Rezension
Starke Stücke der Bibel neu formuliert

Staunen, Dankbarkeit, Angst, Verzweiflung, die Sehnsucht nach Gott – all diese Gefühle und Regungen sind in den Psalmen verdichtet. Entstanden vor etwa 2500 bis 3000 Jahren, berühren uns die Lieder und Gebete bis heute. Sie belegen, wie die Menschen zu biblischen Zeiten mit Gott sprachen, an ihm verzweifelten, nach ihm suchten.

Von Sabine Kuschel

Der Theologe Reiner Knieling, Leiter des Gemeindekollegs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands in Neudietendorf, hat sich intensiv mit den Psalmen beschäftigt. Dabei habe er die Erfahrung gemacht, dass sich Bibelworte öfter zu Wort melden und in verschiedenen Situationen Verschiedenes sagen. „Diese Worte haben ihre Kraft auch in meinem Leben entfaltet“, schreibt Knieling in seinem Buch „Kraftworte“. Darin formuliert er Psalmen und einige andere Texte der Bibel, „starke Stücke“, wie er sie nennt, neu. Der Autor hat die uralten Worte in eine Sprache übertragen, die das heutige Lebensgefühl und die heutige Art zu reden und zu schreiben aufnehmen. „Nicht mit dem Anspruch, die Qualität biblischer Psalmen zu erreichen. Vielmehr mit dem Anliegen, gegenwärtiges Erleben zum Gebet werden zu lassen. Im Geist der alten und kraftvollen Gebete.“
Es lohnt sich, parallel zu seinen Stücken die entsprechenden Bibeltexte zu lesen und die Varianten miteinander zu vergleichen. Das Loblied auf den Schöpfer von Psalm 8 beispielsweise klingt in Knielings Übertragung so: „Deine Energie flutet das Universum / Alles geht aus dir hervor / Überall wirst du verehrt.“
In Anlehnung an Psalm 73 formuliert er: "Ich schaue auf andere / die es besser haben als ich / die reicher sind / und glücklicher / vielleicht / Die gut reden können / vor allem über sich selber."
In Psalm 90 steht die Ewigkeit Gottes der Vergänglichkeit des Menschen gegenüber. Diese Erkenntnis wird bei Knieling zu der Bitte: "Lass uns das Vergängliche achten und unsere Grenzen/ Lass uns lernen/ was Gegenwart ist/ und den Moment kostbar macht."
Das Buch lädt dazu ein, die eigenen Resonanzen auf die uralten Texte wahrzunehmen, eigene Erfahrungen mit ihnen zu verbinden, und dabei die Kraft dieser Worte zu entdecken. Die Anregung des Autors, die Psalmen selbst neu in Worte zu fassen, ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Interessant und anregend aber ist die Lektüre der Neuschöpfungen im Vergleich mit den alten Texten allemal.

Knieling, Reiner: Kraftworte. Psalmen neu formuliert, adeo-Verlag, 160 S., ISBN 978-386334-293-7; 15,00 Euro

Autor:

Online-Redaktion

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