Predigttext zum Sonntag
Er kennt meinen Weg

Horst Leischner, Pfarrer der St. Jakob- Gemeinde Köthen
  • Horst Leischner, Pfarrer der St. Jakob- Gemeinde Köthen
  • hochgeladen von Mirjam Petermann

Aber gehe ich nach Osten, so ist er nicht da; gehe ich nach Westen, so spüre ich ihn nicht.
Hiob 23, Vers 8

Es ist dramatisch: Hiob leidet und braucht Hilfe. Er ist verzweifelt und kämpft mit sich selbst und mit Gott: Warum lässt er das zu? Warum lässt er mich leiden? Wie kann ich das alles ertragen?
Der Bibelabschnitt führt uns seine Situation drastisch vor Augen. Hiob weiß, dass Gott da ist und er vertraut ihm, aber er kann ihn nicht spüren. Er zweifelt nicht an Gott, doch er ist verzweifelt. Sein Leben ist aus den Fugen geraten.

Eine solche Situation ist mir in den letzten Tagen auch begegnet. Ich habe eine schwerkranke Frau im Hospiz begleitet. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren, waren öfter im Gespräch. Manchmal trafen wir uns auf dem Marktplatz und unterhielten uns im Stehen. Nach Veranstaltungen in der Kirche blieben wir zurück und saßen auf einer Kirchenbank.

Dann stand sie plötzlich vor der Pfarrhaustür. Sie erzählte mir von ihrer schweren Krankheit und dass es keine Heilung mehr gibt. Sie war schwach, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Beim Abschied bat sie mich um einen Besuch im Hospiz. In den nächsten Tagen machte ich mich dorthin auf den Weg. Wir saßen lange Zeit schweigend nebeneinander, nach einiger Zeit brachen die Worte aus ihr heraus: Warum ich? Warum trifft mich die schwere Krankheit? Warum lässt Gott das zu?

Ihre Fragen hat sie an mich, an sich selber und als Klage an Gott gerichtet. Vor der Zeit im Hospiz hatte die Frau noch gehofft, im Januar ihren 50. Geburtstag feiern zu können. Für die Feier hatte sie schon Ideen.
Ich fühlte mich an Hiob erinnert. Unendlich viele Fragen und keine Antwort. In ihrer Verzweiflung und dem Kampf gegen den Tod war die Frau für mich wie der leidende Hiob.

Auf meine Frage, ob ich ein Gebet sprechen darf, antwortet sie: „Wenn es was bringt.“ Wir haben gebetet und das „Vater unser“ gemeinsam gesprochen. Die Frau hatte in ihren letzten Tagen viele Freunde und Begleiter in ihrer Nähe. Sie war nicht allein, konnte Beistand und Trost erfahren. Gott war auf ihrem letzten Weg bei ihr.
Im Bibeltext bei Hiob begegnet uns der Satz: „Er kennt meinen Weg gut.“ Daraus lese ich, dass Gott bei Hiob ist. In aller Not und in seinem Kampf ist Gott sein Lebensfundament. Gott ist auf dem schweren Leidensweg bei ihm. Darauf, dass Gott meinen Weg gut kennt, vertraue auch ich. 
Horst Leischner

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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