Sprengel Erfurt - Feuilleton

Beiträge zur Rubrik Feuilleton

Kloster Volkenroda
Beten, Bierbrauen und Verkosten

Ein Seminar zum Bierbrauen findet vom 16. bis 18. Januar im Kloster Volkenroda statt. Damit wird eine alte Tradition in dem Kloster neu belebt. Eingebettet in die Gebetszeiten des Tages werden alle Schritte mit Hilfe einer Kleinbrauanlage von 50 Litern in handwerklicher Art und Weise durchgeführt. Die Teilnehmer erfahren dabei Wissenswertes über die Geschichte des Bierbrauens, die Entwicklung in den Klöstern und gesundheitliche Aspekte des Bieres. Anmeldung:...

WENN DIESES LIED ERKLINGT ...
zur Philosophie der Kirchenaustritte

Es gehört inzwischen fast zum guten Ton, es beiläufig zu sagen:" Ich bin aus der Kirche ausgetreten." Man sagt es mit derselben Stimme, mit der man früher erklärte, keinen Festnetzanschluss mehr zu haben. Überholt. Unpraktisch. Zu teuer. Eine Telefonzelle auf dem Marktplatz, während man doch längst ein Handy besitzt. Und ja, Geld spielt auch eine Rolle. Jeder braucht es. Niemand gibt es gern für etwas aus, dessen Sinn nicht mehr unmittelbar einleuchtet. Mit dem schleichenden...

Michel de Montaigne

Michel de Montaigne (1533–1592) gehört zu den frühen Gestalten eines Denkens, das den Menschen nicht mehr von metaphysischen Systemen her, sondern von seiner eigenen Endlichkeit aus betrachtet. Als Jurist, Staatsmann und Privatgelehrter zog er sich später aus dem öffentlichen Leben zurück, um in seinen Essays eine neue Form philosophischer Selbstprüfung zu entwickeln. Nicht Belehrung, sondern Klärung war sein Ziel: die nüchterne, unbestechliche Betrachtung dessen, was es heißt, als Mensch zu...

TURM UND ZEIT

Die Zeit hängt. An den Kirchtürmen. Nicht zufällig. Man sieht sie dort, groß, rund, autoritativ: Zifferblatt, Zeiger, Takt. Die Uhr ist zum Gesicht der Kirchen geworden, und richtete das Antlitz des Menschen für eine gewisse Zeit wieder nach oben in Richtung Himmel. Und genau darin liegt ein leiser, aber folgenreicher Verrat. Zeit war einmal etwas anderes. Sie floss. Sie kam und ging. Sie wurde erfahren, nicht gemessen. Der Tag begann mit dem Licht, endete mit der Dunkelheit. Der Mond wuchs und...

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Geschichten aus der Makulatur
Silvestergedanken

Der liebe Gott und der Teufel, das waren zwei resche Gesellen! Am Anfang sind sie einander auch gar nicht feind gewesen, wie es heute erzählt wird. Im Gegenteil - sie standen recht gut zueinander, wie ihr das auf den obigen Bildern auch sehen könnt. Die beiden waren eben nur entgegengesetzte Prinzipien ein und derselben geheimnisvollen Sache. Aber irgendwann war Schluss damit. Man weiß nicht mehr so richtig warum. Davon will ich Euch am Silvesterabend versuchen, die wirkliche und wahre...

Hoffmanns Erzählungen
JESUSKURVE

Am Anfang muss etwas vorangestellt werden. Warum? Weil erstaunlich viele, die hier weiterlesen oder zuhören, die Geschichte noch gar nicht kennen. Am Anfang steht eine Kneipe. Ort des Rauschtranks. Keine Kathedrale, kein Hörsaal, kein Olymp. Eine Kneipe. Dort sitzt Hoffmann, Dichter, Trinker, Liebender auf Widerruf. Er wartet auf Stella, eine Sängerin. Während diese auf der Bühne Donna Annas Part in Mozarts Don Giovanni singt, erzählt Hoffmann seinen Freunden – angeheitert, aufgekratzt und...

