Rezension
Engelwort vom Schlossbalkon
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Noch ein Buch über Engel? Dieses lohnt sich zu lesen. Klug und liebevoll, manchmal fast alters-weise, doch nie altersmilde, schildert Udo Hahn das Wirken der guten Mächte.
Von Sebastian Kranich
Der politische Blick des Akademiedirektors und der seelsorgerliche des Pfarrers bringen die große und die kleine Welt der Boten Gottes in Einklang. Seit 2011 leitet der Theologe die Evangelischen Akademie Tutzing, auch als Autor und Herausgeber zahlreicher religiöser Sachbücher und spiritueller Texte ist er bekannt.
In seinem neuen Band "Himmlische Boten" kommen Tiefen und Untiefen unserer Zeit vor. Doch nie ohne christliche Hoffnung und Trost. Der geschulte Publizist vermag essayistisch zu schreiben und Dinge auf den Punkt zu bringen. Lyrik, Biblisch-Theologisches, Psychologisches, Persönliches werden geistreich miteinander verwoben. Mancher Satz taugt zum Merksatz. Etwa: „Irgendwo ist immer Zeitenwende.“ So pendelt der Autor zwischen Langmut und rebellischer Hoffnung. Dazwischen liegen wiederholt Momente, die ans Herz gehen.
Kraftvoll-bunte Engels-Zeichnungen von Caro Scharrer, hauptberuflich Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivmedizin, sind Ausgangspunkte der 16 Betrachtungen, die den Geist von Tutzing atmen. Vom Starnberger See und aus dem Schloss geht es in die weite irdische und himmlische Welt. Miteinander verbunden sind beide wie im Traum Jakobs von der Himmelsleiter: „Mitten in der Ungeborgenheit öffnet sich das Tor zum Himmel. Engel steigen auf und ab. Sie nehmen alles Negative nach oben und verwandeln und bringen das nun Positive nach unten. Segen nennt das die Bibel.“
„Irgendwo ist immer Zeitenwende“
Die Sehnsucht nach dem Guten, nach der Verwandlung zum Guten lässt Udo Hahn im demokratischen Prozess weiterhin auf die Möglichkeit von Konsens hoffen. Auch wer hier skeptischer ist und politisch lediglich Kompromisse zwischen widerstreitenden Interessen erwartet, wird ihm darin zustimmen: In Anbetracht von Populismus und Extremismus gilt es, die Regeln einer demokratischen Streitkultur einzuüben und zu verteidigen. Und Evangelische Akademien sind Orte, wo genau dies geschieht.
Das Büchlein beginnt mit dem „Engel, der Konsens stiftet“ und endet mit dem „Engel, der die Welt im Gleichgewicht hält“. Letzterer ist nicht mehr der Jüngste, krisenerprobt, hält den Kopf auf die Hand gestützt, die Stirn in Falten. Wer sich selbst darin erkennt, dem empfiehlt der Autor als gute Gegengewichte: Hoffnung, Schlaf – und Lachen.
Der Autor der Rezension ist Direktor der Ev. Akademie Thüringen.
Hahn, Udo: Himmlische Boten. Engelworte vom Schlossbalkon, EVA Leipzig, 120 S., ISBN 978-3-96038-393-2; 18,00 Euro
Autor:Online-Redaktion |
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