ARD-Film zu Kirche und Glauben im Osten  Bundesstiftung Aufarbeitung distanziert sich

Weimar (G+H) - Schon vor der Ausstrahlung in der ARD (am 18. Februar, 23.40 Uhr) ist ein Film in die Kritik geraten. Bereits bei der Voraufführung der Dokumentation „Ewige Schulden“ zeigte sich die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) irritiert über Inhalt und Ausrichtung des Films. Als Vorstandsmitglied der Bundesstiftung Aufarbeitung, die die Reportage mit 15000 Euro unterstützt hat, äußerte sie sich gegenüber der in Weimar erscheinenden Mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (aktuelle Ausgabe zum 17. Februar) verwundert darüber, dass das eingereichte Exposé zum Förderantrag mit dem nun vorgelegten Beitrag nichts mehr zu tun habe.
Ursprünglich war unter dem Arbeitstitel „Woran glaubt der Osten“ eine Dokumentation geplant, in der aus der „gegenwärtigen Perspektive die Situation des Glaubens bzw. des Fehlens des Glaubens in den neuen Bundesländern“ erzählt werden sollte. „Über den Rückgriff auf Zäsuren der DDR-Kirchengeschichte soll deutlich gemacht werden, wie weitreichend die gesellschaftlichen Folgen der repressiven DDR-Religionspolitik bis heute sind und wie die Strukturen der SED-Diktatur die Menschen in den neuen Ländern in Glaubensfragen immer noch prägen“, heißt es in der Kurzbeschreibung.

Film lässt Verächter der Demokratie jubeln

Damit habe die vorliegende Produktion nichts mehr zu tun. „Es ist ein Film, der die Vereinfacher, die Populisten, die Institutionen- und Demokratieverächter jubeln lässt“, wird Lieberknecht in "Glaube+Heimat" zitiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bewege sich mit diesem Film auf einem sehr schmalen Grat. „Heute sind es die Kirchensteuern, morgen die GEZ-Gebühren“, so die CDU-Politikerin in der Kirchenzeitung. Die Stiftung erwägt eine Prüfung der Förderung.
Gesprächspartner, die unter der ursprünglichen Maßgabe angefragt wurden, wie der ehemalige Leiter des Katholischen Büros in Erfurt, Ordinariatsrat Winfried Weinrich, fühlen sich getäuscht. Weinrich, der Mitglied des MDR-Rundfunkrates ist, sieht in dem Film die Arbeit des katholischen Büros als Kirchenvertretung bei Landtag und Landesregierung verengt als Lobbyismus dargestellt. Er überlege eine Programmkritik einzubringen.

Entstanden ist, entgegen des Förderantrags, eine Dokumentation unter dem Titel „Ewige Schulden“, die das Verhältnis von Staat und Kirche thematisiert. Die Stiftung Aufarbeitung hat sich bereits von dem Film distanziert und darum gebeten, die Nennung als Förderer aus dem Abspann zu nehmen. Begründet wurde dies damit, dass der Film in dieser Form nicht gefördert worden wäre, da er nur eine Meinung wiedergebe und das Thema in der gewählten Form nur ansatzweise mit dem Stiftungsauftrag zu tun habe. Die Änderungen, die durch die Redaktion des MDR und des NDR vorgenommen wurden, seien so mit dem Fördermittelgeber nicht abgesprochen.
Kritik war auch aus der mitteldeutschen Landeskirche zu hören. Der Film habe inhaltliche Schwächen. Die aktuelle Finanzsituation und der gesellschaftliche Beitrag der Kirchen kämen nicht vor. Die Autoren hätten sich Positionen der Humanistischen Union zu eigen gemacht, so der Vorwurf. Dazu komme eine einseitige Auswahl der Gesprächspartner. Beispielsweise sei der Finanzdezernent der EKM, Oberkirchenrat Stefan Große, gar nicht zu Wort gekommen. Der Film bediene Klischees, hieß es.

Reportage/Dokumentation „Ewige Schulden“, 18. Februar, 23.40 Uhr in der ARD

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