"Diese Aufgabe ist viel zu groß"

Herzliche Einladung: Landesbischof Friedrich Kramer hat bei seiner Predigt die Arme weit ausgebreitet. "Lasst uns daran arbeiten, dass Menschen Lust haben, aus dem Tod ins Leben zu treten".
  • Herzliche Einladung: Landesbischof Friedrich Kramer hat bei seiner Predigt die Arme weit ausgebreitet. "Lasst uns daran arbeiten, dass Menschen Lust haben, aus dem Tod ins Leben zu treten".
  • Foto: Viktoria Kühne
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Frisch, fromm, fröhlich: Der Predigt zu seiner Einführung hat Landesbischof Friedrich Kramer die Berufung und Aussendung der Jünger Jesu aus Matthäus 10 zu Grunde gelegt.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, Christus Jesus. Amen.

Diese Aufgabe ist viel zu groß für mich. Das ist nicht zu schaffen.
Diese Aufgabe ist viel zu groß auch für Dich.
Diese Aufgabe ist viel zu groß für uns mitteldeutsche Kirche. ((Hört selbst:

[Matthäus 10.1 ff.]
Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und er sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht nicht in eine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch.))

Das ist viel zu groß, dieser Auftrag: Kranke heilen, Tote auferwecken, Aussätzige rein machen und Dämonen austreiben. Wir hatten mit all den anderen Ideen und unseren Vorhaben eigentlich schon genug zu tun, und jetzt noch diese großen Aufgaben. Und davor die Aufforderung: Geht aber! Und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen:

Wohin schickt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger? Zuerst zu den Schafen aus dem Hause Israel. Israel gehört das Heil zuerst. Es ist das erwählte Volk, aus dem auch der Jude Jesus kommt. Er schickt seine Nachfolger zuerst zu seinem Volk. Wir halten fest, was wir lange in unserer Theologie falsch gesehen haben: Zuerst gehört das Heil und das Himmelreich den jüdischen Schwestern und Brüdern Jesu, und das gilt bis heute. Ihre Erwählung gilt und wird von Jesus bestätigt.

Welche Aufgaben mutet Jesus seiner Jüngerschaft zu:

1. Tote auferwecken – Wir bekennen im Glaubensbekenntnis, dass wir an die Auferstehung der Toten glauben, und ich glaube daran. Aber dass wir als die, die ihm nachfolgen, Tote auferwecken sollen, ist eine Zumutung. Zwei Gedanken, wie dies gelingen kann:

Als der verlorene Sohn sich sein Erbe auszahlen lässt und es in der Fremde durchbringt und dann zurückkehrt, da sagt sein Vater: Er war tot und nun ist er wieder lebendig. – Heimkehr zu Gott, Rückkehr zur Mutter Kirche, das ist Totenauferweckung. Darum laden wir jede und jeden ein, zurückzukommen. Wir sind die einzige ‚Ex‘, die sich freut, wenn Sie wiederkommen.
Und was ist da alles möglich. Jedes Jahr sind es Tausende, die in unserem Land in die Gemeinschaft zurückfinden, die zum Vater zurückkehren. Lasst uns daran arbeiten, dass Menschen Lust haben, aus dem Tod ins Leben zu treten, und dabei kommt es auf jeden Einzelnen an.

Eine andere wundervolle Totenauferweckung findet überall da statt, wo wir Musik der alten Meister spielen und singen. Und auch der neuen. Wo beschriebenes Papier zu lebendiger Musik zu Tönen wird, wo sich die Erfahrung der Alten mit unserem Atem mischt und in wundervoller Resonanz unsere Herzen lebendig werden lässt. In unseren Chören und an unseren Orgeln, mit Posaunen, an den E-Gitarren und unseren Schlagzeugen werden Tote auferweckt und das Leben gefeiert. Und das sollten wir fröhlich weiter so machen.

2. Die zweite Aufgabe lautet: "Macht Kranke gesund."
Die Hauptkrankheit, die zur Zeit wie eine Seuche um sich greift, ist die ICH-Sucht. ICH, ICH. ICH! Wenn es nicht so gemacht wird, wie ich es will, ist es schlecht, undemokratisch. Ich zuerst. Amerika zuerst. Deutschland zuerst. Diese Verkrümmung des Menschen, der nur noch auf sich sieht, nennt die christliche Tradition Sünde. Sie macht unsere Gesellschaft kaputt, wenn der Egoismus dazu führt, dass wir die Grundlagen der Erde und unseres Lebens zerstören, wenn wir das vielfache Lob der Schöpfung töten und ausrotten mit unserer Gier nach mehr. Wir brauchen dringend einen Kulturwandel zu einer Haltung des Genug und zu einer Solidarität mit den Mitgeschöpfen. Soziale und ökologische Gerechtigkeit. Lasst uns fröhlich daran mitarbeiten und lasst unsere Kirchen Krankenhäuser sein zur Heilung dieser Krankheit.

