Lebenswendefeier statt Konfirmation
"Unsere Sprache kann eine Barriere sein"

In der Pubertät ändert sich für junge Menschen so viel“, sagt Isabella Schmiedgen. Da brauche es ein Ritual, das die Jugendlichen von dem einen Lebensabschnitt in den anderen begleitet. Schmiedgen ist Gemeindepädagogin und organisiert in Jena gemeinsam mit der Diakonin Katja Kropfgans und dem katholischen Pfarrer Stephan Riechel Lebenswendefeiern.

Von Beatrix Heinrichs

Seit 25 Jahren gibt es das Angebot in Thüringen. Es versteht sich als Alternative sowohl zu Konfirmation und Firmung als auch zur Jugendweihe. Etabliert hat es der damalige Erfurter Dompfarrer und heutige katholische Weihbischof Reinhard Hauke. Über die Thüringer Landeshauptstadt hinaus sind die Lebenswendefeiern inzwischen zu einem "Exportschlager" geworden. Neben Jena gibt es das Format für konfessionslose Jugendliche auch in Halle, Magdeburg, Dessau und Köthen. Ein Blick auf die Teilnehmerzahlen zeigt, dass sich die Idee in Mitteldeutschland großer Beliebtheit erfreut. Spitzenreiter ist Halle, wo sich 2016 allein 600 Jugendliche anmeldeten. Am Stammort in Erfurt hatte es vor der Pandemie über 80 Anmeldungen gegeben, berichtet der katholische Pfarrer Michael Neudert, der hier für die Feier zuständig ist. In diesem Jahr seien es über 50 Jugendliche, die sich für dieses besondere Ritual entscheiden.

Die Attraktivität läge Neudert zufolge in dem "Wertevertrauen", das gerade die Eltern der Idee entgegenbrächten. "Die Familien wünschen sich für ihre Kinder einen Rahmen, der ihre Vorstellungen widerspiegelt und trägt. Mit dem Konzept der Lebenswendefeiern fühlen sie sich gut aufgehoben." Die Treffen seien freiwillig, der Umgang miteinander persönlicher und das Ritual selbst viel individueller.

In Jena, wo sich unter dem Motto "Next Level" im vergangenen Jahr eine erste Gruppe zusammengefunden hat, gestalten die Jugendlichen das Fest ganz nach ihren Wünschen. Doch ohne Symbole, Texte und Musik wird auch ihre Feier nicht auskommen, weiß Schmiedgen. Drei Jungen und drei Mädchen sind es, die am 11. Juni in der Friedenskirche gemeinsam mitfeiern – mit Orgelmusik, Kerzen und Segen. Zudem gibt es eine Ansprache von Diakonin Katja Kropfgans. Und auch die Eltern werden einbezogen. "Ähnlich wie bei einer Fürbitte werden sie ihren Kindern Wünsche mit auf den Weg geben", berichtet Schmiedgen. "Unser Anliegen ist es, Menschen zu begleiten", sagt sie. Mission spiele dabei keine übergeordnete Rolle. "Glaubensinhalte sprechen wir zwar nicht direkt an, dennoch schwingen sie mit – durch unsere Grundhaltung, die christlich geprägt ist." Im Fokus stünde eher die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, betont die Gemeindepädagogin. Dafür würden Vorbilder oder "Werte-Anker" im Freundeskreis oder familiären Umfeld gefunden. "Man kann auch ein ganzes Jahr über Gott reden, ohne das Wort selbst zu sagen", meint Schmiedgen. "Sprache kann eine Barriere sein – gerade für Jugendliche. Wir übersetzen die christliche Botschaft in Zusammenhänge, die sie verstehen."

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Online-Redaktion

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