Freikirchen wollen nicht instrumentalisiert werden
Teilweise Zustimmung

Am Magdeburger Domplatz steht auch der Landtag von Sachsen-Anhalt. Am 6. September wird das Landesparlament neu gewählt. | Foto: Thomas Nawrath
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Im Entwurf des AfD-Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt wird eine inhaltliche Nähe zu "Freikirchen, Baptistengemeinden und orthodoxen Kirchen" suggeriert. Wie stehen die Freikirchen selbst dazu?


Von Thomas Nawrath

Magdeburg. Die Verbände mehrerer Freikirchen haben eine Vereinnahmung durch die AfD im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt zurückgewiesen. Im Entwurf ihres Wahlprogramms hatte die Partei eine inhaltliche Nähe zu "Freikirchen, Baptistengemeinden und orthodoxen Kirchen" angedeutet. Der Evangelische Pressedienst (epd) hat die Bundesverbände der Freikirchen und einzelne Gemeinden in Sachsen-Anhalt um Stellungnahme gebeten. Die Antworten fielen recht unterschiedlich aus: Neben viel Widerspruch vor allem auf Bundesebene gab es lokal auch Zustimmung für die rechte Partei, die in Umfragen vor der Landtagswahl im September derzeit deutlich vorn liegt.

Die AfD hatte in ihrem Programm behauptet, sie greife "die Kirchensteuerkirchen an, denn die großen Kirchen schaden dem Glauben". Die Partei plant demnach, die Staatsleistungen für Kirchen "ohne weitere Kompensation" einzustellen sowie den Kirchensteuereinzug über Finanzämter zu beenden, wenn sie in Regierungsverantwortung sei. Hingegen würde laut AfD in "Freikirchen, Baptistengemeinden und orthodoxen Kirchen" ein Glauben praktiziert, der eine von der Partei angestrebte "kulturelle Wende" unterstützen würde.

Widerspruch auf Bundesebene

Die Verbände mehrerer Freikirchen auf Bundesebene wiesen den Versuch zurück, als Freikirchen von der AfD vereinnahmt zu werden. Stattdessen würden sie "das gute ökumenische Miteinander mit den Landeskirchen sehr schätzen", sagte der Sprecher des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Michael Gruber. Auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen widerspreche den Spaltungsbemühungen und dem Schlechtreden einzelner Kirchen, sagte deren Sprecher Konstantin von Abendroth.

Pastorin Kate Weishaupt von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Halle (Saale) betonte: "Die AfD hat nicht das Recht, unseren Namen für ihre politische Agenda zu verwenden." Die methodistische Pastorin ergänzte: "Ich finde es falsch, dass die AfD das Christentum als Plattform nutzen will, während der Rest ihrer Politik den Lehren und dem Beispiel Jesu widerspricht."

Kritik der AfD an Kirchen

Einer der Hauptkritikpunkte der AfD Sachsen-Anhalt an Landeskirchen und Diakonie ist deren Haltung zur Migrationspolitik. So behauptete die AfD, dass Kirchenasyl "gegen geltendes Recht" verstoße. Laut Programmentwurf will eine mögliche AfD-Landesregierung deshalb prüfen lassen, "ob das Vermitteln oder Gewähren des Kirchenasyls den Anfangsverdacht der Anstiftung oder Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt erfüllt". Zudem werde man "der Asyl- und Integrationsindustrie den Geldhahn zudrehen", wozu die Partei auch die von einer "Regenbogenideologie" geleiteten Landeskirchen zählt.

Vor Ort Verständnis für AfD

Inhaltliche Überschneidungen zwischen Positionen der AfD und eher konservativen Freikirchen gibt es durchaus. So sagte der Gemeindeleiter der Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Dessau-Roßlau, Mario Herzog, dass sich die beiden großen Kirchen "völlig der Welt angepasst" und "ihre biblische Grundlage verlassen" hätten. Mittlerweile seien sie "sogar Vorreiter bei der Zerstörung biblischer Werte geworden", sagte Herzog. Die "Ehe für alle" sei da nur ein Beispiel unter vielen, ergänzte der Baptist aus Dessau.

"Auch wenn wir nicht in allen Belangen mit der AfD übereinstimmen, so müssen wir feststellen, dass sie die einzige Partei ist, die überhaupt noch konservative Werte vertritt", ergänzte Herzog. Deswegen begrüße seine Gemeinde "ausdrücklich die Erklärung der AfD, die Privilegien der Kirchen abzuschaffen", sagte der Gemeindeleiter.

Auch der Gemeindeleiter der charismatisch-pflingstlerischen Korngemeinde in Dessau-Roßlau, David Hofmüller, verwies auf ein negatives Bild, was die "Landeskirchen als Organisationen" vermitteln würden. Ihm begegneten immer wieder "Gläubige und Suchende", die "irritiert" seien, dass ihnen in den Landeskirchen häufig "nicht die Lebensfragen, die sie bewegen, beantwortet werden." Insofern könne er auch "die Kritik der AfD an den Großkirchen in unserem Land nachvollziehen", sagte Pfingstler Hofmüller.

epd

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Thomas Nawrath

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