Eine andere Krankheit ist die Blindheit. Wie blind sind wir für das, was Gott uns täglich schenkt: die Großartigkeit der Schöpfung und die viele Gnade. Wir sind blind und sehen nur unsere inneren Bilder, die einer herannahenden Katastrophe, dass wir zu kurz gekommen sind. Lasst uns in unsren Kirchen diese Blindheit heilen.
Es gibt so viele Krankheiten: Zum Beispiel die Taubheit, die verhindert, dass wir die sanfte Stimme Gottes hören, die uns zum Frieden ruft. Und die uns alle Argumente, warum Rüstung und Waffen nötig sind, einfach zu Staub zerfallen lässt.
Oder die Lahmheit. Es heißt: Geht und predigt das Reich Gottes. Und nicht: Bleibt und wartet.
So viele Krankheiten, eigentlich eine Angelegenheit, die jede Woche Heilung verlangt. Unsere Kirchen stehen offen, kommt!

3. Die dritte Aufgabe heißt: Macht Aussätzige rein. Dieses Krankheitsbild bestimmt heute nicht unsere Ausgrenzungen, Quarantäne leuchtet ein, aber nicht auf immer. Wir aber stempeln unsere Nächsten ab und erklären sie zu Aussätzigen. Die Ausgrenzung ist eine zu tiefst menschliche Sozialtechnik, um die eigene Gruppe zusammenzuhalten. In den Sozialwissenschaften gibt es dafür einen Begriff, der kompliziert klingt, aber sehr präzise ist: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Nur weil Du zu der Gruppe der Flüchtlinge, nur weil Du zu einer bestimmten Ethnie gehörst, nur weil Du Christ, Jude oder Muslim oder weil Du lesbisch oder schwul oder transgender bist, wirst Du ausgegrenzt und als Aussätziger behandelt. Du sollst nicht dazugehören. Macht Aussätzige rein, heißt zu allererst, diese Ausgrenzungen überwinden. Auch die harten Ausgrenzungen im Politischen. Es kommt auf jeden Einzelnen an, und jeder ist auch so anzusehen. Als Christen sind wir aufgerufen, die Ausgegrenzten mitten in die Gesellschaft zu holen. Christus hat dies vorgelebt, wenn er mit Zöllnern, Sündern und Huren und anderen Ausgegrenzten zu Tisch saß. Macht Aussätzige rein, geht auf die Ausgegrenzten zu. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, denn er ist wie du. Lasst uns Aussätzige rein machen.

4. Dämonen austreiben ist die letzte der von Christus genannten Aufgaben. Damit können die meisten wohl am wenigsten anfangen, obwohl wir zur Zeit das Toben der Dämonen weltweit erleben können. Die dämonischen Gedanken des Antisemitismus, des Nationalismus, des Rassismus greifen immer wieder um sich. Die Dämonen nehmen Besitz von einem Menschen, und wir alle haben das schon erlebt, dass ein netter und kluger Mensch plötzlich mit verändertem Blick Dinge erzählt, die nicht aus seinem Kopf kommen, sondern die von ihm Besitz ergriffen haben. Dämonen erkennt man in der Bibel immer daran, dass sie laut und aggressiv sind. Und dass man mit ihnen nicht argumentieren kann. Dabei geht es nicht darum, bestimmte politische Positionen zu dämonisieren, aber Dämonen kann man nur durch klare und harte Ansprache austreiben: Fahre aus! Lasst unsere Kirchen Häuser sein, in denen Dämonen ausgetrieben werden.

5. Kranke heilen, Tote auferwecken, Aussätzige rein machen und Dämonen austreiben. Was für eine unschaffbare Aufgabe. Die ist wirklich zu groß für mich, zu groß für Dich und zu groß für unsere mitteldeutsche Kirche. Aber vor unseren Aufgaben steht der Satz: Geht und predigt: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Durch diese Verkündigung werden Kranke gesund, Tote lebendig, Aussätzige rein und Menschen von Dämonen befreit. Aber wir müssen diesen Anspruch, diese Aufgaben nicht aus unserer kleinen schwachen, kleingläubigen Kraft bewältigen. Sondern es heißt: Gab er ihnen Macht! Christus gibt uns Macht, dies zu tun. Es ist seine Macht und nicht unsere Kraft. Er spricht uns zu, dass er uns die Macht geben wird. Wir sollen nicht zu ängstlich und ungläubig zum Reich Gottes vorangehen, sondern uns von ihm schicken lassen.

Die Aufgabe ist für uns zu groß, aber für Christus ist sie nicht zu groß. Er schickt uns und hat uns die Macht gegeben, große Dinge zum Lobe Gottes zu tun.
Niemand lasse also den Glauben daran fahren, dass Gott mit ihm eine große Tat will.
Nun also kräftig geglaubt und frisch ans Werk!

Amen.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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