Sprengel Erfurt - Feuilleton

Beiträge zur Rubrik Feuilleton

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„Parsifal“ in Dresden
Karfreitagszauber

Nur ein „reiner Tor“ soll laut einer Prophezeiung in der Lage sein, die Gralsgemeinschaft zu erneuern. Sollte dieser Retter Parsifal sein? Karfreitagszauber Ein Bühnenweihfestspiel mit überzeugender Inszenierung. Endlich. Aus der Sicht eines Kindes. Das war wohlüberlegt von Floris Visser. Zu Beginn. Und wahrlich - ein Schlußakkord Wagnerschen Lebens. Genial inszeniert, mit Kostümen von feinstem Maß und einer himmlisch musizierenden Sächsischen Staatskapelle. Bravi. Stehender Applaus für dieses...

Krasse Geschichten (Teil 3.2)
Man tut was man kann

Des herzoglichen Kutschers Philipp Schelers Geschichte von dem mutigen Straßen-Sperling hatte dann den letzten Ausschlag gegeben. Man musste es probieren. Man musste so tun, als ob es gelänge. Jeder muss das tun, was er kann. Man muss manchmal sogar etwas tun, was man nicht kann. Es gilt alles zu wagen … Schon lange vor dem Jahr 1687 ließ Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg den Weinkeller des Schlosses Friedenstein im Südflügel zu einem Laboratorium umrüsten. Mit Regalen, einer...

Krasse Geschichten (Teil 3.1)
DER SPERLING - ODER WIE ALLES BEGANN

Man muss sich die Verhältnisse vergegenwärtigen, unter denen ein Herzog wie Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg zu regieren hatte: ein Land von zersplitterter Gestalt, hervorgegangen aus jener großen Teilung, die den ernestinischen Besitz Ernst des Frommen in kleinere, doch nicht minder aufwendig zu unterhaltende Höfe zerlegt hatten, jeder mit seinem Anspruch auf Repräsentation, Ordnung und Dauer. Die Mittel hingegen standen in keinem angemessenen Verhältnis zu diesen Ansprüchen; es war...

HERDER-KORRESPONDENZ (3/2026
DISRUPTIVE ZEITEN

In der Ausgabe (3/2026 - S.21-23) der HERDER-KORRESPONDENZ (Monatsheft für Gesellschaft und Religion) findet sich der für meine Begriffe ausgesprochen interessante Artikel DISRUPTIVE ZEITEN von Helmut Zander. Ich gebe hier den Inhalt wieder, so wie ich ihn verstanden habe. Mut beim Lesen ist hilfreich ... Man hat sich fast schon daran gewöhnt, die Säkularisierung als schleichenden Verfallsprozess des christlichen Glaubens zu beschreiben – als ein langsames Ausdünnen seiner religiöser Substanz....

KRASSE GESCHICHTEN (Teil 2)
IN GERASA - Markus 5

Es war eine Gegend, in der Dinge nicht gern benannt werden. Selbst Wind, der vom See herüber wehte, schien sich zu scheuen, eindeutig zu sein. Als wüsste er, daß jedes Geräusch das aufwecken könnte, was besser ruhen sollte. Auch die Hügel schienen dem zuzustimmen. Grau lagen sie da, von einer gleichgültigen Beständigkeit und zwischen ihnen zogen sich alte Grabeshöhlen hin wie vergessene Gedanken. Dort lebte ein Mann. Der Mann. Sollte man nicht lieber sagen, dass er hauste? Nein, auch das wäre...

KRASSE GESCHICHTEN (Teil 1)
HANANIAS UND SAPHIRA

Es war eine jener Stunden, in denen selbst die Luft zu ruhen scheint. Als hätte sie beschlossen, sich nie mehr zu bewegen, um das Geschehende auf keinen Fall zu stören. So lag in jenem Hause, das den Jüngern als Versammlungsort diente, der eigentümlichste Zustand zwischen Erwartung und Müdigkeit – wie ein Nachmittag, der sich nicht recht entscheiden kann, ob er in den Abend übergehen oder lieber doch einfach stehenbleiben sollte. Die junge Gemeinde, die sich um die Erinnerungen an den...

