Freitag, nach eins ...
Unsere Seite 1 - Applaus, Gebet und "Bella Ciao"

G+H Nr. 12 vom 22. März 2020

Tag vier. Seit Dienstag sind in Thüringen die Schulen und Kindergärten geschlossen. In unserer Nachbarschaft sind die jungen Familien daheim, jonglieren zwischen Kinder, Küche, Computer. Und obwohl das Wetter in dieser Woche so herrlich war, wollte es sich einfach nicht einstellen, dieses Campingplatzgeräusch. Kennen Sie es auch? 

Es ist typisch für die ersten warmen Tage im Frühling. Wenn die Sonne die Kinder nach draußen zieht. Bei uns im Dorf ist es die Wiese am Ende der Straße, auf der es plötzlich wuselt wie in einem Ameisenhaufen. Dann kann man den Frühling nicht nur sehen und riechen - man kann ihn hören: Fußbälle werden geschossen, Kinder lachen, Fahrradklingeln läuten, einer ruft "Foul". Und mittendrin der Hund der Nachbarn, der bellt und  schwanzwedelnd eine Frisbee jagt. Dieser akustische Frühlingsanfang blieb aus in diesem Jahr. Auf der Wiese kein Kindergetummel, es ist ganz schön ruhig in unserer kleinen Straße.  Das Campinglatzgeräusch macht offenbar Corona-Ferien. 

Was also tun gegen die Stille? Vielleicht müssten wir es machen, wie die Italiener, die allabendlich Balkontüren und Fenster öffnen, applaudieren oder beherzt das Partisanenlied "Bella Ciao" anstimmen.  Damit zeigen sie nicht nur ihre Solidarität für alle, die jetzt arbeiten müssen: für Schwestern, Pfleger und Ärzte, die Beschäftigten im Einzelhandel, für alle Helfer, die für andere im Einsatz sind. Sie machen sich auch gegenseitig Mut und signalisieren: Wir sind verbunden. Eine coole Aktion, die sich über die Sozialen Netzwerke in Windeseile verbreitete. Längst wird auch in anderen europäischen Städten zu Fenster-Flashmobs, Gesang, Applaus und Gebet aufgerufen.

Unter dem Hashtag "Balkonsingen“ will auch die EKD ein Zeichen setzen. Täglich um 19 Uhr sind Menschen dazu eingeladen,  auf Balkonen, an geöffneten Fenstern und in Gärten das Kirchenlied „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Auch in der EKM beteiligen sich Gemeinden und Pfarrer an der Aktion. Im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld singt Superintendent Johannes Haak heute Abend mit seiner Frau am offenen Fenster. Das Ehepaar wohnt direkt neben dem Klinikum in Hildburghausen. Mit ihren Liedern wollen die Haaks Mut machen und Zuversicht schenken. Wir werden berichten.

Apropos Zuversicht: Das Motto unserer diesjährigen Fastenserie haben wir in dieser Woche zum Schwerpunkt unserer gesamten Ausgabe gemacht. Auch wenn Gottesdienste derzeit nicht in den Kirchen gefeiert werden können: Es gibt zahlreiche kreative Ideen in den Gemeinden, um gemeinsam Andacht zu halten, zu beten und zu singen. Wir haben die Angebote für Sie zusammengetragen.

Gute Lektüre!

Unsere Themen

  • Die Seelsorge und das Virus: Wegen der Corona-Krise sind plötzlich digitale Angebote gefragt. Die Kirchen reagieren darauf.
  • Zuversicht schenken: Das will ein engagierter Kreis von Erfurter Christen. Und zwar an Frauen, die als Prostituierte arbeiten. Eine Reportage von Paul-Philipp Braun.
  • Quiz-Pastor: Als erster Kandidat bei Günther Jauch hätte er zwei Millionen Euro gewinnen können. Mit 750 000 ging der Hallesche Pastor Lukas Gotter nach Hause. Was er mit dem Geld vorhat, erklärt er im Interview.

Geistige Erbauung

  • Digitale Verkündigung: Von Podcast, über Online-Gebetsbegleitung bis zur Seelsorge via Telefon – wir haben alle Angebote zusammengetragen.
  • Wort zur Woche: Klinikselsorgerin Dorothea Knetsch aus Weimar über Besonnenheit, Hände waschen und Gottvertrauen
  • Predigtext: Ronald Höpner, Pfarrer der Landgemeinde Quellendorf erklärt, warum wir Grund zu Freude haben – trotz Corona-Krise.

Neugierig geworden?

Lesen Sie wöchentlich Reportagen und Berichte aus den Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts, aus Deutschland und der Welt und erfahren Sie mehr über Hintergründe zu gesellschaftlichen Debatten und zu Glauben im Alltag. Die Mitteldeutsche Kirchenzeitung „Glaube + Heimat“ erhalten Sie als E-Paper und als gedruckte Ausgabe im  Abonnement, in ausgewählten Buchhandlungen und Kirchen.

Raus aus der Nische
Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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