Rezension

Beiträge zum Thema Rezension

Feuilleton

Der "meistbeklaute" Karikaturist
Der Zeichner Gottes

Da muss man erst einmal draufkommen. 1997 erscheint von Tiki Küstenmacher ein Mond-Reiseführer. Die amerikanische Ausgabe hat den Untertitel „for First-Time Visitors“. Von Felix Leibrock Später kauft Tiki auch noch ein Grundstück auf dem Mond und bietet Helmut Kohl nach dessen Abwahl die Kanzlerschaft auf dem Mond an. Beide, das Buch und die angetragene Kanzlerschaft, klingen skurril. Aber sie brachten gute Verkaufszahlen, großes Medienecho. Stellvertretend stehen diese Aktionen für eine der...

  • 24.05.26
Feuilleton

Rezension
Unerschrocken hoffnungsvoll

"Erst startet er mit gigantischem Vertrauen. Kurz darauf wird er gebeutelt von übermächtiger Angst.“ Zwei Sätze von Christina Ott im Buch „Unerschrocken hoffnungsvoll. Mutig leben in unsicheren Zeiten“, die mich faszinieren. Von Thomas Günzel Manche Menschen können kaum Vertrauen fassen – aber von Angst geschüttelt zu werden, das kennt fast jede und jeder. Schon deshalb ist das Buch lesenswert. Der Buchtitel lässt aufhorchen und erinnert an eigene Wahrnehmungen: Wie oft ist zu hören, quer durch...

  • 19.05.26
Feuilleton

Rezension
Plädoyer für mündige Bürger

Wenn Sie am Zustand unserer parlamentarischen Demokratie zweifeln, aber nicht in Resignation verfallen wollen, sei Ihnen dieses Buch empfohlen. Von Bettina Röder Auf 240 Seiten werden die Leser mitgenommen in die spannende Geschichte der direkten Demokratie, die neben den Bundestags- und Kommunalwahlen die Möglichkeit der Mitbestimmung in Kommunen und Ländern bietet. Doch es geht in dem Buch um weit mehr. Es geht darum, was jeder und jede zur Erhaltung unserer Demokratie beitragen kann. Die ist...

  • 23.04.26
Feuilleton

Rezension
Praktische Hilfe für Kirchengemeinden

Das ist kein Buch für entspannte Stunden: Die Lektüre fordert heraus und geht zu Herzen. Aber die Publikation ist wichtig, weil sie mit dem Titel „Kirche gegen den Hass“ theologische und praktische Ansätze für Kirchengemeinden vermittelt. Von Edgar S. Hasse Ausgehend von der These, dass Gemeinden wichtige Orte seien, „um dem starken Rechtsruck in Gesellschaft, Kirche und Theologe entgegenzutreten“, können sich die Leser in mehr als 40 Beiträgen kundig machen. Dass es einen starken Rechtsruck in...

  • 20.04.26
Feuilleton

Rezension
Begleiter durchs Kirchenjahr

Mit „Fröhlich soll mein Herze springen“ legt der Autor und Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn, ein handliches Brevier vor, das durch ein ganzes Kirchenjahr begleitet – leise, klug und inspirierend. Von Grit Bloß Den Einstieg bildet jeweils eines der 22 schönsten Lieder Paul Gerhardts, darauf folgen Impulse von Udo Hahn. Paul Gerhardt begegnet uns hier als Poet, Naturbeobachter und Seelsorger. Seine Texte, von „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ über „Befiehl du deine Wege“...

  • 18.03.26
Feuilleton

Wie eine Mutter dem Mörder vergibt
Porträt einer unbeugsamen Frau

Kann man dem Mörder seines Kindes vergeben? Die Frage stellt sich Diane Foley. Ihr Sohn war Kriegsreporter. 2012 gerät er in Syrien in die Hände der Terrororganisation Islamischer Staat. Von Felix Leibrock Die Mutter versucht, mittels Spenden den Sohn freizukaufen. Doch die amerikanische Regierung lässt das nicht zu. Sie will keinen Präzedenzfall schaffen. Der Sohn wird 2014 hingerichtet. Die Bilder gehen um die Welt: „Die schwarze Kapuze. Die Augen. Der Wüstensand. Der orange Overall. Die...