Geburtstag von Johann Sebastian Bach
Ständchen und Konzerte

Rund um den 341. Geburtstag von Johann Sebastian Bach (1685-1750) am 21. März und den Tauftag am 23. März laden Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zu Geburtstagsständchen und Konzerten ein. Einige Konzerte sind in die Thüringer Bachwochen integriert (www.thueringer-bachwochen.de). Orgelmusik der Bach-Familie spielt Philipp Christ zum 341. Geburtstag von Johann Sebastian Bach am 21. März um 17 Uhr an der Orgel der Hauptkirche Suhl. Von Bach selbst erklingen zwei...

☩ 26. März 1675 ☩
Ernst der Fromme

Es war der gute Wille, selbstverständlich war es der gute Wille, der immer wieder beschworene gute Wille, der alles in Bewegung setzte und am Ende alles auseinandertrieb. Man muss sich das vorstellen: ein Herzog, Ernst I. von Sachsen-Gotha-(Altenburg), der mit jener protestantischen Ernsthaftigkeit regiert, die nicht nur regieren, sondern ordnen, erziehen, verbessern will – Schulen, Kirchen, Verwaltung, alles wird verbessert, alles wird geordnet, alles wird, wenn man so will, moralisch...

Religiöses in Beethovens Fidelio
„Gott - welch Dunkel hier“

Aufführung am 13.3.2026 in der Bayerischen Staatsoper München „Gott - welch Dunkel hier“ Der Gefangene Florestan wendet sich am Anfang des 2. Aktes direkt an Gott. Aus dem Dunkel. Der Kerker als Ort der Verlassenheit. Und ein Ruf nach Hilfe. Florestans Schrei erinnert an christliche Märtyrer in ihrem Vertrauen an Gott. Florestans Schrei sollte nicht unbeantwortet bleiben. Nein, eine religiöse Erzählung ist diese Oper nicht. Dennoch: Humanität, Hoffnung und göttliche Gerechtigkeit sind...

Du, du ...
... gehst an mir vorbei

Es war eine dieser Dorfkirchen, die schon lange verschlossen sind. Nicht böswillig verschlossen, nicht feindselig – eher wie ein altes Haus, dessen Bewohner ausgezogen sind und das nun auf nichts mehr wartet. Höchstens darauf, dass jemand sich erinnert, wozu es einmal da gewesen ist. Die Frau, die dort vorbeikam, hieß Johanna Katharina. Sie war eine von jenen Menschen, die man früher als empfindsam bezeichnet hätte und später als medial. In ihrer Jugend hatte sie Wünschelruten geführt und...

St. Georgen: Bachs Taufkirchre | Foto:  epd-bild/Norbert Neetz
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Herbert Peter
Bachchor erinnert an Kantor

Der Bachchor Eisenach erinnert in diesem Jahr mit mehreren Konzerten an den 100. Geburtstag seines ehemaligen Kantors und langjährigen Landeskirchenmusikdirektors Herbert Peter (1926-2010). Peter leitete den Bachchor an der Georgenkirche von 1961 bis 1984. Er machte sich neben seinen kirchenmusikalischen Tätigkeiten vor allem als Komponist von Orgel- und geistlicher Vokalmusik einen Namen. Von Christfried Brödel Das 20. Jahrhundert hat viele hervorragende Kirchenmusiker hervorgebracht. Unter...

Beobachtungen ...
... vom Rande des Geschehens aus

Es ist ein altes Problem. Vielleicht so alt wie die Geschichte der Ideen selbst. Eine Theorie kann überzeugend sein – ja, bisweilen sogar so überzeugend, dass man beim Lesen oder Hören den Eindruck gewinnt, hier werde endlich etwas ausgesprochen, das schon lange in der Luft lag. Und doch geschieht dann bald etwas Merkwürdiges: Sobald man den Kreis derjenigen betrachtet, die dieser Theorie folgen, kann einen das Gefühl der Fremdheit beschleichen. Man merkt plötzlich, dass man zu dieser Schar...

