Jahrestag in Magdeburg
Gedenken an Weihnachtsmarktanschlag
- Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt legten am 21.12.2024 viele Menschen Blumen am Eingang der St.-Johannis-Kirche in Magdeburg nieder.
- Foto: epd-bild/Maike Glöckner
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Der Weihnachtsmarktanschlag vom 20. Dezember 2024 in Magdeburg hat eine große Wunde bei den Betroffenen gerissen. Zum Jahrestag laden Stadt und Kirchen zum Gedenken an die Toten, Verletzten und Betroffenen ein.
Magdeburg (kna/red/epd). Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Johanniskirche beginnt am Samstag um 11 Uhr das offizielle Gedenken für die Toten, Verletzten und Betroffenen des Magdeburger Weihnachtsmarktanschlags vom 20. Dezember 2024. Kirchen und Stadt haben eingeladen, um „an die sechs Menschen, die bei dem Angriff vor einem Jahr aus dem Leben gerissen wurden und an die hunderten Verletzten“ zu erinnern, teilte der Evangelische Kirchenkreis Magdeburg mit. Der Gottesdienst soll im MDR-Fernsehen live übertragen werden.
Die Predigt hält der Bischof des katholischen Bistums Magdeburg, Gerhard Feige. Eine Botschaft zum Jahrestag sei, dass Gemeinschaft, Empathie und Sensibilität zentrale gesellschaftliche Werte seien, betonte der katholische Bischof in Magdeburg Gerhard Feige. "In der Not rücken die Menschen zusammen, helfen einander, sprechen miteinander. Leider lässt das im Alltag oft wieder nach. Aber in diesen Momenten wird sichtbar, was möglich ist."
Trauerprozesse dauerten lange, betonte der Magdeburger Bischof. Man solle das Geschehene nicht verdrängen, sondern die Erinnerung daran zulassen. Allmählich könne so auch neue Zuversicht wachsen. "Beides gehört zusammen: die Erinnerung an den Schrecken und die Erinnerung daran, wie Menschen füreinander da sein können." Feige nannte es zugleich tragisch, dass der Anschlag gerade von "rechten Kräften" instrumentalisiert worden sei.
"Schwieriger Balanceakt"
Auf die Frage, wie er die Entscheidung bewertet, den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr doch stattfinden zu lassen, sagte der Bischof, er sei da eher unschlüssig. "Natürlich muss man versuchen, nach einer solchen Tat nach und nach zur Normalität zurückzufinden, ohne dabei das Leid der Betroffenen zu vergessen. Das ist ein schwieriger Balanceakt."
Der Bischof erinnerte sich, wie er vor einem Jahr am späten Abend eine SMS seines ehemaligen Fahrers und seiner Frau bekommen habe. "Sie waren mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, als der Täter durch die Menschenmenge raste. In der SMS schilderten sie, wie plötzlich überall Menschen schrien, Verletzte am Boden lagen und eine Oma verzweifelt ihren Enkel suchte." Sie selbst hätten Prellungen erlitten. "Diese Nachricht hat das Geschehen auf einmal ganz nah herangerückt."
Glocken läuten um 19.02 Uhr
Um 17.30 Uhr soll in der Johanniskirche eine Gedenkveranstaltung für die Betroffenen, Angehörige und geladene Gäste stattfinden. Dazu erwartet werden auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (beide CDU). Das Gedenken wird im MDR-Fernsehen und auf einem Großbildschirm vor der Kirche übertragen.
Ab 18.30 Uhr soll um den Alten Markt eine Lichterkette gebildet werden, ehe um 19.02 Uhr die Glocken der Stadt für zwei Minuten ein Gedenkgeläut anstimmen. Um diese Uhrzeit hatte der Anschlag am 20. Dezember 2024 stattgefunden. Dabei war ein in Sachsen-Anhalt lebender Arzt aus Saudi-Arabien mit dem Auto über den Weihnachtsmarkt gerast und hatte sechs Menschen getötet und Hunderte Personen verletzt. Der mutmaßliche Täter steht seit Mitte November in Magdeburg vor Gericht.
Autor:Online-Redaktion |
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