  • 15.03.26
Feuilleton

Lesung zur Buchmesse
Im Licht der Geschichte

Helmut Matthies, der frühere Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea mit Sitz im hessischen Wetzlar und Reisekorrespondent in der DDR, hätte es sich wohl in den 1970er-Jahren nicht träumen lassen, dass er eines Tages Zeitzeuge werden würde. Von Edgar S. Hasse Auch Thomas Begrich, exmatrikulierter Theologiestudent in Halle, Bausoldat und späterer Finanzabteilungsleiter des Kirchenamtes der EKD, gehört nun in die Reihe der Zeitzeugen – genauso wie Millionen anderer Menschen, welche als...

  • 09.03.26
Feuilleton

Rezension
Von Heimatverlust und Ostalgie im Westen

Der 1994 in Berlin geborene und seit 2022 in Leipzig ansässige Zeit-Journalist August Modersohn will erkunden, wie sich Deutschland seit 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, bis heute verändert hat. Von Joachim Goertz Dazu bereist er unter anderem Neustadt bei Coburg, Pforzheim, Görlitz, Eging am See, Goslar, Duisburg, Halle, Hannover, Freiburg, Dresden, Neuss, Prora und Sonneberg. Er trifft bekannte Politiker im Ruhestand wie Siegmar Gabriel, Rita Süßmuth und Marianne Birthler. Er telefoniert...

  • 06.01.26
Feuilleton
Foto: kai-brodersen.eu/kartoffeldruck-verlag/
2 Bilder

Rezension
Weißer Rauch vor der Kirche

Dürfen Theologen rauchen? Der Historiker Kai Brodersen, zuletzt Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, veröffentlicht ein kleines Büchlein mit der medizinischen Dissertation (1743) von Heinrich Christian Alberti (1722–1782) an der Universität Halle, die sich dieser Frage widmet. Von Joachim Liebig Der lateinische Originaltext liegt damit erstmals in der zweisprachigen Ausgabe in deutscher Übersetzung vor. Ergänzt wird das Bändchen durch ein Traktat des englischen Königs Jakob I....

  • 17.12.25
Feuilleton

Rezension
Wende oder Friedliche Revolution

Im Sommer 2024 beschäftigte sich eine Ringvorlesung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit der Einordnung der Ereignisse von 1989 und der Frage nach der Bedeutung und Deutung der Friedlichen Revolution. Von Dietlind Steinhöfel Ausgehend vom Begriff "Geschichtszeichen", den der Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) in seiner Schrift "Der Streit der Fakultäten" von 1798 im Zusammenhang mit der Französischen Revolution verwendete, werden verschiedene historische Ereignisse analysiert....

  • 03.10.25
Feuilleton

Rezension
Suche nach Gewissheit

Polykarp, 69 n. Chr. geboren, kannte noch den Apostel Johannes persönlich. Er wurde zum Jesusnachfolger und starb den Märtyrertod. Ein römischer Beamter forderte ihn vor der Hinrichtung auf, Christus zu verfluchen, dann würde er ihn freilassen. Von Edgar S. Hasse Polykarp entgegnete: „Sechsundachtzig Jahre diene ich ihm, und er hat mir nie ein Leid getan; wie könnte ich meinem König und Erlöser lästern?“ Der Theologe und Sprachwissenschaftler Roland Werner widmet diesem frühen Christen in...

  • 29.09.25
Blickpunkt

Reiner Haseloff
Berührende Geschichte, schwere Entscheidungen

Reiner Haseloff: Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt gilt als prinzipientreu, wertkonservativ und fest verwurzelt im Glauben. Bei der Landtagswahl 2026 will er nicht noch einmal antreten – Zeit, zu reflektieren. Nun hat er ein Buch vorgelegt, das im vielstimmigen Chor der Politikerpublikationen eine wohltuende Ausnahme bildet. Von Stefan Rhein In Reiner Haseloffs Buch wird keine geputzte Fassade präsentiert. Stattdessen lesen wir von einem 71-Jährigen, der sich selbst in großer Ehrlichkeit...

