Studie: Eine gute Konfirmandenarbeit stärkt die kirchliche Bindung
Visitenkarte der Kirche

Konfirmandenarbeit motiviert: Jonathan (li.) und Lukas nahmen 2017 an einem Workshop des Konfirmanden-Zeltlagers in Wittenberg teil.
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Wer sich als Jugendlicher konfirmieren ließ, ist später oft überproportional gesellschaftlich engagiert. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Universität Tübingen und das Comenius-Institut im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland erstellt haben.
Von Benjamin Lassiwe

Für die Untersuchung wurden rund 3.000 repräsentativ ausgewählte junge Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren befragt. Dabei stellte sich heraus, dass sich 56 Prozent der befragten evangelischen Christen aktiv in der Sozialarbeit engagieren. Bei den befragten Konfessionslosen waren es nur 38 Prozent.
»Eine wichtige Rolle spielt dabei die Konfirmandenzeit«, sagte der Professor für Gemeindepädagogik an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, Wolfgang Ilg. Dort würden Jugendliche zum Beispiel bei Praktika in der Gemeinde oder durch das Engagement anderer Jugendlicher im Konfirmandenunterricht, sogenannter »Teamer«, das Ehrenamt praktisch erleben. »Von denen, die im Konfirmandenunterricht ein Praktikum durchlaufen haben, sagen 64 Prozent, dass das motiviert habe.« Generell gelte: Wer mit seiner Konfirmandenarbeit zufrieden sei, habe auch später eine deutlich höhere Bindung an seine Kirche. »Konfirmandenzeit sollte als Visitenkarte der Kirche gestaltet werden«, sagte Ilg. »Wenn sich die Kirche dort von der besten Seite zeigt, bleiben Jugendliche der Kirche verbunden.«
Ähnlich äußerte sich auch der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm. »Die Konfirmandenzeit und eine verstärkte Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen aus der Jugendarbeit bieten eine enorme Chance für die Förderung des Ehrenamtes.« Das Engagement für die Welt sei Christen vom ureigensten Kern der Bibel her untrennbar mit auf die Welt gegeben.
Bestätigt wurde die kirchliche Untersuchung auch vom Direktor des Deutschen Jugendinstituts, Thomas Rauschenbach. Man beobachte, dass die Gleichaltrigen ein interessanter Zugangsfaktor für Jugendliche zum Ehrenamt seien. Man müsse sich in einer Organisation generell so wohlfühlen, dass man wiederkomme. Entscheidend sei es aber auch, ob Jugendliche später dort lebten, wo sie aufgewachsen seien. »Wo man viele Leute kennt, tut man sich beim Engagement einfacher«, sagte Rauschenbach. »Darauf muss auch die Kirche achten.«
Wer als Jugendlicher mit seinen Eltern mehrfach umziehe, fände später schwieriger Anschluss – und das gelte auch beim Ehrenamt. Als ein Problem machten die Forscher allerdings aus, dass Jugendliche auch in ihren Kirchengemeinden zuweilen nur wenig Wertschätzung für ihr Engagement erhielten. Nur jeder Zweite der befragten jungen Erwachsenen hatte den Eindruck, dass seine Gemeinde sein Engagement ausdrücklich würdige.
Für die Kirche jedenfalls kann sich eine Förderung des ehrenamtlichen Engagements von Jugendlichen auch ganz praktisch lohnen: Denn eine Langfristuntersuchung ergab auch, dass die Distanz zur Kirche im Laufe der Zeit vor allem bei den Jugendlichen wächst, die sich nach ihrer Konfirmation nicht ehrenamtlich engagieren. Wer aktiv mitmacht, bleibt dagegen auch länger dabei.

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Online-Redaktion aus Weimar

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