Freitag, vor eins ...
Unsere Seite 1 - O lingua mia

G+H Nr. 2 vom 10. Januar 2021
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12.000. In Worten: zwölftausend. So viele Personen- und Berufsbezeichnungen will der Duden-Verlag in seinem  Online-Wörterbuch im Laufe des Jahres gendern. Wow, nicht gerade wenig. Aber hey, irgendwer muss das Internet ja vollschreiben - oder etwa nicht? Die Bibelgesellschaft verfolgt mit ihrem sprachlichen Mammutprojekt einen anderen Ansatz. 

Im Online-Duden soll es künftig statt eines Wortartikels zwei geben - einen für die männliche und einen für die weibliche Form bestimmter Worte. Ein Beispiel: Der Mieter ist demnach nicht mehr «jemand, der etwas gemietet hat», sondern eine «männliche Person, die etwas gemietet hat». Entsprechend wird eine Mieterin erklärt. Damit verschwindet im Online-Duden faktisch das sogenannte generische Maskulinum. Also eben jene von manchen als antifeministisch betrachtete Spracheigenheit, die uns Frauen ungefragt einfach mal eben immer mit meint. 

Mehrere Sprachwissenschaftler kritisierten die neuen Worteinträge. Der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg bezeichnet sie in der «Welt» als «Irreführung des Lesers». Die Wörter seien alle sowohl spezifisch männlich als auch generisch, also geschlechtsneutral verwendbar. Von der Sprachgemeinschaft würden sie auch so gebraucht. 

Oh weh, die Deutschen und ihre Sprache! Ganz großes Drama. Was hätte Luther wohl dazu gesagt? Wir können nur mutmaßen, fragen geht ja nicht mehr. Wäre vielleicht auch nicht hilfreich - war eh ein Mann, nicht wahr? Aber wo wir schon beim Reformator sind: Lohnenswert erscheint ein Blick auf das Mammutprojekt der Deutschen Bibelgesellschaft. 

Die neue Basis Bibel, die am 21. Januar erscheint, soll das Buch der Bücher der Generation Internet zugänglich machen. Und mit ihm eine fremde Kultur und Ereignisse, die Jahrtausende zurückliegen. Wie das? Ganz einfach: Über Sprache, bildschirmgerechte Sprache. Schon wieder so was neumodisches, werden Sie jetzt denken. Aber eine Probe aufs Exempel (siehe Bildergalerie im Artikel) beweist: Da haben sich Leute doch mal Gedanken gemacht! Die Basis Bibel verwendet nämlich kurze Sätze mit selten mehr als 16 Worten. Sie soll insbesondere zum Lesen auf Bildschirmen sehr gut geeignet sein.

Leseprobe: Auszug aus der Basis Bibel, die auch digital im Internet oder via App unter die-bibel.de zur Verfügung steht.
  • Leseprobe: Auszug aus der Basis Bibel, die auch digital im Internet oder via App unter die-bibel.de zur Verfügung steht.
  • Foto: Beatrix Heinrichs
  • hochgeladen von Beatrix Heinrichs

Ja und das ist doch, was unsere Generation braucht. Ich würde mal behaupten, wir sind echte Leseweltmeister: Täglich swipen wir mit Daumen und Zeigefinger durch ganze Bibliotheken und scannen Chats und E-Mails oder filtern Schlagzeilen. Die intensive Beschäftigung aber mit Texten, die etwas herausfordernder sind, verlangt immer mehr Teens und Twens einiges an Geduld und Übung ab. 

Also dann lieber kurz, knackig und mit ein bisschen Kontext versehen, dachte sich wohl die  Redaktion der Basis Bibel. 40 Übersetzer haben an der Übertragung vom hebräischen und griechischen Urtext ins Deutsche gearbeitet. Dabei haben sie Begriffe wie «Messias» oder «Reich Gottes» durchaus belassen, anstatt wie man vermuten könnte, dafür Umschreibungen zu suchen. Sie haben die Wörter jedoch farblich markiert und an den Seitenrand einen kurzen Erklärtext gesetzt. Ist doch mal eine Idee. Tut dem Text gut - und den Lesern!

Der Bibel und dem 500-jährigen Jubiläum ihrer Übersetzung werden wir uns schwerpunktmäßig in der Ausgabe Nr. 3 (zum 17. Januar) widmen. In dieser Woche geht es um das "organisierte Staunen", wie es Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD und Autor unseres Titelbeitrages genannt hat. Was bedeutet uns die Liturgie im Gottesdienst und welchen Stellenwert hat sie in der Pandemie? Diesen Fragen und vielen weiteren spannenden Themen sind wir auf der Spur. Gute Lektüre!

Unsere Themen

  • Liturgie ist der Weg zur gemeinschaftlichen Verwunderung – dem Innehalten vor dem Heiligen, sagt unser Gastautor Thies Gundlach.
  • Corona: Um Menschen vor einer Ansteckung zu schützen, verzichten Gemeinden auf viele Elemente im Gottesdienst. Das ist eine Gefahr für das protestantische Selbstverständnis, aber auch eine Chance, meint der Liturgiewissenschaftler Erik Dremel im Gespräch mit Katja Schmidtke.
  • Ehrenamt: Der 90-jährige Arthur Dörfel führt seit 20 Jahren durch die Schleizer Bergkirche. Nicht allein mit Daten und Zahlen will er für das Gotteshaus begeistern, sondern mit Geschichten. Simone Zeh hat in getroffen.
  • Merseburg: Im Oktober jährt sich das Weihejubiläum des Doms zum 1000. Mal. Die Vereinigten Domstifter warten 2021 mit einem Festjahr voller Höhepunkte auf. Claudia Crodel gibt einen Ausblick.

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Autor:

Beatrix Heinrichs

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