Auf und zu
Weiter auf Abstand

Die meisten Schüler wünschen sich eine baldige Rückkehr in ihre Schule.
  • Die meisten Schüler wünschen sich eine baldige Rückkehr in ihre Schule.
  • Foto: epd-bild/Jens Schulze
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Abhängig vom Infektionsgeschehen können in Sachsen-Anhalt und Thüringen seit Ende Februar wieder mehr Kinder in die Schulen gehen. Zumindest theoretisch.

Von Beatrix Heinrichsund Mirjam Petermann

Jeden Morgen, kurz vor acht Uhr, klappt Mina ihren Laptop auf. Die 13-Jährige ist Schülerin am Christlichen Gymnasium in Jena. Der Unterricht für die Klassen fünf bis zehn findet hier vorerst weiter digital statt – täglich, mit einem angepassten Stundenplan.
Ein Viertel der insgesamt 480 Schüler kommen aus dem Saale-Holzland-Kreis und dem Weimarer Land. Auch wenn die Inzidenz in der Stadt Jena nicht kritisch sei, sei das ein Grund, warum man beim Öffnen vorsichtiger agiere, so Schulleiterin Susanne Raab. Die elften Klassen sind im Wechsel in der Schule, die Zwölftklässler aufgrund der bevorstehenden Prüfungen generell. Die Oberstufe ausgenommen, befinden sich derzeit etwa 60 Schüler in der Betreuung vor Ort. "Unabhängig davon kann bei bei Bedarf jeder kommen", erklärt Raab. Auch der Förderunterricht werde im Präsenzbetrieb angeboten.

Weil aufgrund des anhaltend erhöhten Infektionsaufkommens alle Schulen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen noch mindestens bis zum 15. März geschlossen sind, wird auch am Evangelischen Gymnasium in Meiningen nach wie vor vorrangig auf Distanz unterrichtet. Wie es danach weitergeht, ist völlig offen. Nach Angaben von Schulleiterin Corinne Schenka nur eine von vielen Unsicherheiten, die Schüler wie Lehrer in diesen Tagen beschäftigen. "Eltern denken zwar, wir wären näher am Ministerium dran und müssten eher etwas über aktuelle Beschlüsse und das weitere Vorgehen wissen, aber das ist nicht so. Wir erfahren auch alles aus den Medien", so Schenka. Ebenso fehlen der Schulleiterin Handlungsanweisungen, wie die immer neuen Verordnungen konkret umgesetzt werden sollen. Jede Schule muss für sich Lösungen und Wege finden.
Auf der anderen Seite ist der Handlungsspielraum aber auch stark beschränkt. So traten an ihrer Schule bereits Ende November in verschiedenen Klassenstufen neun Covid-19-Infektio-nen auf. Um dem entgegenzuwirken, wollte Corinna Schenka die Schule schießen lassen. Ein Ding der Unmöglichkeit. "Weder das Ordnungsamt, noch das Schulamt oder das Ministerium genehmigten das Vorgehen." Die Schulträgerin, die Evangelische Schulstiftung in Mitteldeutschland, verfügte dann die Schließung.

In der vergangenen Woche gab es wieder zwei Covid-19-Fälle in den zwölften Klassen, die seit dem 1. Februar zur Prüfungsvorbereitung in der Schule lernen. Dank des Hygienekonzepts, das für alle Schüler verpflichtend im Unterricht FFP-2-Masken und regelmäßige Schnelltests für alle Lehrer und Schüler vorsieht, kann der Unterricht vor Ort fortgesetzt werden. Alle anderen lernen nach wie vor zu Hause. Doch je länger diese Zeit andauert, desto schwieriger wird es für einige, den Anschluss nicht zu verlieren. Zwar könnten Kinder mit erhöhtem Förderbedarf auch in die Schulen kommen, aber längst nicht alle nehmen das wahr. Und es gibt durchaus auch Schüler, die gehen in dieser Zeit völlig verloren. Welche Konsequenzen es hat, wenn jemand seine Aufgaben nicht erledigt oder dem Online-Unterricht fernbleibt, ist auch nach einem Jahr Pandemie unklar. "Es sind weder praktische Handlungsanleitungen noch rechtliche Grundlagen für solche Situationen vorhanden", so Schulleiterin Schenka.

Mina indes versucht der Situation durchaus auch Positives abzugewinnen. "Ich kann mich zu Hause manchmal besser konzentrieren als in der Schule", sagt sie. Doch auch die Achtklässlerin hat spätestens jetzt im zweiten Lockdown erfahren, dass es beim Lernen daheim zunehmend schwieriger wird, Schul- und Freizeit voneinander zu trennen. "Wenn man alles zu Hause erledigt, den Stoff der Stunde und die Hausaufgaben, ist gefühlt den ganzen Tag Schule."

Sie sei schon immer froh, wenn sie am Nachmittag endlich auf den Button "Meeting verlassen" klicken und den Laptop zumachen könne, sagt Mina. Die Schule der Zukunft müsste für sie nicht zwangsläufig eine mit Zoom-Meetings sein. "Aber auf den schweren Ranzen könnte ich verzichten", meint sie schmunzelnd. "Digitale Schulbücher sind schon toll. Da kann man auch nichts mehr vergessen."

"Schule zu Hause mit Oma gefällt mir"
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Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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