Arbeitszeitkonferenz in Neudietendorf
Freier Sonntag und Teilzeitdebatte
- Im Rahmen der Konferenz tauschten sich die Teilnehmenden auch zum Thema Arbeitsschutz aus.
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Die Allianz für den freien Sonntag hat bei einer Fachkonferenz in Neudietendorf über den aktuellen Stand des Sonntagsschutzes und die Entwicklung moderner Arbeitszeitmodelle debattiert. Neben der rechtlichen Einordnung standen die Initiative für eine Thüringer Arbeitskammer sowie die wirtschaftlichen Hintergründe von Teilzeitbeschäftigung im Fokus der Beratungen.
Von Paul-Philipp Braun
Schon 2007 äußerte sich der damalige EKD-Ratsvorsitzende, Wolfgang Huber, in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit klar und unmissverständlich zum Verbot der Sonntagsarbeit. Damals hatten die Evangelische Kirche und die katholischen Bistümer gemeinsam Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht erhoben, um den Sonntag als Feiertag weiterhin besonders schützen zu können.
Das Gericht folgte der Argumentation der Kirchen und definierte in seinem Urteil von 2009 den Sonntag im Sinne der deutschen Verfassung als Tag der „Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“.
Am 3. März, dem Internationalen Tag des freien Sonntags, feierten Gewerkschaften und Kirchen daher auch gemeinsam das Jubiläum zu 20 Jahren Sonntagsallianz mit einem Festakt. Zwei Tage später kamen im Zinzendorfhaus in Neudietendorf rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Personalvertretungen sowie Gewerkschaften zusammen, um über Arbeit, Arbeitsschutz und Werkzeiten zu diskutieren. Im Rahmen der zwölften Arbeitszeitkonferenz hatte die Sonntagsallianz sowie der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Austausch eingeladen.
Thüringer Arbeiterkammer und Zusammenhalt
Für Frank Fehlberg, Verantwortlicher für KDA in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), ist die inzwischen Tradition gewordene Arbeitszeitkonferenz in Thüringen mittlerweile ein Erfolgsmodell geworden. „Wir bringen hier alle an einen Tisch und sprechen so über die Zukunft“, erklärt er und berichtet von dem Erfolg der Konferenz 2025.
"Die Sonntagsgestaltung ist keine rückwärtsgewandte, nostalgische Sache, sondern eine Zukunftsfrage." Wolfgang Huber
Damals war im Rahmen der Tagung die Idee einer Arbeitskammer, ähnlich dem österreichischen Prinzip der Arbeiterkammer aufgekommen. „Als die Ministerin bei der diesjährigen Konferenz ein Grußwort hielt, griff sie die Idee noch einmal auf und berichtete, dass der Gedanke auch bei ihr im Haus weitergedacht wird“, berichtet Fehlberg von den Plänen der Thüringer Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD). Sie habe die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts hervorgehoben, ließ jedoch auch Raum für die Diskussion über zeitgemäße Arbeitszeitmodelle und die spezifischen Rahmenbedingungen in Thüringen.
Dennoch waren, so lässt sich am Rande der Konferenzworkshops vernehmen, nicht alle Anwesenden mit den Aussagen der Sozialdemokratin einverstanden. Insbesondere die fehlende Unterstützung für die Freiheit des Sonntags fiel nicht unbedingt auf fruchtbaren Boden. Dass diese aber für die Teilnehmer - unabhängig von politischem und persönlichen Hintergrund - unumstößlich ist, zeigte sich im Rahmen der Workshops aber ganz klar. So wünschte sich beispielsweise ein Vertreter der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung aus Bayern, dass auch stärker über die Konsequenzen von Wochenendarbeit nachgedacht werde. Arbeitsrechtsanwalt Friedrich Kühn betonte wiederum, dass häufig der rechtlich notwendige Sachgrund für eine Beschäftigung am Sonntag fehle und Claudio Kullmann, Leiter des Katholischen Büros in Thüringen bezeichnete die „Aufweichung der Sonntagsarbeitszeit“ als ein „falsches Zeichen“.
Einzelhandel in der Teilzeit-Debatte
Neben dem freien Sonntag standen allerdings auch Arbeitsschutz und der Umgang mit Arbeitszeiten im Fokus des Vernetzungstreffens. So waren sich die Teilnehmer etwa einig, dass der aktuell diskutierte Begriff der „Lifestyle-Teilzeit“ nicht nur irreführend, sondern in fast allen Fällen falsch sei. So berichtete eine Vertreterin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, dass sie nicht einen Fall dieser Praxis kenne. Auch Johanna Kaufmann, Gewerkschaftssekretärin für Handel, unterstützte diese Argumentation und berichtete, dass rund 64 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel in Teilzeit angestellt seien. Eine Entwicklung, die laut Kaufmann insbesondere mit den wirtschaftlichen Interessen vieler Handelskonzerne zu tun habe.

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