Wort zur Woche
Herrlich alltäglich

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1, Vers 14b

Die Kalender sind noch leer, die guten Vorsätze frisch – gleichzeitig prasseln Nachrichten auf uns ein, die alles andere als „herrlich“ wirken. Krise hier, Unsicherheit dort.

Von Jörg Bachmann

In diese Stimmung hinein klingt das Wort für den 2. Sonntag nach Weihnachten: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes.“ Der Satz stammt aus dem Prolog des Johannesevangeliums. Kurz davor heißt es: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ Gottes Herrlichkeit zeigt sich nicht in Blitz und Donner, nicht im Erfolg und auch nicht im perfekten Leben, sondern in einem Menschen: Jesus. Ein Kind in einer Futterkrippe, ein Wanderprediger, der mit leidet, der seine Hände an die Wunden anderer legt. Herrlichkeit – das ist bei Johannes die strahlende Nähe Gottes, seine Liebe, Treue und Gnade mitten im Alltag. „Wir sahen seine Herrlichkeit“ – das ist die Erfahrung der Jüngerinnen und Jünger, die mit Jesus unterwegs waren.

Aber es ist auch eine Einladung an uns am Jahresanfang: Wo habe ich im vergangenen Jahr etwas von dieser Herrlichkeit gesehen? Vielleicht in einem guten Wort zur rechten Zeit. In einem Krankenhauszimmer, in dem Ruhe und Trost einkehrten. In Menschen, die nicht nachtreten, sondern vergeben. In der Erfahrung: Ich bin nicht allein. Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringt. Aber wir gehen nicht „herrlichkeitslos“ hinein. Christus bleibt derselbe. Seine Gegenwart ist nicht immer spektakulär, aber sie ist verlässlich.

Ein Vorsatz könnte sein: aufmerksam werden für Spuren seiner Herrlichkeit. Ein inneres oder echtes Notizbuch, in das ich eintrage, wo ich Gnade, Wahrheit, Liebe entdecke – bei mir, in anderen, in meiner Gemeinde. Mein Wunsch ist, dass wir seine Herrlichkeit sehen – gerade dort, wo wir sie nicht vermutet hätten. Und dass diese Begegnungen uns verändern: hin zu mehr Vertrauen, mehr Mut und mehr Liebe.

Der Autor ist Pfarrer i. R., Kriebitzsch.

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Jörg Bachmann | Foto: J. Bachmann
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