Kulturhaupstadt
Erstes Nagelkreuzzentrum für Chemnitz

- Foto: epdbild/Norbert Neetz
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Chemnitz (epd). Chemnitz erinnert am 5. März mit einem Friedenstag an die Opfer im Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung der Stadt vor 80 Jahren. Ein Höhepunkt des Programms sei die Verleihung des Nagelkreuzes von Coventry an das neu gegründete ökumenische Nagelkreuzzentrum in der Chemnitzer Jakobikirche, sagte Pfarrer Stephan Tischendorf. Zum Gottesdienst wird der internationale Leiter der Nagelkreuzgemeinschaft und Dekan von Coventry, John Witcombe, erwartet.
Geplant sind zum Friedenstag außerdem am Vormittag eine Kranzniederlegung auf dem Städtischen Friedhof sowie tagsüber Ausstellungen, Gedenkwege sowie weitere Open-Air-Angebote in der Innenstadt, kündigte Sabine Kühnrich von der Arbeitsgemeinschaft Chemnitzer Friedenstag an. Auf dem Neumarkt soll eine Kundgebung unter dem Motto „Frieden stiften durch Versöhnung“ stattfinden, zu der auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erwartet wird.
Hintergrund
Die Geschichte der Nagelkreuzgemeinschaft hat im Zweiten Weltkrieg begonnen. Am 14. November 1940 griff die deutsche Luftwaffe die englische Kleinstadt Coventry an. 550 Menschen starben, die Innenstadt und die spätmittelalterliche St. Michael's Kathedrale wurden zerstört.
Wenige Wochen später rief der Domprobst von Coventry, Richard Howard, zu Weihnachten bei einer landesweiten Rundfunkansprache aus der Kirchenruine dazu auf, nicht Rache, sondern Versöhnung zu üben. Als Zeichen dafür ließ er drei Zimmermannsnägel aus dem ausgebrannten Dachstuhl der Kathedrale zu einem Kreuz schmieden: dem „Cross-of-Nails“, zu deutsch: Nagelkreuz.
Schon kurz nach Kriegsende wurde eine Kopie dieses Nagelkreuzes an die Nikolaikirche in Kiel überreicht. Es folgten in den 1960er-Jahren deutsche Städte wie Münster, Hamburg und Berlin.
Den Gedanken einer weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft entwickelte der Domprobst von Coventry, Bill Williams (1914-1990). Heute gehören der Gemeinschaft in Deutschland dutzende Zentren an, weltweit sind es mehr als 200. Auch die Dresdner Frauenkirche, die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und die KZ-Gedenkstätte Dachau gehören dazu. Am 5. März 2025 wird die Chemnitzer St. Jakobikirche aufgenommen.
Die Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry versteht sich als internationales Netzwerk für Frieden und Versöhnung. Durch ihre Versöhnungsarbeit wollen die Gemeinden Wunden der Geschichte heilen, die Vielfalt der Kulturen betonen und Friedensarbeit leisten. Als Zeichen der Verbundenheit wird in den Nagelkreuzzentren in der Regel jeden Freitag um 12 Uhr das Versöhnungsgebet von Coventry gebetet. Im Mittelpunkt stehen die Worte „Vater vergib“, die Domprobst Richard Howard in die Chorwand der zerstörten Kathedrale meißeln ließ.
Bei Luftangriffen der Alliierten auf Chemnitz kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges kamen zwischen dem 6. Februar und dem 11. April 1945 rund 4.000 Menschen ums Leben. Rund 80 Prozent der Innenstadt wurden zerstört. Die internationale Nagelkreuzgemeinschaft ist eine weltweite Bewegung für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung. Ausgangspunkt ist die Kathedrale im englischen Coventry, die 1940 von der deutschen Luftwaffe zerstört wurde.
Tischendorf sagte, das Chemnitzer Nagelkreuz solle auch ausgeliehen werden, zum Beispiel an Schulen oder Institutionen, um dem Thema Versöhnung mehr Aufmerksamkeit zu geben.
Autor:Online-Redaktion |
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