Riechen, schmecken, glauben

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
Johannes 6, Vers 51

Von Christof Enders

Es sind Sätze wie in Stein gemeißelt: »Wer glaubt hat das ewige Leben.« Oder: »Ich bin das Brot des Lebens.« Für viele Predigthörer sind solche Sätze Anker fürs Leben. Bei Vielen lösen sie Fragen aus: Was ist, wenn ich nicht so sicher glaube? Gilt dann »Iss, oder stirb«? Im Predigttext für den Sonntag Lätare (Freuet euch) muss die Freude etwas länger gesucht werden.
Immer wiederkehrend kreisen die Wörter umeinander: Brot – Leben – Glaube – Himmel – ich bin. »Die meditierende Wiederholung der Worte Jesu, die tiefer in ihren Sinn eindringt, ist die Technik, die der johanneischen Spiritualität des Wortes gemäß ist« (Michael Theobald). Statt sich an Spitzensätzen zu verschlucken soll das Ganze also langsam und von Anfang an durchgekaut werden. Am Anfang der »Brotrede« in Johannes 6 stand der Hunger der Menschen. 5 000 sollen es ungefähr gewesen sein. Und sie werden satt, weil Jesus, der Menschensohn, der möglicherweise »vom Himmel« gekommen ist, austeilt.
Lätare wird auch als »kleines Ostern« bezeichnet. Die liturgische Farbe ist rosa, eine Mischung aus violett und weiß. Auch Johannes will »von Ostern her« gelesen werden. Das heißt ich muss den Duft noch in der Nase haben, um wirklich zu wissen, was Brot ist. Allein mit anschauen wird das nichts. Erst wenn ich weiß, was wirklich satt macht, kann ich unterscheiden, was mich mit Mühe und Not nur über den Tag bringt (Manna).
Johannes spricht vom lebendigen Himmelsbrot. Die Hoffnung auf ewiges Leben ist aber scheinbar schon lange zum Ladenhüter der christlichen Verkündigung geworden. Was hilft? Zurück zum Anfang! Da war das Brot, nein der Hunger. Den kann ich spüren. Die Leere und die Sehnsucht. Meist ist er mit einem intensiven Geruch verbunden – dem Duft nach mehr und den Erinnerungen, wo ich satt geworden bin. In der Predigt kann ich solche Erinnerungen ins Gespräch bringen und uns damit den Duft des Himmelsbrotes wieder in die Nase rufen.
In manchem Gottesdienst wird Abendmahl gefeiert. Das Brot ist mein Fleisch, sagt Johannes. Auch dieses Brot will meditiert, lange und sorgsam gekaut, intensiv geschmeckt, geschluckt und geglaubt werden, so wie das Johannesevangelium.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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