Geschichten aus der Makulatur
Silvestergedanken

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Der liebe Gott und der Teufel, das waren zwei resche Gesellen! Am Anfang sind sie einander auch gar nicht feind gewesen, wie es heute erzählt wird. Im Gegenteil - sie standen recht gut zueinander, wie ihr das auf den obigen Bildern auch sehen könnt. Die beiden waren eben nur entgegengesetzte Prinzipien ein und derselben geheimnisvollen Sache. Aber irgendwann war Schluss damit. Man weiß nicht mehr so richtig warum. Davon will ich Euch am Silvesterabend versuchen, die wirkliche und wahre Geschichte zu erzählen, welche übrigens früher noch in jeder normalen Kinderbibel stand. Aber dann hatten ein paar phantasielose Pastoren irgendwie keine Lust mehr, diese anspruchsvolle Story vorzulesen - und danach nicht erklären zu können. Sie wandten sich kurzerhand an die Hauptschrifttumskammer und setzten mit irgendwelchen Tricks - Bestechungen womöglich sogar noch - durch, dass man die Geschichte vom lieben Gott und seinem Freund, dem Teufel, restlos strich. Und siehe, von da an wurde es nicht mehr in den Kinderbibeln abgedruckt. Jene alten Kinderbibeln jedoch, in denen es noch drin stand, die gibt es längst nicht mehr. Ja gut - vielleicht höchstens noch ein oder zwei auf der ganzen Welt. Aber alle anderen sind vernichtet, eingestampft und zu Makulatur gemacht worden. Jedoch - Ihr könnt euch glücklich schätzen, weil ich das Ganze aus dem Kopf und dem Gedächtnis heraus noch erzählen kann und auch will. Denn ich erinnere mich sehr gut daran, wie unsere alte Katechetin Magdalena W. sie uns zum Besten gab. Wir haben alle gebannt zugehört und auch gelacht, weil diese Sache so genial ist ...

Also wie gesagt, der liebe Gott und der Teufel, die lebten im Universum. Jeden Tag lebten sie und warfen sich Bälle zu. So wie Stichworte im Theater. Sodass der eine immer dann dran war, wenn der andere nicht dran war. Das war sehr sinnvoll, weil dadurch kamen sie sich nicht ins Gehege. Von außen aber sah es aus, als ob es ein guter Plan war und ein gutes Drehbuch. Man muss sich das so vorstellen wie Alaska und Russland. Das gehörte eigentlich auch zusammen und nur irgendwann hatten die einen kein Geld und brauchten Geld für Wodka und Kaviar oder Patronen für das russische Roulette und haben dann einfach Alaska verkauft an die Amerikaner. Und die haben einfach ein bisschen mehr Geld gehabt und das dann genommen. Und so wurde dazwischen eine grausame Grenze errichtet - und fertig war der Salat. Vielleicht ist das ein sehr schlechtes Beispiel mit Alaska, aber ein noch schlechteres wäre, wenn wir sagen, der liebe Gott und der Teufel, das waren Typen wie Trump und Putin, so von selben Holz geschnitzt, aber doch ganz gegensätzlich und wiederum doch nicht, wenn es um den Deal ging. Und deshalb ist die Geschichte wahrscheinlich dann auch rausgenommen worden aus den Kinderbibeln, weil keiner sie mehr erklären konnte. Und alle denken doch, man müsse Kindern immer alles genau erklären können und wer das nicht kann, ist kein guter Lehrer. Schwamm drüber, sag ich nur. Wie geht es jetzt weiter?

Jedenfalls war es so, dass die Menschen auch da waren. Sie waren geschaffen worden als Gemeinschaftsprojekt zwischen Gott und dem Teufel. Und der Bauplan war relativ einfach, so wie bei einem Moped der Simpsons aus Suhl. Man konnte da selber dran rumstellen und tüfteln und ein bisschen frisieren und polieren und es gab sehr, sehr schmucke Exemplare, die zu Höchstleistungen fähig waren. Dann hatten sie noch was eingebaut in den Genen. Ihr wisst, was das ist? Das sind die kleinen, spiralförmig gedrehten, Eiweiß-basierten Grundbausteine dessen, was der Mensch heute sein Leben nennt, obwohl das Leben ja eigentlich viel mehr ist. Und nun war es so, dass da ein Genabschnitt drin war, der durch bestimmte Lieder, die man sang, hätte aktualisiert werden können. Epigenetische Induktion und so, wenn ihr wisst, was ich meine. Nämlich Langlebigkeit, was sag ich, Langlebigkeit - Ewiglebigkeit, also das ewige Leben sozusagen, schon in den Genen mit angelegt. Die wurden aber nur angeschaltet, diese Gene, wenn der Mensch sang und an Gott glaubte - und dabei den Teufel natürlich nicht vernachlässigte - genau darauf kam es an. Genau dann wurde das nämlich angeknipst wie ein Schalter angeschaltet. Das war sehr sinnvoll eingerichtet. Und leider ist dieses Wissen verloren gegangen bei den Menschen. Und sie haben dann bald gesagt, das ist Quatsch. Weil keiner mehr gesungen hat, wurde das Gen nicht mehr angeschaltet. Und die Menschen wurden ungefähr nur noch ungefähr 97 Jahre alt, manche auch sogar nur 96. Und damit war es aus mit dem ewigen Leben. Und die Krankheiten kamen auch aus Sorge und Verdruss und Missmutigkeit und Grantlichkeit und Unfähigkeit zur Freude. Alle diese Sachen haben eine Rolle gespielt.

Und was wir machen können, ist, dass wir uns einfach an diese großartige Geschichte erinnern, dass am Anfang alles richtig gut war. Und dann aber dadurch, dass die Pastoren es den Menschen nicht mehr gesagt und diese dann nicht mehr gesungen haben, Gott und der Teufel miteinander in Streit geraten sind und zwischen Alaska und Russland eine Grenze wurde, die Datumsgrenze kam auch noch dazu, die Zeit musste erfunden werden - und bald darauf gab es alles, was man nicht mag: Kriege, Hungersnöte, Pest, Teuerung und Tod. Und das müsste eigentlich verschwinden. Wenn es verschwände, wäre es so wie vorher. Man bräuchte jemanden, der mit der Faust auf den Tisch haut und sagt: „So - jetzt machen wir alles neu!“ Und genau das wäre gut, das wäre die Lösung. Punkt.

Autor:

Matthias Schollmeyer

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