Richard Wagners “Lohengrin”
„Ha, nennst du deine Feigheit Gott?“
- hochgeladen von Johannes Haak
Berlin (18.1.26)
„Ha, nennst du deine Feigheit Gott?“ Ortrud in Wagners “Lohengrin”
Staatsoper Unter den Linden Berlin
Romantische Oper in Drei Aufzügen – Text und Musik Richard Wagner
Wagners Oper „Lohengrin“ wurde am 28. August vor 176 Jahren zur Goethefeier am Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Kein geringerer als Franz Liszt dirigierte. Diese Oper verbindet u.a. ritterlich-historische Fabelmotive und religiöse Deutungsmuster.
Im Zentrum steht eine Liebesgeschichte. Wie anders. Allerdings nur auf den ersten Blick. Wagner hat die weibliche Hauptfigur Elsa von Brabant 1851 in seiner "Mitteilung an meine Freunde" als das "wahrhaft Weibliche" beschrieben. Das soll ihm "und aller Welt die Erlösung bringen .., nachdem der männliche Egoismus, selbst in seiner edelsten Gestaltung, sich selbstvernichtend vor ihm gebrochen hat". Sorry, wir Männer kommen da nicht gut weg. Die Mächtigen dieser Welt gleich gar nicht. Es geht auch um Verantwortung. Doch dazu später.
Und befragt (im aktuellen Programmheft der Staatsoper) sagt der Inszenierende Calixto Bieito. „Wir haben es mit einer Gesellschaft der Angst zu tun, die…dazu führt, dass es die Menschen bevorzugen, dass jemand ihnen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Deshalb leben wir in einer fragilen Gesellschaft.“
Elsa von Brabant, eine junge Frau, wird des Mordes an ihrem Bruder Gottfried beschuldigt. Lohengrin, ein mysteriöser Ritter rettet – unter der Bedingung, dass sie ihn niemals nach seiner Herkunft oder seinem Namen fragen dürfe. Jene verbotene Frage sprengt alle patriarchalen Erlösungsmodelle.
Diese Szenerie erinnert an biblische Erkenntnisgeschichten – etwa Mose vor dem brennenden Dornbusch (Exodus 3) oder Maria Magdalena am leeren Grab (Joh. 20,1-18). Und die Jünger Jesu fragen: „Wer bist Du?“ (Joh 8,25) Und in Matthäus 16,13 fragt Jesus selbst: „Wer sagen die Menschen, dass der Menschensohn sei?“ Wissen wird zur Erlösung. Was oberflächlich wie eine tragische Liebesgeschichte erscheint, birgt eine theologisch aufgeladene Konstellation: Es ist ein Stück über das Verhältnis von Glaube und Wissen, Verantwortung und von Erlösungsversprechen und menschlicher Schwäche – gar ein Spiegel religiöser Ethik? Zumindest ein bibeltreuer Telramund, Gemahl Ortruds, steht vor seiner Frau mit Heiliger Schrift. Sie ruft dann ihre Rachegöttin Freya an. So what.
Lohengrin ist ein Ritter des Heiligen Grals – dem Symbol par excellence religiöser Mystik. Wagner, der sich zeitlebens mit Schriften zur mittelalterlichen Gralsliteratur, aber auch mit Feuerbachs Religionskritik, beschäftigte, begreift den Gral nicht nur als heiliges Gefäß, sondern als Quelle einer jenseitigen Ordnung.
Und zuletzt verschwindet, nachdem der totgeglaubte Jüngling Gottfried auftaucht, Lohengrin von der Bühne. Der Schwan - Symbol der Reinheit, Geduld und Keuschheit - grüßt, versinkt und zieht dahin.
Inszenierung vom 13. Dezember 2020
Aufführung vom 18.1.2026
Einen musikalisch, wie szenisch soliden “Lohengrin” gesehen. Der Chor mitunter wankend. Das Orchester in höchsten Klang-Sphären. Eine Oper mit Handlung im Hier und Jetzt. Mit Hoffnung, Mut und Zuversicht. Weiter so.
Besetzung
Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Calixto Bieito
Heinrich der Vogler: René Pape
Lohengrin: Eric Cutler
Elsa von Brabant: Elza van den Heever
Friedrich von Telramund: Wolfgang Koch
Ortrud: Anja Kampe
Staatskapelle Berlin / Staatsopernchor
Literatur:
Programmheft der Staatsoper, Berlin 2026
Victor Henle, Richard Wagners Wörter, München 2011
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