Porträt: Der Theologe und Historiker Thomas A. Seidel wird Ausbildungsleiter
Der Intendant der Gnadengaben

Thomas A. Seidel

Am 9. Februar wird Thomas A. Seidel ins Amt als Leiter der Diakonenausbildung des Diakonischen Bildungsinstituts Johannes Falk (dbi), Eisenach, im Erfurter Augustinerkloster eingeführt.
»Intendant der Gnadengaben« möchte er sein. Theologisches Wissen vermitteln und die Talente der Auszubildenden fördern, das ist sein Ziel. Seidel selbst hat viele Talente und Professionen. Er ist promovierter Theologe, Historiker, war Studienleiter der Evangelischen Akademie Thüringen und Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Thüringer Landesregierung für das Reformationsjubiläumsjahr 2017 und er ist geschäftsführender Vorstand der Internationalen Martin Luther Stiftung. Und nun Leiter der Diakonenausbildung. Dort absolvieren Frauen und Männer, die Diakonin oder Diakon werden wollen, eine berufsbegleitende Ausbildung – eine besondere Gemeinschaft auf Zeit.
Gemeinschaft bedeutet Thomas A. Seidel viel. Für ihn ist sie unverzichtbar für das Glaubensleben: »Kirche ist keine Individualisierungsmaschine, Kirche ist etwas, was auf Gemeinschaft aus ist. Das gemeinsame Unterwegssein in Fragen des Glaubens oder im Thematisieren des Zweifels geht nur in Gemeinschaft.«
Seidel, der 1958 im sächsischen Neukirchen an der Pleiße geboren wurde, erlernte zunächst den Beruf des Elektromonteurs. Ab 1979 studierte er evangelische Theologie in Leipzig und wurde in Eisenach ordiniert. Auszeiten im Kloster und die Begegnung mit Menschen, die ein bürgerliches Leben führen, aber eine Form geistlicher Gemeinschaft und Gebetszeiten praktizieren, haben ihn schon immer fasziniert. Heute ist er Spiritual (geistlicher Leiter) der evangelischen St.-Georgs-Bruderschaft und Mitglied der Collegiatsgemeinschaft, in der evangelische und katholische Christen außerhalb von Klostermauern nach Ordensprinzipien leben. »Diakonische Gemeinschaften sind nicht nur für sich selbst da, sondern sie haben eine Vitalisierungsfunktion«, glaubt er. Das tägliche Gebet, die Meditation, die er und seine Frau beispielsweise am Morgen praktizieren, zunächst allein und später gemeinsam, ist für ihn eine wichtige Kraftquelle. Für Protestanten sei das eher ungewöhnlich, weil man eh aus der Gnade lebe und da brauche man ja nicht groß üben, erklärt Seidel.
»Aber auch Martin Luther hat gesagt, das Leben ist kein fromm sein, sondern ein fromm werden. Und dieses Wissen, dass wir die tägliche Einkehr brauchen, halte ich für eine ganz wichtige Erfahrung.« Seidel sieht, dass die klassischen Formen klösterlicher Gemeinschaften in unseren Breiten an Attraktivität verloren haben. Aspekte aus diesem Bereich könnten aber heute Anregung und Stärkung für Christen sein.
In seine neue Aufgabe bringt er Erfahrungen, Kontakte und Netzwerke aus seinen vergangenen Tätigkeiten ein. Für einen neuen Ausbildungsblock konnte er darum schnell den Thüringer Rabbiner Alexander Nachama oder den Augustinerbruder Jeremias Kiesl als Gesprächspartner gewinnen.
Das Reformationsgedächtnis bleibt für Seidel weiter ein wichtiges Thema. Er führt bereits Gespräche, um auch das Jahr 2021, in dem sich die Bibelübersetzung Luthers und der Reichstag zu Worms zum 500. Mal jähren, mit Projekten zu begleiten.
Diana Steinbauer

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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