Pro und Kontra
Vernachlässigt die Kirche die Mission?

Den beiden Volkskirchen läuft das Volk davon. Sie verlieren jährlich Hunderttausende Mitglieder. Allein aus den evangelischen Landeskirchen traten im vergangenen Jahr etwa 270000 Personen aus. Das sind rund 22 Prozent mehr als 2018. Laut EKD lagen Taufen (160000) und Aufnahmen (25000) etwa auf dem Niveau von 2018. Da stellt sich die Frage nach den Ursachen. Vernachlässigt die Kirche die Mission? Dazu äußern sich zwei Missionsexperten.

Pro: Faktoren behindern Mission

Der Pfarrer an der Stadtkirche in der Lutherstadt Wittenberg, Alexander Garth, nennt eine Reihe von Faktoren, die Mission behindern und verhindern. So gebe es in weiten Teilen der EKD eine „beschädigte Christologie“. Sie reduziere Jesus auf das gerade Denkbare und könne mit fundamentalen Glaubensinhalten kaum etwas anfangen, etwa dass Jesus für die Sünde des Menschen gestorben und leiblich auferstanden ist. Die Christologie ist aber seiner Meinung nach das Herzstück des Glaubens: „Kein missionarischer Aufbruch mit einer reduktionistischen Christologie.“
Laut Garth geht es in der einladenden Verkündigung zumeist darum, „dass die Leute Kirche gut und relevant finden sollen“. Die Menschen aber fänden Kirche nicht toll. „Wir haben Jesus zu verkündigen. Er ist die Faszination der Kirche“, so der Theologe.
Ein weiterer Fehler sei, dass es um Werbung statt Mission gehe. Mission sei aber keine Werbung für eine Sache oder Institution, sondern der Ruf in die Nachfolge Christi: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“

Kontra: Viele kreative Aufbrüche
Die Gegenposition vertritt der Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD), Hans-Hermann Pompe. Die hohe Zahl der Kirchenaustritte sei eine enorme missionarische Herausforderung. Er räumt ein, dass es viel Scheu vor Mission gebe – aus Angst, Unklarheit und Trägheit: „Aber anderen Versagen vorwerfen?“
Er freue sich lieber an vielen kreativen Aufbrüchen in der evangelischen und anderen Kirchen, „die Menschen auf gemeinsame geistliche Reisen hin zu Christus mitnehmen“, so Pompe.
Da gebe es etwa Kurse zum Glauben, frische Formen von Gemeinde oder neue Präsenzen im Internet – und auch Taufen oder Eintritte: „Gott sei Dank.“ Wo Mission aufgerechnet oder bilanziert werde, drohten Leistungsdenken oder Resignation.
Wo Erfahrungen mit dem Evangelium zu Mission inspirierten, habe Kirche Zukunft: „Denn im Auftrag Jesu gründet ihre Freiheit.“ Pompe ist auch Theologischer Referent der Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi).
(idea) 

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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