  • 27.08.25
Feuilleton

Rezension: Coaching statt Pflege
Alt, fit, selbstbestimmt

Das Alter ist eine Zumutung. Alt sein bedeutet Schwäche, Krankheit, Verfall. Alte Menschen gelten als Last und als Mahnung an die eigene Endlichkeit. Von Christiane Laudage Dabei ist das größte Problem nicht das Altern an sich, sondern wie jeder einzelne und die Gesellschaft da-rüber denken. Das sagen die beiden Autoren Petra Thees und Lutz Karnauchow. Mit ihrem Buch wollen sie eine neue Sicht auf das Alter und die Pflege vorstellen. Die beiden Autoren sind seit Jahrzehnten im Pflege- und...

  • 18.08.25
Feuilleton

Rezension
Auf dem Narrenschiff

Wann wird ein Schiff zum Narrenschiff? Wenn der Kapitän ein Narr ist, der Steuermann, der Schiffsarzt, die Crew und/oder die Passagiere? Nach 1494 Sebastian Brant und 1962 Katherine Anne Porter nun also 2025 Christoph Hein mit der Schilderung eines solchen Narrenschiffs. Von Joachim Goertz Ein epochaler Roman über dieses merkwürdige Gebilde namens DDR und denen mit ihm verbundenen Erwartungen, Ansprüchen, und zu Grabe getragenen oder zum Scheitern verurteilten Hoffnungen. Den historisch und...

  • 15.07.25
Feuilleton

Rezension
Reaktion auf Tabubruch

Im Jahr 2023 wurde der Sammelband „Angst, Politik, Zivilcourage“, den Sebastian Kleinschmidt und Thomas A. Seidel als Herausgeber verantworteten, von der Evangelischen Verlagsanstalt vom Markt genommen. Von Doris Weilandt Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) schrieb als Begründung, dass es „demokratiefeindliche, geschichtsrevisionistische, verschwörungsideologische und antisemitische Narrative“ bediene. Ein Vorgang, der seinesgleichen sucht. Nach Protesten war von einer...

  • 02.07.25
Feuilleton

RezensionStreifzüge durch Chemnitz

Aus der Flut der Bücher rund um das Kulturstadtjahr 2025 hebt sich ein Exemplar auf wundersame Weise heraus: „Streifzüge durch Chemnitz und das Erzgebirge – Menschen, Bücher, Baudenkmäler“ von zwei „Nordlichtern“ mit der bisweilen nötigen und kritischen Distanz geschrieben und dennoch ganz dicht dran. Von Hartmut Ellrich Es ist nicht das erste Buch, das Klaus-Martin Bresgott (Jg. 1967) und Johann Hinrich Claussen (Jg. 1964) im Bonner Verlag Monumente Editionen vorgelegt haben. Schon einmal...

  • 19.06.25
Glaube und Alltag
2 Bilder

Rezension
Von der Heiligkeit der "Glaubensreste"

Der inzwischen viel diskutierte Bedeutungsverlust des christlichen Glaubens lässt nicht nur Kirchenleitungen, Synoden und Gemeinden vor Ort nach neuen Wegen für die zukünftige kirchliche Arbeit suchen, sondern ruft auch Wissenschaftler und Kommentatoren des Zeitgeschehens außerhalb von Kirche und Christentum auf den Plan. Von Christine Lieberknecht Was passiert, wenn die Prägekraft des christlichen Glaubens zusehends schwindet, beschreibt der Philosoph, Germanist und Theaterdramaturg Bernd...

  • 26.05.25
Feuilleton

Die evangelische Kirche braucht Publizistik
Ein Mittelzur Freiheit

Ohne die Buchdruckerkunst, die Gutenberg kurz zuvor erfunden hatte, wäre die Reformation Martin Luthers nicht so erfolgreich gewesen. Matthias Augustin Ohne Internet, Social Media und KI ist eine PR-Kampagne heute nicht mehr erfolgreich, wie u. a. die jüngste Bundestagswahl gezeigt hat. Das gilt auch für die Kirchen. In dem von Reinhard Marwick und Willi Wild herausgegebenen Buch „Evangelische Publizistik – Wohin?“ wird dies besonders schön deutlich. Udo Hahn, Direktor der evangelischen...