Faust-Apokryphen
Blick vom Berge Ararat in Richtung des kaiserlichen Thronsaals

Faust und Mephisto stehen auf dem Berge Ararat inmitten der Trümmer von Noahs gestrandeter Arche. Beide schauen in Richtung des kaiserlichen Thronsaals und sehen, wie am Silvesterabend die Menschen mit Knallern und Raketen versuchen, ihre Angst vor der Zukunft wirksam zu bekämpfen. Beim Herabschauen auf die Menschenwelt entsteht folgender Dialog, der alle Welträtsel schlechthinniger Existenz zum Thema hat. Faust behauptet, die Menschen würden irgendwann einen Weg finden, sich gegenüber allen...

Ausschnitt aus Dario die Giovanni (um 1420 vor 1490)
Jungfrau mit Einhorn  | Foto: JH
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Ausstellung im Museum Barberini
Einhorn – das Fabeltier in der Kunst

Einhorn – das Fabeltier in der Kunst Museum Barberini Potsdam noch bis 1. Februar 2026 Rund 150 Bildwerke und Objekte aus etwa 4.000 Jahren präsentiert das Museum Barbarini Potsdam. Und dies in Zusammenarbeit mit dem Musee de Cluny, Paris. Darunter befinden sich Arbeiten von Albrecht Dürer, Arnold Böcklin, Hans Baldung Grien, René Magritte und Rebecca Horn. Über 80 Leihgeber aus 16 Ländern haben sich beteiligt und ihre oft selten bis gar nicht ausgeliehenen Kunstwerke hergegeben. Die Liste ist...

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AUF DEN 28. Dezember
Festum Sanctorum Innocentium

Am andern Tage bietet sich durchs Fenster ein grausam böses Bild den Augen dar: Heran in Reihen zieht es wie Gespenster mit Rüstung, Schwert und Lanze offenbar. Zum Trommelschlag die schwarzen Fahnen wehen und Kriegsgesänge stimmte an die Schar. „Herod lässt seine Söldnertruppen gehen nach Bethlehem, zu stiften Mord und Not. Die Mütter wird es treffen, wird man sehen - denn unserm Kinde wünscht der König Tod!“ Der Engel, der mich führt, hob an zu trauern, indes den Himmel färbt des Abends Rot:...

CIVIL RELIGION
DER SANDMANN

VON DEN RESTEN GEHEIMER URRELIGIOSITÄT IM ARBEITER- UND BAUERNSTAAT Der Sandmann. Kleine Genealogie einer großen Schwellenfigur. Ja – der Sandmann. Der Sandmann ist eine jener Figuren, die man gewöhnlich unterschätzt. Man verordnet sie heute zwischen Kinderbett und Zahnbürste, zwischen Abendgruß und Gute-Nacht-Lied, und glaubt damit, das Männchen erledigt zu haben? Doch das ist ein Irrtum. Der Sandmann ist kein pädagogisches Vermahn- oder Unterhaltungsstück. Er ist eine Grenzfigur – und...

100. Geburtstag
Bert Hellinger

Zum hundertsten Geburtstag Bert Hellingers Es gibt Lehrer, die man zitiert ohne sie zu kennen, und solche, die man erinnert, weil man sie hat kennen lernen dürfen. Bert Hellinger gehört zu den Letzteren. Man erinnert sich an ihn nicht wie an eine Theorie, sondern wie an eine starke Erfahrung. Er war ein Mann, der im Raum stand und etwas geschehen ließ, das sich nicht ohne Weiteres in Begriffe fassen ließ – und der gerade dadurch die begriffliche Ordnung herausforderte, auf der moderne...

zur Philosophie
... des Krippenspiels

Bald ist es wieder soweit - Heilige Nacht. Vielleicht werden Sie dann irgendwo in einer knatterkalten Kirche das Krippenspiel betrachten? Und da wird Ihnen irgendwie warm ums Herz ... Manche erinnern sich daran, dass sie irgendwann selber Maria spielen durften oder den König Herodes. Ganz früher. Krippenspiele führen die Dinge über die Realität hinaus in die wirkliche Wirklichkeit. Wirklichkeit ist das, was wirkt. Darauf kommt es an. Das eigentliche Krippenspiel findet nämlich im Geiste statt -...

