Abschied von Cornelia Füllkrug-Weitzel
Streiterin für die Menschen des Südens

Cornelia Füllkrug-Weitzel bei einem Gottesdienst im Dezember 2020
  • Cornelia Füllkrug-Weitzel bei einem Gottesdienst im Dezember 2020
  • Foto: epd-bild/Thomas Lohnes
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«Nur Cornelia, um es einfacher zu machen.» Die Präsidentin von «Brot für die Welt» stellte sich bei Reisen in die Länder des Südens oft ganz unprätentiös vor, denn sie wusste, dass ihr Nachname Füllkrug-Weitzel für viele schwer auszusprechen ist.

Von Mey Dudin und Elvira Treffinger

Über 20 Jahre widmete sich die energische Theologin dem Kampf gegen Armut – im Spagat zwischen großer Politik und geduldiger Kleinarbeit in den Dörfern Afrikas und Asiens. Dass Menschen Hunger leiden müssten, sei ein Skandal, der Kampf dagegen «Sisyphos-Arbeit», sagte sie. Nun verabschiedete sich die 65-Jährige in den Ruhestand.

Seit 2000 stand Füllkrug-Weitzel an der Spitze des inzwischen größten evangelischen Hilfswerks in Europa. Regelmäßig reiste sie in ferne Länder, informierte sich über das Schicksal syrischer Flüchtlinge in Jordanien, diskutierte mit indischen Umweltschützern Zukunftsstrategien und sprach mit Dorffrauen über deren neue Herde. «Im Mittelpunkt der Solidarität stehen die Menschen», sagte Füllkrug-Weitzel. Jeder Einzelne solle in seinen Fähigkeiten zum Handeln gestärkt werden: Hilfe zur Selbsthilfe ganz praktisch.

Doch immer wieder werden Fortschritte durch neue Probleme wieder zunichte gemacht: Wegen des Klimawandels geht es in manchen Regionen inzwischen nur noch darum, das Sterben von Menschen und Tieren zu verhindern. Immer mehr Länder schränken Hilfsorganisationen zudem massiv ein, lokale Helferinnen und Helfer werden eingeschüchtert, bedroht oder inhaftiert.

In der Corona-Pandemie warnte Füllkrug-Weitzel vor neuen Hungersnöten, pochte auf eine gerechtere Verteilung von Impfstoff und machte auf die verschärfte Notlage von Frauen mit gewalttätigen Partnern aufmerksam. «In Zeiten von Covid-19-Lockdowns toben Männer rund um den Erdball ihre Frustrationen in häuslicher Gewalt von ungekannter Massivität aus», sagte sie. Sie schätzt ein ehrliches Wort und gilt als Vielarbeiterin, die auch ihrem Umfeld einiges abverlangt.

Am 12. Mai 1955 in Bad Homburg im Taunus geboren, studierte sie Theologie, Politik und Erziehungswissenschaften in Tübingen und Berlin. Danach war sie unter anderem am Berliner Missionswerk und als Menschenrechtsreferentin der EKD tätig. Der Blick über den Tellerrand war der früheren Sportschwimmerin immer wichtig. So baute sie das weltweite Netzwerk christlicher Hilfswerke, Act Alliance, mit auf. Der Kampf gegen Hunger, Armut und Unterdrückung ist für sie ohne politische Veränderungen nicht denkbar. Der Wegzug des Diakonischen Werkes der EKD, in dem «Brot für die Welt» angesiedelt ist, aus Stuttgart fiel ihr leicht. Sie freute sich auf Berlin, wo es zur Fusion mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst kam.

Für Überraschung sorgte Füllkrug-Weitzel, als sie 2013 in das Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück eintrat. Ihre Leitungsämter bei «Brot für die Welt» ließ sie ruhen, als sie im Wahlkampf gegen den damaligen Entwicklungsminister Dirk Niebel antrat. Dass sie doch nicht Ministerin wurde, sondern CSU-Mann Gerd Müller, schien Füllkrug-Weitzel zu verschmerzen. Ihren Ausflug in die Politik bezeichnete sie dennoch als spannend, weil sie am Koalitionsvertrag mitschreiben konnte.

Müller dankte ihr zum Abschied für das langjährige Engagement: «Cornelia Füllkrug-Weitzel ist seit Jahrzehnten eine unermüdliche Kämpferin für Menschen in Armut, Hunger und Not», erklärte er und äußerte sich zuversichtlich, dass sie als «Mitstreiterin für eine gerechte und friedliche Welt» aktiv bleiben werde. «Solche mutigen und kompetenten Verantwortungsträger sind nötiger denn je.»

(epd) 

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