Predigttext
Werkzeug wider Willen
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Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Jeremia 1, Verse 4-5
Oje, denkt Jeremia. Denen, die schon so lange auf der schiefen Bahn wandeln, dass sie vergessen haben, was ein aufrechter Gang ist, sagen: Ihr lauft schief.
Von Kristin Jahn
Keiner bekommt für solche Kritik Applaus. Jeremia weiß das. Aber das ist es nicht, was ihn abhält, einfach loszugehen und Gottes Wort dem Volk anzusagen. Jeremia fühlt sich zu jung. „Die werden mich nie akzeptieren!“ „Das muss dir egal sein“, sagt Gott, „geh, ich will mit dir sein. Du bist jung und unverbraucht, du hängst nicht im Filz der Geschichte. Du wolltest nicht zurück an die Fleischtöpfe Ägyptens. Dir war der Magen nicht näher als das Herz. Du hast dich nicht gemein gemacht mit den Götzen der Zeit. Du kannst sagen, was Sache ist. Geh und erinnere sie an mich!“
Gott ist machtlos in seiner Liebe, und er nimmt sich einen Machtlosen zum Sprachrohr. Jeremia weiß um seine Unvollkommenheit. Er stellt sich nicht über andere. Er stellt andere vor Gott. Wischt ihnen den Staub von der Seele. Erinnert sie an den, der sie hineingeliebt hat in dieses Leben. An die erste Liebe. An die Freude, mit Gott alles zu wagen: in der Wüste, im Angesicht der Bedürftigkeit. „Macht euch nicht zu Sklaven anderer, ihr seid frei, erwartet das Beste auch im Angesicht der eigenen Schwäche. Denn Gott sorgt für uns.“ Prophetenworte.
In einer Welt, in der so oft über andere hergezogen wird, fällt Jeremia wohltuend auf. Wen Gott zu seinem Werkzeug macht, der weiß um seine eigenen Unzulänglichkeiten; findet das rechte Wort zum Unrecht mit der Hoffnung auf eine andere Zeit. Der schlägt mitten in der Wüste meines Scheiterns ein Zelt für mich auf: Kehr um, kehr ein. Gott will unser Helfer sein. Auf dass wir durch die Wüste gehen und sehen unsre Herzen in ihm blühen.
Die Autorin ist Pfarrerin und Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
Autor:Online-Redaktion |
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