Blickpunkt

Beiträge zur Rubrik Blickpunkt

Kritik: Begriff der Sünde als »moralische Keule« missbraucht

Oberursel (G+H) – Der Würzburger Theologe und Schriftsteller Klaas Huizing hat an die christlichen Kirchen appelliert, ihr Bild vom Menschen zu korrigieren. Es beruhe auf der Vorstellung, dass der Mensch durch und durch Sünder und auf Gnade angewiesen sei. Dagegen wisse man seit der Aufklärung, dass der Mensch autonom und in der Lage sei, ein »gelingendes Leben« zu führen. Der Begriff der Sünde sei »bizarr altmodisch« und sei lange als »moralische Keule« missbraucht worden, betont Huizing in...

Pro und Kontra: Müssen wir noch von »Sünde« reden?

JA, denn sonst wird man der Wirklichkeit des Menschen nicht gerecht. Sünde braucht man, um von Vergebung zu reden – und von Gottes guter Gegenwart.Von Ingolf U. Dalferth Die Frage ist nicht ob, sondern wie man von Sünde redet. Man ändert die Wirklichkeit nicht, indem man die Augen vor ihr verschließt. »Sünde« ist die theologische Kurzformel unserer Lebenswirklichkeit. Sie sagt, was der Fall ist, ob wir das Sünde nennen oder nicht. Auch wer das nicht tut, meint ja zu wissen, was Sünde ist:...

Kinder leiden  in Suchtfamilien 

Berlin (epd) – In Deutschland leiden Schätzungen zufolge rund drei Millionen Kinder unter der Alkoholsucht ihrer Eltern. Damit wachse bundesweit etwa jedes sechste Kind in einem Elternhaus mit Alkoholstörung auf, sagte der Leiter des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung an der katholischen Fachhochschule in Köln, Michael Klein, in Berlin. Insgesamt seien 3,5 Millionen Bundesbürger von einer krankhaften Alkoholsucht betroffen. Die Betroffenen weisen demnach ein wiederholtes...

Die Wünsche  der Frauen 

Die Lebensentwürfe von Frauen und Männern ähneln einander immer mehr. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Frauenzeitschrift »Brigitte«. Der Wunsch nach gelebter Gleichberechtigung sei groß, in der Realität aber noch nicht erfüllt, sagte »Brigitte«-Chefredakteurin Brigitte Huber bei der Präsentation der Umfrage »Mein Leben, mein Job & ich« in Berlin. Im Auftrag der Zeitschrift waren dafür vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos bundesweit über 2 000 Frauen und Männer im Alter zwischen 18...

Armutsrisiko für Familien

Studie: Die finanzielle Situation wird mit jedem zusätzlichen Kind schwieriger Mit jedem zusätzlichen Kind wird die finanzielle Lage von Familien schwieriger«, warnt die Bertelsmann Stiftung. Sie legt eine Untersuchung vor, die auf Grundlage neuer Berechnungen ein drastisches Bild der sozialen Lage zeichnet. Das Armutsrisiko von Familien ist laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung größer als bisher angenommen. Besonders drastisch sei die Situation für alleinerziehende Eltern, erklärte die...

Frauen in drei Lebensphasen, gehalten von Gottes Hand: Das Wandrelief der Bild­hauerin Christine Rammelt-
Hadelich ziert seit 2005 den Eingangsbereich des Marienheims in Dessau, einem Altenpflegeheim der Anhaltischen Diakonissenanstalt: | Foto: Lutz Sebastian
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Frauen, Töchter und Mütter

Generationen im Gespräch: Am 2. März ist Weltgebetstag der Frauen, am 8. März Internationaler Frauentag. Wie wachsen Mädchen heute auf? Wie prägen Mütter ihre Töchter? Hanna (66), Anna (45) und Paula Manser (16) stellten sich diesen Fragen. Frau Manser, Sie sind Jahrgang 1952. Mit welchem Frauenbild sind Sie aufgewachsen? Hanna: Wir waren vier Mädchen. Meine Mutter, Jahrgang 1913, hat sich sehr für Literatur interessiert und war gern Lehrerin. Ihren Beruf hat sie bei der Geburt meiner ältesten...

