Umbau vor 50 Jahren
Die Lutherkirche zu Tambach
- Lutherkirche Tambach
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Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Diesmal geht es um einen Sakralbau in Tambach-Dietharz in Thüringen im Landkreis Gotha, der vor rund 50 Jahren dank kräftiger Geldspritze aus dem Westen eine umfangreiche Umgestaltung erlebte.
Die Lutherkirche zu Tambach mit ihrem Ursprung im Jahr 1350 ist nicht nur namentlich mit dem Reformator verbunden – tatsächlich war Martin Luther dort: Ende Februar 1537 suchte er sie auf, als er auf dem Rückweg von Schmalkalden in Tambach rastete. Die dortige medizinische Behandlung soll ihm Linderung verschafft haben: Die schmerzhaften Harnsteine, die ihm auf der Reise nach Schmalkalden zur Unterzeichnung der Schmalkaldischen Artikel zu schaffen gemacht hatten, lösten sich nach einem Fußbad.
Das Gotteshaus wurde 1684 und 1842 bei Bränden beschädigt, die massiven Mauern des Kirchenschiffes und der untere Teil des Kirchturms sind bis heute erhalten. Das Zimmer im Erdgeschoss des Turms hat ein Kreuzgratgewölbe.
Die heutige Kirche wurde 1844 geweiht. Der Kirchturm ist in der heutigen Form im Jahr 1861 entstanden, 1883 wurde er wegen der Aufhängung schwererer Glocken umgebaut. Nach Beschädigungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde die Kirche vom Schwamm befallen.
Jüngere Vergangenheit
Für Sanierung und Umgestaltung des Gotteshauses stellte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – ansässig damals in der anderen Hälfte des geteilten Deutschlands – 520.000 D-Mark bereit, damit daraufhin aus einem Kirchenbauprogramm in der DDR 520.000 DDR-Mark für Bauleistungen zwischen 1973 und 1975 an dieser Kirche verwendet werden konnten.
Mit dieser stattlichen Finanzspritze konnte in jener Zeitspanne das historische Kirchenschiff umfangreich umgestaltet werden – nach Plänen des Architekten Klaus Kaufmann, einem Architekten der damaligen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen.
Kaufmann teilte es horizontal – er ließ eine zweite Ebene einziehen, um so ausreichend Fläche zu gewinnen mit Platz im Untergeschoss für das Gemeindezentrum mit Gemeinderäumen und im Obergeschoss für den Kirchsaal – ähnlich wie in der Kirche Herrenhof.
Impuls-Stätte für theologische Neubesinnung
Im Jahr 1919 hielt der Theologe Karl Barth aus der Schweiz in den Gemeinderäumen der Kirche zu Tambach seine „Tambacher Rede“. Sie wurde zu einem Impuls für die theologische Neubesinnung in der protestantischen Kirche Thüringens. Einer der Räume im Gemeindezentrum ist deshalb nach Karl Barth benannt, weitere Räume tragen die Namen von Martin Luther, Bonifatius und Meister Eckhart.
Übernachten in der Kirche
Im jahrhundertealten Kirchturm gibt es ein kleines, gemütliches Zimmer für Übernachtungsgäste. WC und eine Küche sind im Untergeschoss des auch als Herbergskirche genutzten Gotteshauses nutzbar. Die Dusche ist im nahe gelegenen „Haus des Gastes“ erreichbar. Das besondere Kirchturmzimmer bietet Gelegenheit, die zahlreichen Tageseindrücke zu reflektieren und eine behütete Nacht unter einem geheiligten Dach zu verbringen.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tambach-Dietharz#Sehenswürdigkeiten, dort auch Verzeichnis der Autoren; Textnutzung entsprechend Creative Commons CC BY-SA 4.0
https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenbauprogramme_in_der_DDR
https://herrbergskirchen.org/de/herrbergskirchen-erleben/lutherkirche
Autor:Holger Zürch |
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