Klo und Kirche
Ein Versuch
- hochgeladen von Matthias Schollmeyer
Die Kirche lag oberhalb des Dorfes. Sie war aus hellem Stein gebaut und hatte breite Fenster. Das Licht fiel ruhig in den Raum. Es war Kar-Samstag, und eine kleine Gemeinde hatte sich zu einer Meditationsstunde versammelt.
Die Dame setzte sich in eine Bank in der Mitte. Sie war nicht besonders religiös, aber sie mochte die Stille solcher Räume. Der Pfarrer begann zu sprechen. Er sprach langsam. Die Worte kamen ordentlich und gut geordnet, wie es in reformierten Kirchen oft ist.
Nach einiger Zeit merkte sie, dass sie eine Toilette brauchte.
Sie stand leise auf. Niemand sah sie an. Neben der Eingangstür führte ein kurzer Flur zu den sanitären Räumen. Die Tür öffnete sich leicht.
Drinnen war es hell.
Die Fliesen waren sauber, das Waschbecken glänzte. Ein großer Spiegel hing an der Wand. Es roch nach Seife, nicht nach Desinfektionsmittel. Auf einem kleinen Regal stand sogar eine Pflanze. Alles wirkte ruhig und gut gepflegt, so wie die Kirche selbst.
Sie setzte sich.
Es war still dort. Kein Tropfen, kein Knarren. Nur das gedämpfte Echo der Predigt durch die Wand. Sie hörte die Stimme des Pfarrers wie aus großer Entfernung. Es war angenehm warm.
Sie blieb sitzen.
Nach einer Weile wusch sie sich die Hände. Das Wasser war weich und klar. Die Seife schäumte gut. Sie trocknete sich die Hände mit einem frischen Handtuch aus Papier und sah kurz in den Spiegel. Ihr Gesicht sah entspannt aus.
Sie setzte sich noch einmal kurz auf den Stuhl, der neben dem Waschbecken stand. Jemand hatte dort eine kleine Lampe aufgestellt. Das Licht war weich.
Die Zeit verging.
Als sie schließlich wieder in die Kirche zurückging, war die Predigt schon vorbei. Niemand hatte ihre Abwesenheit bemerkt. Die Gemeinde saß still in den Bänken.
Von der Empore kam Musik.
Die Organistin spielte ein Stück von Olivier Messiaen. Es hieß Streiflichter über das Unsichtbare. Die Töne waren langsam und klar. Sie klangen, als würden sie im Raum stehen bleiben und sich nicht beeilen.
Die Dame setzte sich wieder auf ihren Platz.
Sie hörte der Musik zu und dachte, dass diese Kirche etwas richtig verstanden hatte. Hier kümmerte man sich nicht nur um die Seele. Man kümmerte sich auch um alles andere, was zum Menschen gehört.
Als das Nachspiel verklang, blieb sie noch einen Moment sitzen.
Dann stand sie auf und ging hinaus ins helle Licht des Nachmittags.
Sie nahm sich vor, wiederzukommen.
Autor:Matthias Schollmeyer |

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