Kraftquelle: Eröffnungsgottesdienst in der Dresdner Christuskirche zur Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung am 12. Februar 1988 ... | Foto: epd-bild
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Wo die Friedliche Revolution begann

Rückblick: Vor 30 Jahren tagte erstmals die Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungs­bewahrung in Dresden. Von Hans-Jürgen Röder Um Dresdens Ruf ist es derzeit nicht gut bestellt. Vor allem Wirtschaft, Handel und Tourismus klagen über heftige Umsatzeinbußen. Der Grund: die wöchentlichen Pegida-Aufmärsche im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt, die den Verantwortlichen in der Elbmetropole seit Herbst 2014 erheblich zu schaffen machen. Dabei sind von der Stadt vor...

»Das letzte Wort wird Christus sprechen«

Lieblingsfeind der Stasi: Ludwig Große erinnert sich an seine Zeit als Superintendent in Saalfeld Von Christine Lässig Vorsichtiges Taktieren und lauwarmes Gerede sind Ludwig Großes Sache nie gewesen – schon als junger Pfarrer in Tannroda nicht, als Super- intendent in Saalfeld von 1970 bis 1988 schon gar nicht. Das hat ihn zum Lieblingsfeind der Stasi gemacht. Als er sich vor 30 Jahren überzeugen ließ, als Oberkirchenrat und Ausbildungsdezernent in den Eisenacher Landeskirchenrat zu wechseln,...

PRO: René Thumser, Referent für landeskirchliche Großveranstaltungen im Gemeindedienst der EKM
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Pro & Kontra: Chance für mehr Gerechtigkeit – Risiko für größere soziale Spaltung

Pro: Allgemeiner Konsens ist wohl, dass unsere Gesellschaft eines Systems der sozialen Sicherung bedarf, welches dafür sorgt, allen Mitgliedern der Gemeinschaft ein Leben in Würde zu ermöglichen. Die Frage ist, ob das bestehende System unseren Ansprüchen und Möglichkeiten (noch) genügt. Trotz wachsender Wirtschaftsleistung werden Reiche immer reicher und Arme immer ärmer. Die Wahrscheinlichkeit, in Altersarmut, Kinderarmut oder prekären Arbeitsverhältnissen zu landen, wächst. Existenzsorgen...

Foto: sunnychicka –  stock.adobe.com
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Geld für alle

Aus protestantischer Sicht: Das Bedingungslose Grundeinkommen und die Frage: Was zählt eigentlich als Arbeit? Von Dennis Sinemus Die Umsetzung der Agenda 2010 führte zu einer erheblichen Ausweitung des Niedriglohnsektors auf dem deutschen Arbeitsmarkt und damit verbunden zu einer Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse. Mit den Auf- und Umbrüchen in der zunehmend globalisierten und digitalisierten Arbeitswelt geht der Verlust an stabilen und verlässlichen Lebenslagen und damit eine höhere...

»Damit sich Geschichte nicht wiederholt, muss man sie kennen«

Der jüdische Professor und die Rechtsextremen: Reinhard Schramm spricht seit vielen Jahren mit Straftätern in der Jugendstrafanstalt. Von Dirk Löhr Der Brandanschlag auf die Erfurter Synagoge im Jahr 2000 war der Impuls für den »Thüringen Monitor«: Jenaer Wissenschaftler untersuchen seitdem regelmäßig die politische Kultur im Land. Der These »Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns« schloss sich 2017 jeder siebte befragte Thüringer...

Franz Alt: Menschen brauchen Hoffnung 

Medien und (keine) Versöhnung: Podiumsdiskussion zum Studientag in JenaVon Doris Weilandt Bei einer Podiumsdiskussion zum Studientag der Theologischen Fakultät Jena zum Thema »Medien und (keine) Versöhnung? Die Ambivalenzen von Konfliktberichterstattung« konstatierte der ehemalige Moderator des TV-Magazins »Report«, Franz Alt: »Menschen brauchen Hoffnung.« Er sei davon überzeugt, dass positive Nachrichten mehr bewegen als die Dauerbeschallung mit vermeintlichen Katastrophen. In der Diskussion...