  • 10.04.25
Feuilleton

Rezension
Wenn ich dir begegnet wäre …

Die Jahre von 1933 bis 1945: Sie stehen für den Zivilisationsbruch in Deutschland. Unsagbar die Leiden der Ermordeten, unvorstellbar die Verbrechen der Mörder. Von Ulrich Huppenbauer Wie aber sollen und können wir darüber erzählen? Eine Möglichkeit bietet Wolfgang Böllmann in seinem Buch „Wenn ich dir begegnet wäre … Dietrich Bonhoeffer und Jochen Klepper im Gespräch“. Böllmann erzählt von Gesprächen, die so nie stattgefunden haben, die uns diese beiden grundverschiedenen Menschen sehr...

  • 06.04.25
Feuilleton

Neue Perspektiven auf europäische Ideale
Gewissheiten unter Druck

Alle Menschen haben die gleichen Rechte und Pflichten. Dieser Universalismus steht in unserer Gegenwart erheblich unter Druck. Von André Demut Er wird von rechtsaußen unter Druck gesetzt: durch Ungleichheits-Ideologien und egoistische Nationalismen, die viele von uns im historischen Museum wähnten. Er wird aber auch unter Druck gesetzt durch eine identitätspolitisch motivierte Perspektivverschiebung, die etwa seit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts immer dominanter wurde. „Alle sind...

  • 28.03.25
FeuilletonPremium

Rezension
Die Bibel, ein Poesiealbum

Jesus liebt die Poesie. Er predigt nicht in Behördensprache. Um sich Gehör zu verschaffen, spricht er in Metaphern, erzählt Anekdoten oder kreiert Gleichnisse. Und die Menschen? Hören gebannt zu. Ohne die eindrückliche Sprache Jesu hätte es das Christentum nicht zu einer weltumspannenden Religion geschafft. Von Felix Leibrock Eberhard Grüneberg, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, schreibt nun Predigten in Versform. Ausgewählt hat er zehn bekannte Texte aus der...

  • 14.03.25
Aktuelles

Freitag vor 1
Unsere Seite 1 - Sieben Wochen Luft holen

Nur noch wenige Tage sind es, dann beginnt die Fastenzeit, die Zeit, die die Christen auf Ostern vorbereitet. Schon seit dem 2. Jahrhundert gibt es die Tradition des Fastens, des Verzichts auf etwas, sieben Wochen lang bis zu einem der wichtigsten Feste im Kirchenkalender. Heutzutage gibt es viele Formen des Fastens. Der Verzicht auf bestimmte Lebens- oder Genussmittel gehört genauso dazu wie der auf bestimmte Konsumgüter. Und es geht über derartigen "einfachen" Verzicht hinaus. Von Claudia...

Feuilleton

Haben und Sein: Todsünden unter der Lupe
Wenn genug nicht genug ist

Was treibt die Menschen an, gierig zu sein? Die Journalistin Barbara Streidl beleuchtet dies in ihrem Buch "Gier", das in einer Reihe des Hirzel Verlags erschienen ist, und die sogenannten Todsünden unter die Lupe nimmt. Von Nina Schmedding Die Autorin erläutert, wie sehr Gier in unserer Gesellschaft verankert ist und führt vor Augen, wie Habsucht bis heute mit Ausbeutung verbunden ist. Darüber hinaus diskutiert Streidl, wie ein Genug umgesetzt werden könnte. Dabei spart sie auch die...

  • 18.02.25
Feuilleton

Rezension
Homolka über Israels Frieden zwischen Schrift und Staat

In seinem neuen Buch wirft Rabbiner Walter Homolka einen Blick auf die Friedensphilosophie des Judentums und gestattet ungewohnte, tiefe Einblicke in Entwicklungen des jüdischen Selbstverständnis´. Von Paul-Philipp Braun Während diese Rezension erscheint, befindet Israel sich im Krieg. Seit dem 7. Oktober 2023 ist in dem Staat in Vorderasien nichts mehr, wie es einmal war. Der Überfall der Hamas auf das Supernova-Festival, das Massaker von Reʿim, zahlreiche Grausamkeiten nahen Kibbuzim, aber...

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