Verlust
Hoffnung, jeden Tag neu

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Tobias kam mit einer Autoimmunerkrankung auf die Welt. Doch sein Leben ist nicht allein geprägt von Leid. Er malt es in den schönsten "Sonnenfarben". Darüber hat sein Vater ein Buch geschrieben.

Von Katja Schmidtke

Wie überlebt man den Tod des eigenen Kindes? Jahre der Unsicherheit und Krankheit, immer wieder kehrende Augenblicke des Leids und des Schmerzes? – Mit österlicher Hoffnung, jeden Tag neu.

Von dieser Botschaft erzählt "Sonnenfarben", das Buch, das Johannes Roller über das "traurig-schöne Leben mit unserem Sohn" geschrieben hat. Der Leser lernt darin einen kleinen Jungen mit einem großen Gottvertrauen kennen. Tobias kommt 2009 mit einer seltenen Autoimmunerkrankung auf die Welt. Er hat immer wieder Fieber, kann Nahrung schlecht verdauen, leidet unter Übelkeit, bricht sich schnell Knochen. Das Immunsystem greift den eigenen Körper an. Statt auf dem Spielplatz oder in der Schule findet sein Leben hauptsächlich in häuslicher Isolation und im Krankenhaus statt.


"Mein Leben ist in tausend Scherben zerbrochen, und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass Gott mich verlassen hätte"

Aber Tobias strahlt, ist froh, neckt Ärzte und Pflegerinnen, spielt leidenschaftlich gern mit seinen Schwestern im Kaufmannsladen und malt Bilder in den kräftigsten, leuchtenden "Sonnenfarben". Er praktiziert in jungen Jahren, was so mancher Mensch sein ganzes langes Leben nicht lernt: Dankbarkeit. Tobias begreift das Leben als ein Geschenk Gottes. Und selbst "wenn ihm die Krankheit richtig zusetzt, er Schmerzen hat oder der Tag ihn sehr mitgenommen hat, dann ist Tobi nie böse auf Gott", schreibt sein Vater.

Auch Tobias’ Eltern lernen, das Leben auf diese Weise zu begreifen. Als Tobias zum ersten Mal im Meer badet, ist das für Johannes und Elisabeth Roller wie ein Wunder. Ein Sekundenglück für die Ewigkeit. Aus Gründen der Hygiene durfte Tobi nie ins Schwimmbad, oft war er auch viel zu schwach dafür, er lernte nie schwimmen. "Jetzt plantscht er freudestrahlend in der kühlen Nordsee und spritzt mich nass. Er wirkt gesünder denn je. Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit. Mein kleines Wunder! Es ist wirklich ein Geschenk. Ich kann es nicht anders sagen. Bei allen Schwierigkeiten, allem Leid haben wir immer wieder so schöne Momente und so viel Freude. Immer wieder. Gott hat es nie schwerer werden lassen, als wir es ertragen konnten."

Und die Familie muss viel ertragen. Nicht nur Tobias bringt Opfer. Seine Eltern wachen abwechselnd im Krankenhaus. Einfühlsam schildert Johannes Roller auch das Leben seiner Töchter Charlotte und Henriette, denen das Lernen in der Schule schwerfällt, weil sie an ihren kleinen Bruder denken müssen, oder die wütend und ratlos sind, wenn Tobi unter dem Einfluss von Kortison heftige Wutausbrüche hat, die mitleiden und sich sorgen.

Eine feste Burg inmitten dieser Wildnis ist Gott. Das Beten und Singen, Klagen und Danken ist für diese Familie wie die Luft zum Atmen. Das spürt man in Johannes Rollers Zeilen immer wieder. Eine besondere emotionale Dichte entfaltet das Buch in den letzten Kapiteln. Chronologisch wird Tobias’ Geschichte erzählt; und hier, wo es um die letzte Dinge geht, ist es fast so, als stünde der Leser mit am Krankenbett. Umgeben von Engeln in Gestalt von Pflegern und Ärztinnen kann Tobias gehen, können die Eltern und Schwestern Abschied nehmen. Dies den Mädchen zu ermöglichen, ist vielleicht das Schwerste, was Eltern ihren Kindern zumuten können; es ist wahrlich eine Zu-Mutung. Henriette und Charlotte wachsen über sich hinaus und erweisen ihrem Bruder einen letzten Liebensdienst, indem sie in waschen.

"Mein Leben ist in tausend Scherben zerbrochen, und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass Gott mich verlassen hätte", schreibt Johannes Roller. Das Vertrauen in Gott und das Wissen um Tobis neues Leben bei Jesus mindern nicht den Schmerz, schenken aber Geborgenheit und Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Roller, Johannes, Bohnacker, Carmen: Sonnenfarben, SCM Hänssler, 254 S., ISBN 978-3-7751-6018-6; 20,00 Euro

Schwere Stunden: Tobias fallen im Laufe der Chemotherapie büschelweise die Haare aus. Das stört und schmerzt ihn, also rasiert er sich den Kopf kahl.
Autor:

Katja Schmidtke aus Halle-Saalkreis

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