Schlachtfelder der Schönheit

Schönheits(wahn)vorstellungen: In ihrer Londoner Praxis behandelt Susie Orbach Menschen, die unzufrieden mit ihrem Körper sind. Die Bestsellerautorin verfasste Bücher wie das  »Antidiätbuch«, »Lob des Essens« oder »Bodies. Schlachtfelder der Schönheit«. Ihre These: Der Körperhass der industrialisierten Welt ist der heimliche Exportschlager der Globalisierung. Von Markus Springer Auf den Fidschi-Inseln gibt es Fernsehen erst seit 1995. Für das, was im Südseeparadies als schön galt, hatte der...

Jeder ist schön

Im Friseursalon: Er frisierte die schönsten Frauen der Welt: Topmodels wie Claudia Schiffer, Heidi Klum oder Naomi Campbell und Filmlegenden wie Marlene Dietrich, Romy Schneider oder Hildegard Knef. Deutschlands Star-Coiffeur Udo Walz über Schönheit. Herr Walz, welche war die schönste Person, die Sie jemals frisiert haben? Walz: Die schönste … (überlegt). Die berühmteste war Marlene Dietrich. Ich finde, Schönheit ist immer Geschmackssache. Ich fand sie alle schön. Ich kann das nicht beurteilen,...

»Hohelied Salomos« in Bildern – Thorsten Föllmer (vorn) und Sabrina Schmidt sind zwei von insgesamt zwölf Protagonisten einer Inszenierung der Fotokünstlerin Julia Krahn. Bewohner einer Behinderteneinrichtung in Hannover haben dabei 26 Szenen, inspiriert vom Text aus dem Alten Testament, dargestellt. | Foto: www.schoenerheit.com
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Deine Brüste sind wie Gazellen

Liebesgeflüster: Im Alten Testament stößt man auf wundersame Verse. Lippen werden mit Honigseim verglichen, und der Körper des Geliebten duftet wie die Bergfrische des Libanon. Was macht diese erotische Lyrik in der Bibel? Von Tilman Baier Diese Verse gehörten »zum Schönsten und Anmutigsten, was Dichter bis heute an Liebespoesie verfasst haben«, ist Hans-Jürgen Abromeit überzeugt. Darum hatte sich der Greifswalder Bischof mit zwei Schauspielern und einem Kirchenmusiker zusammengetan, um das...

Das Hohelied der Liebe 

Ein besonderes Buch der BibelVon Elisabeth Birnbaum Denn die ganze Welt wiegt den Tag nicht auf, da das Hohelied Israel gegeben wurde, denn alle Schriften sind heilig, aber das Hohelied ist hochheilig! So überschwänglich hat der frühjüdische Rabbiner Rabbi Aqiba das alttestamentliche Hohelied bewertet. Kein anderes Buch des Alten Testaments wurde so häufig kommentiert und ausgelegt wie dieses. Und bei kaum einem anderen biblischen Buch gehen die Interpretationen so weit auseinander. Das...

Der Bibelwochen-Pfarrer von Dröbischau 

Von Januar bis März: Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Karl-Helmut Hassenstein zu Gemeindeabenden unterwegs Von Andreas Abendroth Karl-Helmut Hassenstein, Oberpfarrer im Ruhestand, sitzt auf der Couch in seinem Wohnzimmer in Dröbischau (Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) und liest im aktuellen Bibelwochenheft. Eine Lektüre, die ihn bereits seit 50 Jahren begleitet. Hassenstein ist ein Pfarrer vom »alten Schlag«. Auch mit 76 Jahren springt er noch vertretungsweise ein, wenn die Kollegen aus...

Das Ende der Unschuld

Rezension: Sandra Schulz hat ein vielschichtiges Buch über schwere Schwangerschaften geschrieben. Von Katja Schmidtke Die Zeit der Unschuld ist vorbei. Sie kann nicht einmal für das Werden und Wachsen eines ungeborenen Lebens in Anspruch genommen werden. Schwangere Frauen sind nicht mehr guter Hoffnung. Sie wissen. Und zweifeln. Blut- und Fruchtwassertests, um genetische Defekte zu erkennen, und hochauflösender Ultraschall, um Organfehlbildungen zu identifizieren. Dies gehört zum...

