Freitag, vor eins ...
Unsere Seite 1 - Geschichten auf Tabakkarton und Toilettenpapier

G+H Nr. 28 (12. Juli 2020)

„Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben." Zwei Sätze wie ein Augenzwinkern, die Oscar Wilde seiner Gwendolen Fairfax in "The Importance of Being Earnest" da in den Mund legt - und so wahr: Was könnte spannender sein als ein Stück "Alltagsprosa"? Das Deutsche Tagebucharchiv im baden-württembergischen Emmendingen sammelt die privaten Aufzeichnungen - und erhält Forschungsanfragen aus der ganzen Welt.

Rund 20.000 unveröffentlichte Tagebücher, Erinnerungen und Briefe aus 250 Jahren hat das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen nahe Freiburg zusammengetragen. Das kleinste Tagebuch des Bestands misst gerade einmal wenige Zentimeter, das schwerste bringt zehn Kilo auf die Waage. Eine 65 Meter lange Funkerrolle, die mit Farbzeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg bedeckt ist, zählt ebenso zur Sammlung wie Brigade-Tagebücher aus dem DDR-Arbeitsalltag. Geschrieben werde mit Stift oder Feder, Kuli oder Tinte, auf Bütten- und Toilettenpapier, selbst ein Tabakkarton habe schon als tägliches Journal gedient, berichtet Marlene Kayen, Vorsitzende des Vereins «Deutsches Tagebucharchiv». Tagebücher erzählen Geschichte von unten - und sind gerade deshalb auch für die Wissenschaft von großem Interesse. Jedes Jahr erhält das Archiv mehr als 200 Forschungsanfragen aus aller Welt. 1998 gegründet engagieren sich heute rund 100 ehrenamtliche Mitarbeiter im Verein. Sie sortieren, archivieren und transkribieren mit dem Ziel, "den Alltag normaler Menschen zu dokumentieren", wie es Kayen formuliert.

In diesem Jahr dürften sicher auch einige Corona-Tagebücher zur Sammlung hinzukommen. Von Entschleunigung wäre da wohl genauso zu lesen wie von ganz besonderen Herausforderungen. Vor eben diesen standen in den letzten Wochen und Monaten insbesondere Familien mit behinderten Kindern. In der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung lesen Sie mehr über die derzeitige Situation in den Behinderten-Werkstätten und erfahren, wie Eltern diese Aufgabe bewältigt haben. Gute Lektüre!

Unsere Themen:

  • Neustart ohne Normalität: Die wegen der Corona-Pandemie verhängten Betretungsverbote für Behinderten-Werkstätten sind aufgehoben, die meisten Beschäftigten wieder am Arbeitsplatz. Die Krise aber ist nicht durchgestanden.
  • Die Glaubenskrise: Die Kirche schrumpft und muss sich für die Zukunft neu ausrichten. Im November soll die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dazu wegweisende Beschlüsse fällen. Präses Irmgard Schwaetzer erläutert, welche Ideen dazu auf dem Tisch liegen. 
  • Darunter die Erinnerung: Der Prager Wenzelsplatz ist zurzeit erfüllt von Baulärm: Arbeiter reißen das Kopfsteinpflaster heraus. Und entdecken dabei, dass der alte Bodenbelag nicht nur aus gewöhnlichen Pflastersteinen bestand. 

Sommerinterview: 

  • Doppelte Herausforderung: In der Corona-Krise musste Claudia Geiken die schwerstbehinderte Tochter Cäcilie auch tagsüber Zuhause betreuen. Iris Pelny hat die dreifache Mutter getroffen.

Kirche vor Ort:

  • Mehr Pep durch Pop: Im Rahmen der C-Ausbildung am Kirchenmusikalischen Seminar der EKM in Halle startet im September ein neuer einjähriger Vollzeitstudiengang mit vielfältigen Ausbildungsangeboten. 
  • Missbrauch und Gewalt: Seit über 25 Jahren hilft der Kinderund Jugendschutzdienst »Tabu« Kindern und Jugendlichen in Not. Die Sozialpädagoginnen setzen auf Prävention – und Grenzen.
  • »Bunte Stifte«: Unter diesem Namen rief die Evangelische Stiftung Neinstedt zu Beginn des Jahres die neue interdisziplinäre Frühförderstelle ins Leben. Durch die Corona-Krise bedingt, konnte sie nun mit drei Monaten Verzögerung die Arbeit mit den Kindern in Thale aufnehmen.

Neugierig geworden?

Lesen Sie wöchentlich Reportagen und Berichte aus den Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts, aus Deutschland und der Welt und erfahren Sie mehr über Hintergründe zu gesellschaftlichen Debatten und zu Glauben im Alltag. Die Mitteldeutsche Kirchenzeitung „Glaube + Heimat“ erhalten Sie als E-Paper und als gedruckte Ausgabe im Abonnement, in ausgewählten Buchhandlungen und Kirchen.

Leserreisen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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