(Un-)verzichtbar
Gottesdienstbesuch mit Negativtest oder Impfnachweis?

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Sollte eine Teilnahme am Gottesdienst bei weiter steigenden Infektionszahlen nur noch mit einem tages- aktuellen negativen Corona-Schnelltest und/oder mit einem digitalen Impfpass möglich werden? Ein Wissenschaftler, der dem Thüringer Corona-Beirat angehört, und ein Theologe begründen ihre gegensätzliche Haltung.

Pro: Prof. Karlheinz Brandenburg, Ilmenau, Mitglied der EKM-Synode
Die Corona-Pandemie ist nicht vorbei, sie ist sogar (insbesondere in Thüringen) wieder deutlich am Ansteigen. Als Mittel gegen Ansteckungen mit all den Folgen, wie einer schweren Erkrankung, Tod oder eine großen Zahl an Langzeitkranken, bleiben nur Impfen und Kontaktvermeidung.
Zur Verminderung der Ansteckungsmöglichkeiten gibt es eine schöne Analogie: Ein Schweizer Käse hat Löcher, ist aber insgesamt nicht luftdurchlässig, auch wenn einzelne Scheiben das sind. Im Beispiel sind die Käsescheiben: Masken tragen, Abstand halten, nicht reden oder singen, sich testen lassen. Am wirksamsten ist die Impfung.
Wie sollen wir uns als Christen dazu verhalten – und wie wir, als Kirche?
Auch Gottesdienste sind Treffpunkte. Wir wollen nicht aus falsch verstandenem Gottvertrauen alle Vorsicht vergessen. Deshalb gibt es jetzt schon Richtlinien der Landeskirche. In einigen Kreisen sind die Ansteckungszahlen so hoch, dass regional empfohlen wird, auf Präsenzgottesdienste für einige Zeit zu verzichten.
Ein möglicher Kompromiss ist, sich direkt vor einem Kirchgang testen zu lassen. Das ist nur wirksam genug, wenn das alle tun. Ich halte vorgeschriebene Tests oder, gleichwertig, den Nachweis einer Impfung für eher akzeptabel, als nur noch zehn Gottesdienstbesucher in eine Kirche zu lassen.
Theologisch kann ich damit leben, da wir im „stillen Kämmerlein“ beten können und solche Regeln nicht auf Dauer angelegt sind. Ich finde das weniger schlimm als die Folge, dass gefährdete Personen sich nicht mehr trauen können, die Kirche zu besuchen.

Kontra:  Pfarrer Martin Michaelis, Quedlinburg, Vorsitzender der Pfarrvertretung der EKM
Vorab: ich mag Brot, fahre Oldtimer mit Bremsen und bin gegen Tetanus geimpft. Medizinische Themen? Dazu ist genug gesagt, auch in nicht über den Rundfunkbeitrag finanzierten Medien.
Fasten führt zu klarem Verstand oder macht anfällig für Fehlentscheidungen. Auf Letzteres hatte der Teufel bei der Versuchung Jesu (Mt 4,4-11) gehofft. Impfungen kannte er zwar nicht, aber das "Strickmuster" ist frappierend identisch: Leben (Brot), Sicherheit (jedes Risiko bannen), Macht (über alle Reiche der Welt, bis hin zur Meinungsbildung).
Mit Impfung oder Test als Eintrittskarte erlägen wir erneut der Versuchung – nach abgesagten Gottesdiensten, alleingelassenen Sterbenden, Kindern, die Omas mittels Viren töten, schuldbeladen, anstatt über Gottes Güte unterrichtet worden zu sein, usw. Der Teufel versucht, den Glauben überflüssig zu machen, mindestens zur nachrangigen Privatsache. Den Erfolg beurteile jeder selbst. Da nützen keine artigen Statements in die Öffentlichkeit. Kirchliche Ämter in ehrwürdigen Gebäuden helfen und sind nur unverzichtbar, wenn sie auf Jesu Wort bauen: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“
Wort und Sakrament werden den Weg zu den Aussätzigen vor der Kirchentür doch finden (Lk 17,11-19). Der Geheilte, der in Jesus den Heiland erkannte, wurde gerettet. Die anderen wurden nur gesund, befristet!, weil sie sich mit dem irdisch-lumpigen Leben zufriedengaben.
Jesus Christus, sein Leib, der nicht von dieser Welt ist, wird der Versuchung widerstehen. Im schlimmsten Fall ohne uns, dann dienen ihm die Engel anderwärts.

Autor:

Online-Redaktion

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