Zeitzeuge und Wissenschaftler: Peter Maser ist eng mit der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße verbunden | Foto: Diana Steinbauer
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Feindlich, staatszersetzend, Christ

Erinnerung: Mit dem Porträt des Kirchenhistorikers und Zeitzeugen, Professor Peter Maser, der sich in Sachen Aufarbeitung verdient gemacht hat, startet unsere Serie über »Christen in der DDR«. Von Diana Steinbauer Peter Maser steht im Innenhof der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt und blickt auf den Kubus, einen dunklen Würfel, bemalt mit Comiczeichnungen, die von den aufwühlenden Tagen im Spätherbst 1989 in Erfurt erzählen. »Ich glaube, das ist das bisher einzige gelungene...

Rituale
Beten ist wie telefonieren

Wie Kinder in die christliche Tradition eingeführt werden können. Von Mirjam Petermann Joris, drei Jahre alt, sitzt mit seiner Familie und dem Besuch am Tisch zum Kaffeetrinken. Er betet vorher, dankt für das Essen und den Besuch. Bei den Gästen hinterlässt das einen bleibenden Eindruck. Es ist für sie etwas Besonderes, in ein Gebet eingeschlossen zu werden. Die Erfahrung, gemeinsam zu beten machen Erwachsene wie auch Kinder heute nur noch selten. In der eigenen Familie oder bei den Großeltern...

Rituale
Alles kann Gebet sein: Schweigen, singen, arbeiten

Es gibt verschiedene Formen des Gebets: Kindergebete, Tischgebete, Friedensgebete, Fürbitten, stille Gebete. Keines bleibt ohne Wirkung. Von Sabine Kuschel Das Gebet ist ein höchst bemerkenswertes Phänomen. Für sehr viele Menschen – Christen, Juden, Muslime und Angehörige anderer Religionen – ist es fest in den Tagesablauf integriert. Ihnen gegenüber steht insbesondere in Deutschland eine hohe Zahl von Atheisten, Menschen, die nicht an Gott glauben. Doch sogar sie schicken gelegentlich, wenn...

Der Takt des Lebens

Bündnis für den Sonntagsschutz Die Allianz für den freien Sonntag in Sachsen-Anhalt fordert, den arbeitsfreien Sonntag weiter zu schützen. Der neue Appell wird unterstützt von 30 Landtagsabgeordneten. Albrecht Steinhäuser, der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Sachsen-Anhalt, betonte, dass der Sonntagsschutz nach wie vor ein aktuelles Thema sei. Dass sich ein breites politisches Spektrum dafür stark mache, sei ein Signal, ihn auch künftig nicht aufzuweichen. Steinhäuser erläuterte, dass...

Das Kirchengeläut ist ein gutes Zeichen

Gewerkschaft: Gemeinwesen braucht Ruhetag für den Zusammenhalt Von Susanne Wiedemeyer Anders als Maschinen können Menschen nicht über 365 Tage im Jahr dreischichtig arbeiten. Technische Apparate kommen mit Wartungszyklen aus. Arbeitende Menschen bedürfen, wo sie in der Produktion von Waren und Dienstleistungen stehen, der Reproduktion ihrer jeweiligen physischen, psychischen, sozialen und kulturellen Existenz. Zu den nicht ersetzbaren kreativen Fähigkeiten der Menschen gehört auch, sich selbst...

Lasst den Sonntag in Ruhe

In Sachsen-Anhalt gibt es eine Allianz für den freien Sonntag. Arbeitgebervertreter findet man nicht darunter. Willi Wild fragte den Vizepräsidenten des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU), Friedhelm Wachs, warum das so ist: Was halten Sie von derartigen Bündnissen? Wachs: Für uns Christen gilt das 3. Gebot. Es lautet: »Du sollst den Feiertag heiligen.« Im Grundgesetz steht in Artikel 140: »Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der...

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