ERBAULICH, ERBAULICH
Krippenspiele

Das hatten sie sich eigentlich ganz anders vorgestellt. Familie Schulze war in den Heiligabendgottesdienst gegangen, und alle hatten gehofft, ein Krippenspiel betrachten zu können. Aber es war kein Krippenspiel, es war ein wirkliches Spiel. Es ging nämlich um alles oder nichts. Zum Schluss sogar um Leben oder Tod. Oder Tod und Leben. Man kann das so oder so sehen. Aber wir wollen am Anfang beginnen, denn es geht immer am Anfang los, und man darf das Ende und den Schluss nicht zu schnell...

Menschen der Woche
Harald Schmidt: Weihnachten mit Kirche und Fondue

Harald Schmidt feiert Weihnachten nach eigenen Worten mit «Tannenbaum, Bescherung, Kirche, Fleischfondue». «Die Kinder, alle noch in Ausbildung, haben das Kommando», sagte der Entertainer. Beim Fondue bleibe ihm nur der Text: «Das blaue Stäbchen ist meins.» Der 68-Jährige, der in einem katholisch geprägten Elternhaus im schwäbischen Nürtingen aufgewachsen ist, hat nach eigener Aussage keine Sicherheitsbedenken beim Besuch von Weihnachtsmärkten. Gerade erst sei er in Ulm über den Weihnachtsmarkt...

Erinnerungen …
Leberecht Gottlieb Teil 136

Es war im zweiten Monat seiner Haft in jenem Straflager bei Workuta und am dritten Tag des Monats Mai. Das Lager trug offiziell keinen Namen, inoffiziell aber wurde es von allen „der Kühlschrank Gottes“ genannt, weil hier jeder Atemzug zu eisiger Tortour gerann und selbst das Schweigen erfror. Leberecht Gottlieb stand an jenem Morgen in einer Schlange, die sich in die Wohnbaracke wand wie ein erschöpftes Reptil aus Wolle und Menschen. Es war Rasurtag. Der Tag, an dem das Lagerführungskommando...

Nikolaus
DER NAME - DER TRAUM

Man erzählt in den alten Häusern von Patara auch, dass die Mutter des künftigen Bischofs in einer Nacht tiefer Erschöpfung jenen Traum empfing, der dem Kind seinen Namen geben sollte. Das Kind war noch ungeboren, und die Zukunft der Stadt ungewiss. Als römische Provinz litt die Gegend unter Willkür und kleinlicher Amtsgier, und das Volk – das Laos – suchte nach Orientierung, die ihm bisher niemand gewährte. In jener Nacht aber erblickte die Frau im Traum einen Engel, der nicht in blendendem...

ADVENTSZEIT - LESEZEIT
Vorgestellt: Königliche Hoheit

"Königliche Hoheit" ist nach den „Buddenbrooks" der zweite große Roman Thomas Manns. Adventszeit ist auch Lesezeit! Am Beginn des an dieser Stelle ausdrücklich empfohlenen Buches brilliert jene Szene, in der ein alter General vor dem blutjungen Kadetten Klaus Heinrich salutiert. Thomas Mann legt in diesem Eingangskapitel – mit der feinen Ironie all seiner Kunst – die tiefe Grammatik von Rang und Ankunft offen: Hier kniet nicht einfach das Alter vor der Jugend, sondern die Weltordnung neigt sich...

Sonntagsevangelium
die Klugen und die Dummen

Zehn junge Frauen wollten einst geleiten den Bräutigam zu seinem Hochzeitsfest. Die Bibel uns erzählt von Jesu Zeiten, was alles sich davon berichten lässt: Schwarz war die Nacht - sie nahmen ihre Lampen und stürmten in des Lebens großen Test. Fünf Mädchen aber waren rechte Schlampen: Vergaßen mitzuführen Vorratsöl! Was nun geschah dort draußen an den Rampen? Der Bräutigam erschien nicht auf die Schnell‘. Die andern fünf sind klug und hoch zu loben – sie trugen Vorrat mit, dass ja nichts fehl‘!...

