Predigt
Was mich trösten kann
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt eine kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. Doch du tust deine Augen über einen solchen auf. Hiob 14, Verse 1 bis 3a
„Ich bin so gestresst“, vertraut mir Herr Pöhlmann aus dem dritten Stock an. „Die Arbeit, wissen Sie: Ich arbeite viele Stunden am Tag, und doch bleibt immer so viel Papier unbearbeitet auf meinem Schreibtisch.
Von Gisela Merkel
Ich hätte gern mehr Zeit für meine Kinder, meine Frau, für meine alt gewordenen Eltern, für mich – aber die Arbeit ist so gigantisch, und mein Anspruch an mich so hoch.“
Es tut mir leid, dass sich Herr Pöhlmann so gestresst fühlt. Ich leide mit seinen Kindern, seiner Frau, den alt gewordenen Eltern, mit ihm. Herr Pöhlmann ist nicht mehr 30, er ist fast 60. Manchmal überlege ich: Wieviel Lebenszeit wird Herr Pöhlmann noch haben, um auch genügend Zeit für die Menschen in seinem Leben zu haben, die ihm etwas bedeuten?
Vielleicht geht es auch uns manchmal wie Herrn Pöhlmann. Wir sind so gefordert, wir geraten unter Druck und manchmal die Liebsten aus dem Blick. „Der Mensch … lebt nur eine kurze Zeit und ist voll Unruhe …“ Wir haben nur diese eine Lebenszeit hier auf Erden. Wofür wollen wir den Rest unseres Lebens nutzen?
Der Bibeltext vergleicht uns Menschen mit einer Blume. Wer blüht nicht gern, duftet lieblich und strahlt vor Schönheit? Doch wie bei einer Blume erleben auch wir Menschen Vergänglichkeit. Wir fliehen wie Schatten, unser Leben auf dieser Erde geht dahin, ist vergänglich. Aber was bleibt denn von unserem Leben? Was bleibt von uns? Dass Gott mich ansieht, dass Gott mich liebt – so, wie ich bin: in der Zeit meiner Blüte, aber auch dann, wenn Alter oder Krankheit unser Leben zeichnet. Ja, auch dann, wenn wir einmal sterben werden, ist Gott bei uns und empfängt uns in seiner Ewigkeit. Das tröstet mich – inmitten aller Vergänglichkeit.
Die Autorin ist Pfarrerin in Dresden.
Autor:Online-Redaktion |
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