Serie: Buga, Bibel und Botanik (4)
Mathematik am Blumenbeet

Wie legen Sie Ihre Gartenbeete an? Vielleicht mit möglichst kurzen Wegen zum Wasserhahn. Oder mit einem Kräuterbeet in der Nähe der Küche. Kurzum: die Anlage des Gartens erfolgt, wie es für Sie am praktischsten ist.

Im Mittelalter sah man dies etwas anders. Im 9. Jahrhundert war Walahfrid Strabo Abt des Klosters Reichenau am Bodensee. Da ein Abt unter anderem auch für die Gesundheit der ihm anvertrauten Mönche zuständig war, lagen ihm die Heilpflanzen besonders am Herzen. In seinem Werk „Hortulus“ (Gärtlein) beschreibt er in Versform 24 Pflanzen. Es ist eines der frühesten Zeugnisse des Gartenbaus in Deutschland. Pflanzbücher dieser Zeit waren botanische Betrachtung und religiöse Erbauung in einem. Strabo betrachtet den Garten aus der Perspektive eines Benediktinermönchs. Nach der benediktinischen Regel „ora et labora“ (bete und arbeite) ist der Garten der Ort der Arbeit („labora“) sowie auch ein Ort der Einkehr und der Kontemplation („ora“).

Dies wird in der Anordnung der 24 Beete in Abt Strabos Gedicht besonders deutlich. Man erkennt sechs Gruppen zu je vier Beeten. Die Vier ist die Zahl der Erdverbundenheit. Denken Sie an die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten oder die mittelalterlichen vier Elemente. Die Sechs steht für die sechs Arbeitstage. So hat Walahfrid Strabo in der Anordnung der Beete den Garten als Ort der Arbeit gekennzeichnet – „labora“.

Gleichzeitig lassen sich die 24 Beete auch in drei Gruppen zu je acht Beeten zusammenfassen. Die acht ist seit frühestem Christentum ein Symbol für das Göttliche und Himmlische. So waren die antiken Taufkapellen achteckig. Ebenso die alte deutsche Kaiserkrone, denn der Kaiser verstand sich als der „weltliche Arm Gottes auf Erden“. Auf Fotoobjektiven können Sie noch heute eine liegende Acht als Zeichen für unendlich finden. In der Drei sah man einen Hinweis auf die göttliche Trinität von Vater, Sohn und Heiligem Geist. So hat Walahfrid Strabo den Garten gleichzeitig als einen Ort des Heils gekennzeichnet. In den Heilpflanzen sah er Vorboten dieses Heils.

Wenn Sie wieder einmal in Ihrem Garten Unkraut zupfen, sinnieren Sie doch ein wenig über die Anzahl Ihrer Beete.

Gartenpfarrer Johannes Schmidt

Autor:

Online-Redaktion

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