Spannung
Erich Przywara

Erich Przywara (1889–1972) gehört zu den eigenwilligsten katholischen Denkern des 20. Jahrhunderts. Der Jesuit, geboren im schlesischen Kattowitz, trat früh in den Orden ein und wurde zu einem der einflussreichsten theologischen Vermittler zwischen Philosophie und Mystik. Seine Vorträge und Schriften wirkten weit über die katholische Welt hinaus. Denker wie Karl Barth oder Hans Urs von Balthasar nahmen an seinem Denken Maß – manchmal zustimmend, manchmal in entschiedener Gegenwehr. Przywaras...

Evangelikale vertreten in den USA oft eine strikte Moral – auch in der Politik. | Foto: epd-bild/Rainer Oettel
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Mit Gott gegen die Demokratie
Die USA und die religiöse Rechte

Es sind vor allem weiße Evangelikale, die hinter US-Präsident Donald Trump stehen, analysiert der Fernsehjournalist Arnd Henze in seinem neuen Buch «Mit Gott gegen die Demokratie». Dabei verbinde beide nicht viel - außer ein Bedürfnis nach Rache. Von Michael B. Berger  Hannover (epd). US-Präsident Donald Trump verdankt seine Wahlerfolge nach Ansicht des Journalisten Arnd Henze maßgeblich der religiösen Rechten in den USA. Wie Trump, der 2016 «noch ein relativ unbeschriebenes Blatt» gewesen sei,...

Uncle Tom’s Cabin
Leberecht Gottlieb (Teil 141)

140. Kapitel, welches uns an das wunderbare Buch von Harriet Beecher Stowe erinnert ... und uns die Tränen in die Augen treiben wird, wenn wir Sinn und Geschmack für das Unendliche haben. Das Licht in der Grube war schwach. Die Lampe hing schief an einem Haken im Holz. Der Staub lag in der Luft wie ein feiner Nebel. Wenn man einatmete, schmeckte man Metall. An diesem Abend sprach nicht Leberecht Gottlieb. Sondern Pawel Samuelkow stand auf. Er war ein breiter Mann mit schweren Händen. Sein Bart...

Jugendweihe
Was ist Synkretismus?

Man hat gesagt, die Jugendweihe finde statt, und weil man gesagt hat, sie finde statt, musste sie natürlich auch stattfinden, obwohl jeder wusste, dass sie eigentlich längst nicht mehr stattfindet, wenigstens nicht mehr so, wie sie einmal stattgefunden hatte, in jener Zeit, in der noch jeder wusste, was eine Jugendweihe ist, und in der es auch noch genügend Jugendliche gab, die man weihen konnte, während es jetzt immer weniger Jugendliche gab und gleichzeitig immer mehr Ausschüsse, Vereine,...

Klo und Kirche
Ein Versuch

Die Kirche lag oberhalb des Dorfes. Sie war aus hellem Stein gebaut und hatte breite Fenster. Das Licht fiel ruhig in den Raum. Es war Kar-Samstag, und eine kleine Gemeinde hatte sich zu einer Meditationsstunde versammelt. Die Dame setzte sich in eine Bank in der Mitte. Sie war nicht besonders religiös, aber sie mochte die Stille solcher Räume. Der Pfarrer begann zu sprechen. Er sprach langsam. Die Worte kamen ordentlich und gut geordnet, wie es in reformierten Kirchen oft ist. Nach einiger...

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Georg II. von Sachsen-Meiningen
Der Theaterherzog

Am 2. April jährt sich zum zweihundertsten Male die Geburt des Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen, jenes sonderbaren Fürsten, den die Theatergeschichte mit einer gewissen Zärtlichkeit den Theaterherzog nennt. In der politischen Welt des 19. Jahrhunderts war sein Herzogtum kaum mehr als ein geographischer Zwischenraum ohne militärische Macht, ohne diplomatische Bedeutung, ohne das Pathos jener großen Entscheidungen, aus denen gewöhnlich die Geschichtsbücher Kapitel schlagen. Doch gerade die...

