart wird am 27. Januar zweihundertundsiebzig Jahre alt - irdische Jahre zählte er nur fünfunddreißig. Da könnte mancher spöttisch bemerken: „Eilig hat er es gehabt mit dieser relativ kurzen Lebenszeit.” Andere mussten nur abdanken und sind älter geworden. Zum Beispiel der deutsche Kaiser und preußische König Wilhelm II., der mit dem Komponisten aus Salzburg ebenfalls am 27. Januar Geburtstag feierte. Mozart aber hat nie abgedankt. Kaiser kamen und gingen. Reiche verblassen -...

Feuilleton

getröstet
Kardinal XP-47

Er hieß offiziell zwar "Pflegeeinheit XP-47", doch niemand nannte ihn so. Für den emeritierten Pfarrer Johannes Reuter, der seit drei Jahren im Pflegeheim „Mutter Theresa” seine Pension verzehrte, war er einfach „Der Kardinal”. Der Kardinal war ein Wunderstück deutscher Ingenieur- und Erfinderkunst. Man sah ihm an, dass das kein Mensch war. Nicht auf unangenehme Weise war es zu bemerken, sondern eher so, wie man einer Zeichentrickfigur ansieht, dass sie nur gezeichnet ist: die Haut einen Hauch...

Feuilleton

25. Januar
Ester, Karl der Große, Paulus …

PAULUS, ESTER, KARL DER GROßE Der 25. Januar ist kein idyllisches Datum. Dieser Tag gehört an jene Stellen des Kirchenjahres, wo sich nicht Harmonie, sondern dringliche Entscheidung anmeldet. Die Kirche hat den 25.Januar seit alters her mit der Bekehrung des Apostels Paulus verbunden. Also mit einem Ereignis, das sich historisch nicht festmachen lässt, aber theologisch datiert wurde. Die Umkehr vom Saulus zum Paulus - so definierte die Kirche - ist kein zeitloser Gedanke, sondern Einschnitt...

Feuilleton

DA ICH EIN KNABE WAR
RETTET’ EIN GOTT MICH OFT

Als Friedrich Hölderlin im Herbst 1796 den Neckarraum verlässt und nach Frankfurt wandert, trug er wenig Gepäck bei sich, aber eine gefährliche Mischung im Innern: klassische Bildung, schwäbische Innigkeit, philosophische Glut – und eine Empfindsamkeit, die nicht auf Anpassung, sondern auf Durchbruch zielt. Der junge Dichter betritt nun das Haus des Bankiers Gontard, nicht nur als freier Geist, sondern auch als Hauslehrer. Äußerlich vielleicht eher eine demütigende Stellung, innerlich jedoch...

Feuilleton

Philosophen vorgestellt
Heraklit von Ephesos

Der Satz Πόλεμος πάντων πατήρ ist bekannt. „Krieg ist Vater aller Dinge.“ Drei wenige Worte tragen eine Provokation in sich, die älter ist als jede christliche Theologie und von ihr nicht übergangen werden kann. Heraklit, der dunkle Philosoph von Ephesos, spricht vom Kampf als Ursprung, vom Krieg als schöpferischer Macht. Er äußert diesen Gedanken, der den schlichten Christenmenschen zunächst befremdet: Soll das Zerstörerische, das Trennende, das Gewaltsame der Vater von allem sein, was ist?...

Feuilleton

DIE FRAGE

Es geschah zwar nicht im Anfang der Welt, aber doch an einem jener Punkte, an denen die Welt noch formbar war. Etwa dreihundert Jahre nach der Zeitrechnung, als Rom bereits alles besessen hatte außer Gewissheit, saß Konstantin, der Kaiser des neuen Roms, nicht mehr als Gott, aber noch als junger Mann zwischen allen Zeiten und Stühlen. Er war ein Lernender, ein Hörender, ein noch nicht Gefestigter – unsicher genug, um vom Weltenschicksal selbst befragt zu werden. Die Frage kam nicht aus dem Lärm...

Glaube und Alltag

"Zeichen" in der Bibel
Reinen Wein einschenken

Hin und wieder geschehen sie doch. Sogenannte "Zeichen", über die wir uns dann wundern. Man staunt - und manche Leute fangen an, diese Zeichen zu deuten - und finden vermittels dieser Deutungen einen Weg, den sie sonst nicht gefunden hätten. Auch jene drei in den Sternen forschenden Magier aus dem Morgenland, welche von fern her zur Krippe zogen, deuteten die Gestirnszeichen, die über dem Stall von Bethlehem am Himmel zu sehen waren. Als erstem jener irdischen Zeichen nun, welche mit dem Wirken...

Glaube und Alltag

karmische verstrickungen
Was es alles gibt ...

Am Rande der Stadt, dort, wo der Asphalt in Schotter übergeht und die Fabrikschlote den Himmel verdunkelten, stand jeden Morgen Anna mit ihrer Milchkanne. Wenn sie die Kanne anhob, klapperte der Henkel metallisch. Die Kühe muhten Anna hinterher und vor ihr brummten schon die Maschinen, obwohl der Tag noch kaum begonnen hatte. Dieses Geräusch war der Atem von Annas Welt, gleichgültig und zuverlässig. Anna hieß eben Anna. Aber die Alten im Dorf hatten auch einen anderen Namen für sie: Pelia....

Feuilleton

PHILOSOPHEN VORGESTELLT
Henry Bergson und die Lebensphilosophie

War die sogenannte Lebensphilosophie der Versuch, dem Denken zu entkommen, indem man das eigene Leben wieder einholt? Das obige Foto des französischen Philosophen Henri Bergson, ernst, gesammelt, beinahe asketisch, wirkt wie ein stiller Kommentar zu dieser Frage, was die sogenannte Lebensphilosophie eigentlich gewesen sein wollte. Da schaut ein Mann an uns vorbei, der wie kaum ein anderer vom Leben gesprochen hat – von ihrer Zeit als Dauer (durée) eines Strömens, von schöpferischer Bewegung,...

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