Hospize: Arbeiten unter schwierigen Bedingungen
Abschied am Telefon

Renate Festerling ist immer noch mitgenommen. Anfang der Woche hat sie die Nachricht vom Tod einer alleinstehenden Dame bekommen, die sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hagener Hospizdienstes "Dasein" der Diakonie Mark-Ruhr betreute.

Von Claudia Rometsch 

Eigentlich hatte Festerling der 99-Jährigen an ihrem Lebensende beistehen wollen. Doch dazu kam es nicht mehr. «Denn sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert, und da durfte ich nicht mehr zu ihr.» Festerling wirkt geknickt: «Ich mache dieses Ehrenamt doch, damit Menschen nicht alleine sterben.»
Seit die Corona-Infektionszahlen erneut steil ansteigen, seien die Arbeitsbedingungen für die Sterbebegleiter wieder deutlich schwieriger geworden, sagt die hauptamtliche Koordinatorin des Hospizdienstes, Andrea Strehl. «Wir erleben jetzt wieder, dass in einzelnen Einrichtungen Besuche unserer Ehrenamtlichen nicht erlaubt werden.» Das weckt böse Erinnerungen an den Lockdown im Frühjahr. In dieser Zeit hätten manche der 70 Ehrenamtlichen mitbekommen, dass selbst Angehörige nicht zu Sterbenden vorgelassen wurden, sagt Gisela Fiukowski, ebenfalls Koordinatorin beim Hospizverein "Dasein".
Für die Hospizvereine sei die Arbeit auch deshalb schwierig, weil der Zugang zu den Pflegeheimen unterschiedlich geregelt sei. Gibt es eine langjährige Zusammenarbeit mit einem Hospizverein, stehen die Chancen besser, dass die Sterbebegleiterinnen ins Haus gelassen werden. So konnten Ehrenamtliche des Hospizvereins "Dasein" auch während des Lockdowns Sterbende in den Einrichtungen des eigenen Trägers besuchen. Diese Erfahrung machte auch Katharina Ruth, Leiterin des Hospizdienstes «Pusteblume» der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal. Aber sie weiß auch von einem Fall zu berichten, in dem zwar die ehrenamtliche Sterbebegleiterin Zutritt zu einem Sterbenden bekam, die Angehörige aber vor der Tür bleiben musste.
Dabei habe die Corona-Schutzverordnung Sterbebegleitung sowohl durch Angehörige als auch ehrenamtliche Hospizvereins-Mitarbeiterinnen nie verboten, betont Ruth. Besuche in stationären Einrichtungen seien bei einer «Palliativ-Situation» immer erlaubt gewesen. «Das Problem ist, dass dieser Begriff nicht definiert ist.» Es dürfe nicht sein, dass freiheitsentziehende Maßnahmen nur auf Maßgabe einer Einrichtungsleitung durchgesetzt würden, fordert Ruth. Klarheit könnte eine Handreichung für die Besuchsregelungen in Pflegeeinrichtungen schaffen, die der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, bis spätestens Weihnachten angekündigt hat.
«Es muss jetzt alles darangesetzt werden, dass wir eine Situation wie beim Lockdown im Frühjahr nicht mehr bekommen», fordert auch der Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, Benno Bolze. Eine große Hilfe könnten dabei Corona-Schnelltests in den Einrichtungen sein. Die Pflegebranche bereitet die Einführung der kostenlosen Schnelltests für Mitarbeiter, Pflegebedürftige und Besucher derzeit vor.
Doch von Normalität werde die Hospizarbeit auch dann noch weit entfernt sein, sagt Pflege-Expertin Fiukowski. Die Ehrenamtlichen begleiten kranke Menschen nämlich nicht nur in der akuten Phase des Sterbens, sondern oft über einen längeren Zeitraum am Lebensende. Viele Betreuungen seien unterbrochen worden, sagt sie. Die Mitarbeiterinnen bemühten sich dann, telefonisch oder durch Briefe Kontakt zu halten. Aber das könne persönliche Nähe nicht ersetzen.
Die Verunsicherung zeigt sich auch in einem deutlichen Rückgang der Anfragen an die Hospizvereine. Der Hospizverein "Dasein" etwa und auch der Beueler Hospizverein in Bonn melden, verglichen mit der Zeit vor der Pandemie, nur noch halb so viele Einsätze. Vor allem Pflegeheime seien zurückhaltend damit, ehrenamtliche Sterbebegleitung für todkranke Bewohner oder Bewohnerinnen anzufordern, beobachtet Fiukowski. Es sei also davon auszugehen, dass es dort einsame Menschen gebe, die aus Sorge vor einem Infektionsrisiko keine Begleitung durch die Hospizvereine bekämen.

(epd)

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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