Immer wieder gern
Leberecht Gottlieb (Teil 140)

140. Kapitel, in welchem wir erfahren, dass es manche Dinge und Personen gar nicht gibt. Aber es darauf ankommt, wie die Geschichte, die von ihnen erzählt wird, so gut ist - und mit einem Auftrag endet. Wir wissen, daß Leberecht Gottlieb, im beinahe neunzigsten Lebensjahr stehend, in einem Bleibergwerk bei Workuta von russischen Geheimdienstlern einquartiert ward. Warum? Weil er sich weigert, seine Verbindungsmänner zu einem Thinktank preiszugeben, dem es gelungen sein soll, mit Hilfe...

Buchempfehlung
Die Ernestiner (Teil 1)

Am Anfang stand eine Teilung, und jede Teilung ist bereits ein Versprechen und zugleich Verlust. Diese Teilung war ein Akt nüchterner Berechnung. Im Jahre 1485 saßen zwei Brüder, Ernst und Albrecht, Söhne des 21. Jahre vorher verstorbenen Kurfürsten Friedrich II., den man den Sanftmütigen nannte, über Karten, Urkunden, Einkünften und Rechten, und beschlossen, das große Erbe der Wettiner zu zerschneiden - wie ein kostbares, aber unhandliches Tuch. Das war die sogenannte Leipziger Teilung, und...

Franckesche Stiftungen
Orientierung im Ungewissen

Vor fast 300 Jahren starb der Theologe und Sozialreformer August Hermann Francke. Die 1698 von ihm gegründeten Stiftungen in Halle an der Saale widmen sich in diesem Jahr vor allem der gesellschaftlichen Orientierung von Menschen. Halle (epd). Die Franckeschen Stiftungen haben ihr umfangreiches Jahresprogramm 2026 vorgestellt. Unter dem Titel «zurechtfinden» seien mehr als 30 Formate «vom wissenschaftlichen Diskurs über kulturelle Veranstaltungen bis zu Bildungsangeboten» geplant, sagte die...

so wird es sein in diesen tagen
OMA SANDRA

Und nun müssen wir uns an die Geschichte von Oma Sandra machen. Sie heißt: Oma Sandra oder der feste Glaube. Dabei wird es sich nicht nur um eine futuristische Dystopie handeln, sondern um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Weit hinaus in das Jahr 2120 führt der Weg.  Die Kirchen gibt es längst nicht mehr. So geht es los. Und in der Grammatik keine Tempusformen mehr. Einzelne Menschen jedoch haben von ihren Großeltern noch Reste des Glaubens übermittelt bekommen. Dazu gehört auch Sandra,...

VERWANDLUNGEN
Lesen als Sakrament

Es soll hier von der merkwürdigen und beinahe anstößigen Behauptung die Rede sein, dass Texte dem Menschen helfen können, sein Leben zu bestehen. Nicht irgendwelche Texte, nicht Gebrauchsanweisungen und Verwaltungsprosa, sondern starke Texte, solche von eigentümlicher Dichte und innerer Glut. Vor allem die Evangelien – gleich ob nach Markus, Lukas, Matthäus oder Johannes – daneben Opernlibretti, große Filmdrehbücher, autobiographische Bekenntnisse. Texte also, die nicht informieren, sondern...

William Blake - the Messiah
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Georg Friedrich Händel - 341. Geburtstag
The Messiah

Als Georg Friedrich Händel, auf dessen Geburtstag wir uns heute am 23.Februar (dem alten julianischen Kalender nach) besinnen, im Jahr 1741 den Messiah komponiert hatte, war damit etwas Merkwürdiges ins Werk gesetzt. Händel verzichtete auf Bühne, Kostüm und dramatische Handlung – und schuf dennoch ein Werk von dramatischer Wucht. Keine einzelnen Rollen treten unter irgendwelchen Masken auf. Und doch entfaltet sich die Heilsgeschichte der Kirche in einer Klarheit, die nicht theatralisch wirkt,...

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