Geschenke
Das erste Smartphone unterm Weihnachtsbaum -

Zu Weihnachten hat es wieder unter vielen Christbäumen gelegen: das erste Smartphone fürs Kind. Medienpädagogen warnen Eltern davor, ihre Kinder beim Umgang mit dem Gerät sich selbst zu überlassen.

Von Claudia Rometsch

Charlene deGuzmans Freundinnen haben ausschließlich Augen für ihr Smartphone. Ganz gleich, ob sie zusammen Kaffee trinken oder ein Konzert besuchen: Alle starren nur auf den kleinen Bildschirm in ihrer Hand. In ihrem millionenfach auf Youtube geklickten Film «I forgot my phone» dokumentiert die US-Schauspielerin, wie übermäßiger Smartphone-Konsum echte soziale Kontakte und Erlebnisse verhindert.

So etwas wünschen sich Eltern in der Regel nicht, wenn sie ihren Kindern das heiß ersehnte erste Smartphone unter den Christbaum legen. Doch mit verlockenden Spielen, Apps, Streaming-Angeboten und sozialen Medien ist das Smartphone nicht nur ein scharfer Konkurrent anderer Freizeitbeschäftigungen, sondern birgt auch Gefahren. Eltern sollten ihre Kinder im Umgang mit dem Smartphone auf keinen Fall sich selbst überlassen, warnt Kristin Langer, Mediencoach bei der vom Bundesfamilienministerium geförderten Initiative «SCHAU HIN!».

Die Weihnachtstage kann man gut dafür nutzen, zusammen das Geschenk zu entdecken. «Wir empfehlen den Surfschein, den Eltern gut gemeinsam mit den Kindern machen können», sagt Medienpädagogin Kristin Langer. Mit diesem Angebot der Website internet-abc.de der Landesanstalt für Medien NRW können Kinder durch ein interaktives Quiz alles über sicheres Surfen sowie Wichtiges zu sozialen Netzwerken lernen. Ist dann der Surfschein bestanden, wissen Eltern, dass die Kinder die wichtigsten Regeln kennen. «Dennoch sollten die Eltern dranbleiben und sich verantwortlich fühlen», sagt Langer.

Laut JIM-Studie besitzen 84 Prozent der Zwölf- bis 13jährigen ein Smartphone, ältere Jugendliche haben praktisch alle ein mobiles Endgerät. Ein Großteil der Kinder bekomme spätestens beim Wechsel auf die weiterführende Schule ein internetfähiges Handy, teilweise auch schon im Grundschulalter, beobachtet Langer. Dabei hätten Kinder in der Regel erst im Alter von elf bis zwölf Jahren die Reife, Gefahren im Netz zu erkennen. «Das erste eigene Smartphone schaffen Eltern am besten erst dann an, wenn das Kind weiß, wie es sich selber im Internet schützen kann», sagt Langer.

Medienpädagogen raten, in jedem Fall Regeln für die Nutzung des Smartphones zu vereinbaren. Zum einen sollte eine Höchstdauer für die Bildschirmnutzung festgelegt werden, die alle Geräte einschließt. Als Orientierung empfiehlt die Initiative «SCHAU HIN!» für ältere Kinder und Jugendliche zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Sechs- bis Zehnjährige sollten aber nicht länger als eine Stunde am Tag vor Bildschirmen sitzen.

«Gut ist, wenn Eltern mit ihren Kindern besprechen, warum sie bestimmte Regeln einführen», sagt Langer. Hilfreich kann dabei auch ein «Mediennutzungsvertrag» sein, für den die Landesanstalt für Medien NRW eine Vorlage im Internet anbietet.

Zusätzlich sollten Eltern technische Vorkehrungen treffen, um ihre Kinder zu schützen, erklärt Birgit Kimmel von Klicksafe, einer EU-Initiative für Sicherheit im Internet. Sie empfiehlt, am Smartphone auf jeden Fall den Jugendschutzfilter zu aktivieren und sicherzustellen, dass Bluetooth, Ortungsdienste und In-App-Käufe ausgeschaltet sind. Anleitungen dazu gibt es zum Beispiel auf der Website Klicksafe.de.

Außerdem sollte das Kind Apps nur gemeinsam mit den Eltern installieren, sagt Kimmel. Eltern können das Herunterladen durch die Einrichtung der dazu notwendigen PIN-Nummer kontrollieren. «Dann empfehlen wir dringend, dass Eltern bei allen Apps, die geladen werden, gemeinsam mit den Kindern die Privatsphäre und Sicherheitseinstellungen vornehmen.» Das Profil sollte immer auf «nicht öffentlich» gestellt sein.

Zusätzlich gibt es sogenannte Kinderschutz-Apps, die auf das Handy geladen werden können. Viele Eltern schätzten an diesen Programmen, dass damit die Online-Zeiten begrenzt und jugendgefährdende Websites herausgefiltert werden könnten, beobachtet Kimmel. «Aber diese Programme sind nur eine Hilfe. Sie bieten niemals einen hundertprozentigen Schutz», warnt die Pädagogin. Regeln beim Surfen mit dem Smartphone seien trotzdem notwendig.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen könnten Kinder auf verstörende Inhalte im Internet stoßen oder Opfer von Mobbing in den sozialen Medien werden, weiß Kimmel. Deshalb sei es wichtig, dass Mütter und Väter ihren Kindern beispielsweise frühzeitig zeigten, wie sie unangenehme Kontakte blockieren können. Kinder müssten auch wissen, dass sie Belästigungen und Beleidigungen nicht hinnehmen müssten. «Eltern sollten ihren Kindern das Gefühl vermitteln, dass sie in so einem Fall jederzeit Hilfe suchen können und sollen.»

(epd)

Autor:

Online-Redaktion

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