Glückwunsch
Once upon a time

Vor langer Zeit, als das Wünschen noch half, die Tiere sprechen konnten und der Herrgott selbst auf Erden ging, erzählte man sich von einem stillen Tal, das zwischen zwei fernen grünen Hügelketten gelegen und einen der sieben Mittelpunkte der Welt ausgemacht haben soll. Dort trug sich die wunderbare und traurige Geschichte des Knaben Perdix zu, der – kaum dass er die ersten Worte richtig formen konnte – damit begann, die Gegenstände seiner Umgebung zu zerlegen, neu zusammenzufügen, sie in einer...

#Gretchenfrage
Bodo Ramelow hat an Tora mitgeschrieben

Bodo Ramelow hat an der Torarolle für die Jüdische Kultusgemeinde in Dresden mitgeschrieben. Bis Ende Oktober 2026 sollen bei dem Projekt „Die ewige Schrift“ die fünf Bücher Mose von Hand in hebräischer Schrift auf Pergament gebracht werden. Dafür wurde vor dem Dresdner Stadtmuseum eigens ein gläserner Pavillon aufgebaut. Nach jüdischer Tradition dürfen ausgewählte Persönlichkeiten die ersten Worte der Tora schreiben. Der Buchstabe, den der Bundestagsvizepräsident schrieb, entstand geführt von...

die Reue des Herrn
VON SINN UND UNSINN

Peter Sloterdijk zeichnete in seinem lesenswerten und hiermit ausdrücklich empfohlenen Essay DIE REUE DES PROMETHEUS die lange Geschichte der Feuerbeherrschung als Tragödie der Menschheit nach. Ausgehend vom Mythos des Prometheus zeigt er, wie die Gabe des Feuers – Sinnbild aller technischen Selbstermächtigung – sich im Verlauf der Moderne in eine unkontrollierbare Pyro-Technik verwandelt hat. Die Menschen, ursprünglich dankbar für das Licht, wurden zu Brandstiftern ihrer eigenen Welt:...

Volk und Kaiser
… es gibt Tage …

Auch das gehört zu den merkwürdigen Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet jener Monarch, der sein Reich sechs Jahrzehnte lang wie ein schweigsamer Uhrmacher in Gang hielt, an einem einzigen unscheinbaren Tag still - verschwand. Franz Joseph Karl von Österreich, aus dem Haus Habsburg-Lothringen, war vom 2. Dezember 1848 bis zu seinem Tod Kaiser von Österreich, Apostolischer König von Ungarn und König von Böhmen. Mit einer Regierungszeit von nahezu 68 Jahren übertraf er jeden anderen...

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Prof. Dr. Norbert Müller
Im Gedächtnis geblieben

Ja - es gibt die großen Gestalten, die dem Gedächtnis nicht durch Lautstärke, sondern durch stille Gravität ihrer Existenz eingeschrieben bleiben. Professor Dr. theol. habil Norbert Müller war eine solche Erscheinung – einer jener Alten, deren Lebenszeit sich wie eine aus dem Dämmerlicht geborgene Handschrift lesen lässt. Behutsam, Seite für Seite, und stets begleitet vom Hauch jahrzehntealter Wissenschaft, die nicht vom Betrieb, sondern von der Berührung des wirklichen Geistes lebt. Wer je an...

Jesus, Nietzsche und Fichte
SPRING!

Im Matthäusevangelium findet sich eine Szene, die für das christliche Menschenbild zentral geworden ist. Jesus fragt seine Jünger, als was die Leute ihn sähen. Verschiedene Propheten werden  genannt ... Erst als Petrus sagt: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“, wird sichtbar, was geschehen kann. Ein Mensch findet seine Aufgabe, wenn er angesprochen wird. Petrus erkennt Jesus,  hält  den brennenden Reifen des Wagnisses hoch1) - und Jesus springt. Auf diese beherzte Weise gibt...

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