Jenaer Student möchte ersten Roman veröffentlichen
Gott aus der Maschine

Arne Fritzsching  | Foto: Constanze Alt

Arne Fritzsching ist 22 Jahre alt und studiert an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im sechsten Semester Bio und Sozialkunde auf Lehramt.

Von Constanze Alt

Für seinen Roman „Deus Ex Machina“ sucht er gerade einen Verleger. Mit stilistischer Brillanz, scharfer Analyse und einem Herzensblick sowohl für das Göttliche als auch für das Menschliche hat er sich an ein brisantes und aktuelles Thema gewagt: an die innere Zerrissenheit und teilweise harte Stigmatisierung, mit der homosexuelle Christen, gerade in Teilen des ländlichen Raums und gerade auch im Pfarramt klarkommen müssen.

Fritzsching entwickelt das Thema am Beispiel des erdachten Charakters Hannes Gumbel. Er ist evangelischer Pfarrer im ländlichen Sachsen, 32 Jahre alt. Und er ist homosexuell. Traumatisiert durch den drei Jahre zurückliegenden Selbstmord seines Lebenspartners Jona, der an starken Depressionen litt, gerät Hannes selbst in eine seelische und berufliche Krise. Nach längerem Psychiatrie-Aufenthalt übernimmt er wieder eine Gemeinde. Und verliebt sich dort in Levi, den Kantor.

„Das Buch hat zwei Kernthemen: Zum einen die Auseinandersetzung mit Homophobie im kirchlichen Kontext, zum anderen Hannes’ Versuch, den Weg zurück in den Pfarrberuf zu finden“, sagt Fritzsching. Wie Hannes, der Protagonist seines Romans, stammt auch er aus Sachsen und ist als Mitglied der Evangelischen Studierendengemeinde in Jena fest im Glauben verankert.

Sein Roman handelt in dem Landstrich Sachsens, der in einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung in Anlehnung an jene Region im Süden der USA als „Bible Belt“ bezeichnet wird. Laut Studie seien Teile des Erzgebirges und des sächsischen Vogtlandes geprägt durch eine nahezu wörtliche Bibel-Auslegung.

Und in jenem erzgebirgischen "Bible Belt" sei der Beschluss der 26. Landessynnode von 2012, nach dem einzelnen homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern, die in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft sind, unter bestimmten Bedingungen ein Zusammenleben mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner gestattet werde, auf teils vehementen Widerstand gestoßen, merkt Fritzsching an.

Während in den großen Städten und auf kirchlicher Leitungsebene Toleranz und Offenheit vorherrsche, gelte in der Region, in der Fritzschings Roman handelt, noch vielfach der Imperativ aus dem Levitikus: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau“.

„Deus Ex Machina“ (griechisch wortwörtlich: „Gott aus der Maschine“) hat Arne Fritzsching seinen Roman genannt. Der Begriff bezeichnet ein literarisches Mittel, bei dem eine unerwartete, quasi göttliche Macht eine scheinbar ausweglose Situation löst. Ob dies für Hannes Wirklichkeit werden kann? Wir dürfen gespannt sein.

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