Wort zur Woche
Die Suppe reicht für alle
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Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden
im Reich Gottes. Lukas 13, Vers 29
Was für eine Aussicht! Gäste kommen von nah und fern und aus allen Himmelsrichtungen. Ist das nicht großartig? Heiligabend war so ein Moment: volle Kirchen wie sonst das ganze Jahr über nicht. Zugleich empfindet es mancher als Bedrohung oder Zumutung.
Von Matthias Keilholz
Die einen stöhnen: „So viele? Um die muss ich mich ja auch kümmern. Das überfordert mich.“ Die anderen nehmen es gelassen, mit einer Prise Humor und Pragmatismus: „Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen!“ Wobei Gott gewiss kein Wasser zur Suppe gießen muss – er lädt jeden Menschen ein, seine Fülle zu entdecken und zu genießen.
Seine Tür steht weit offen. Jesu Worte klingen nach Psalm 107,3. Der Psalmbeter hat die Erlösten vor Augen, die Gott „aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.“ Ohne den Bezug zu den Himmelsrichtungen drängt sich mir zugleich das Bild auf, das der Prophet Jesaja malt und in dem „alle Heiden herzulaufen“ und viele Völker „zum Berg des Herrn hinaufgehen“ (Jesaja 2,1-5).
Die erste Abordnung, an die ich in der ausgehenden Weihnachtszeit denke, waren die Weisen, die „Heiligen Drei Könige“. Sie kommen und beten Jesus an und bringen ihre Geschenke. Und ihnen folgen viele, die durch die Apostel eingeladen werden. Petrus und anderen fiel es gar nicht so leicht, die Tür wirklich so weit zu öffnen.
Aber dann gab es kein Halten mehr, und die Einladung Gottes umrundete in nicht einmal einem Jahrhundert das ganze Mittelmeer. Heute sitzen überall auf der Welt Menschen am Tisch Gottes und leben die Gemeinschaft als Christen miteinander – Zeichen von Gottes Reich, das schon mitten unter uns ist. Zum Ausblick, den Jesus gibt, ist es da nicht mehr weit. – Ist unser Herz weit genug, die Menschen aus Ost und West, Nord und Süd, aber auch die manchmal Fremden aus unserer Nachbarschaft willkommen zu heißen?
Der Autor ist Pfarrer in Lutherstadt Wittenberg.
Autor:Online-Redaktion |
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