Diakoniestiftung Thüringen
Vernunft-Ehe mit Leidenschaft
- Mit einem Gottesdienst in der Weimarer Stadtkirche haben die Diako Thüringen aus Eisenach und die Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein am 10. Januar den Fusionsprozess zur Diakoniestiftung Thüringen abgeschlossen.
- Foto: Maik Schuck
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Die Konzentration in der Evangelischen Sozialwirtschaft setzt sich mit dem Zusammenschluss zweier Schwergewichte fort. Rund 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die neu fusionierte Diakoniestiftung Thüringen.
Von Matthias Thüsing
Ziel des Zusammenschlusses ist es, das diakonische Profil zu stärken und vor allem dem steigenden Kostendruck zu begegnen. Für den neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Klaus Scholtissek, liegt in der künftigen Finanzierung der sozialen Arbeit eine der zentralen Herausforderungen für die neue Stiftung.
Beide Träger waren schon zuvor durch Fusionen und Übernahmen zu gemeinnützigen Unternehmen gewachsen, die von der Altenpflege über Flüchtlingsarbeit und Krankenhäuser bis hin zu Zentren für seelische Gesundheit die gesamte Bandbreite der Sozialwirtschaft abdecken. Die neu fusionierte Stiftung betreibt zukünftig etwa 260 Einrichtungen in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie -bildung.
- Die neu fusionierte Stiftung betreibt zukünftig etwa 260 Einrichtungen in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie -bildung.
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Ändern soll sich zunächst einmal möglichst wenig: Arbeitsplätze, Geschäftsfelder und die grundsätzlichen Strukturen bleiben laut der Stiftung unverändert erhalten. Wo Synergieeffekte Kosten einsparen können, soll das ohne Arbeitsplatzabbau geschehen. Bis 2028 plant die Diakoniestiftung, die beiden bisherigen Verwaltungen schrittweise zu verzahnen.
- Der Rektor der Weimarer Sophienhausstiftung, Ramón Seliger, ist Teil der sechsköpfigen Geschäftsführung der Diakoniestiftung Thüringen.
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Wie die Stiftung betonte, seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Der Abbau der durch die Fusion entstandenen Doppelstrukturen in der Verwaltung solle ausschließlich über natürliche Fluktuation erfolgen. Parallel könne eine vertiefte Digitalisierung der Abläufe im Unternehmen die Kosten senken. Denn dass dem deutschen Sozialsystem auch künftig Jahr für Jahr zusätzliches Geld zugeführt werde, glaubt Scholtissek nicht.
- Henrich Herbst und Ralf-Peter Fuchs haben die neue Geschäftsführung eingesegnet.
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Hintergrund
Große diakonische Unternehmen in Thüringen unter dem Dach der Diakonie Mitteldeutschland:
- Diakoniestiftung Thüringen
- Ökum. Hainichklinikum
- Johanniter Unfallhilfe
- Diakonie Gotha
- Stiftung Finneck
- Diakoniewerk Sonneberg, Hildburghausen, Eisfeld
- Diakonie Apolda
- Marienstift Arnstadt
- Sozialwerk Meiningen
- Christophoruswerk Erfurt
- Diakonie Doppelpunkt Mühlhausen
Durch Synergien und Digitalisierung kann nach Auffassung der Stiftung zudem der Zusammenschluss dem in der Sozialwirtschaft herrschenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Aktuell werden fast 90 Angestellte und Auszubildende zur Einstellung in ganz Thüringen gesucht.
- Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, hielt die Predigt im Gottesdienst.
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Scholtissek beschreibt den Zusammenschluss als eine Hochzeit. „Es ist eine Hochzeit, die nicht um sich selbst kreist, sondern in der sich zwei Partner auf den Weg machen, in Thüringen zu wirken.“ Die Partner seien dabei getragen von Leidenschaft und Nüchternheit.
Landesbischof Friedrich Kramer griff das Bild einer vernunftgetriebenen Partnerschaft auf: „Zwei starke Träger gehen zusammen“. Wer Kräfte bündele, könne seinen Auftrag besser erfüllen, gerade in Zeiten knapper werdender Mittel. Es gehe darum, gemeinsam zu planen, Zeit zu gewinnen, doppelte Arbeiten zu vermeiden, ohne den Auftrag aus dem Blick zu verlieren.
- Für den musikalischen Rahmen sorgte der Bläserchor der Stadtkirchengemeinde. Die Orgel spielte KMD Johannes Kleinjung.
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Diakonisches Wirken sei ein geistiger Auftrag, der auf faszinierende Weise mit geschultem und offenem Blick schaue, wo Menschen in Not sind.
Irritationen hatte es zuletzt wegen der Namenswahl der neu entstandenen Stiftung gegeben. Diakoniestiftung Thüringen klingt in den Ohren manch eines Mitbewerbers der evangelischen Sozialwirtschaft im Freistaat nach Alleinvertretungsanspruch.
- Durch Synergien und Digitalisierung kann nach Auffassung der Stiftung zudem der Zusammenschluss dem in der Sozialwirtschaft herrschenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Aktuell werden fast 90 Angestellte und Auszubildende zur Einstellung in ganz Thüringen gesucht.
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Tatsächlich ist die neue Stiftung mit Abstand der größte diakonische Unternehmensverbund, aber bei weitem nicht der einzige. Das Ökumenische Hainichklinikum in Mühlhausen etwa hat ebenfalls mehr als 1000 Beschäftigte. Und der Diakonieverbund Gotha betreibt immerhin ebenfalls mehr als 60 Einrichtungen im Kreisgebiet.
Die Leiterin der Unternehmenskommunikation der Diakoniestiftung Thüringen, Karina Both-Peckham, erläutert die Namenswahl als eine ohne Hintergedanken: „Wir bringen damit einfach nur zum Ausdruck, dass wir in unserer neuen Struktur als Unternehmen zwischen Eisenach und Altenburg in vielen Gemeinden und Städten Thüringens aktiv und präsent sind.“
epd
Autor:Online-Redaktion |
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