Verlorene Glocke nach 84 Jahren zurück
Von der Elbe zurück an die Wipper
- Die Glocke der St. Johanniskirche in Nohra
- Foto: Ruth Stamm
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Die mehr als 80 Jahre lang verschollene Glocke aus der Kirche St. Johannis in Nohra im Kirchenkreis Südharz ist am 12. September wieder in den Kirchturm zurückgekehrt. Die Kirchengemeinde feierte ihre kleine "Wundergeschichte", wie sie Kirchenkreissprecherin Regina Englert nennt, mit einem Umzug durch den Ort, und einem Glockenfest mit Andacht im Kirchgarten.
Das im Jahr 1503 gegossene Geläut war während des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1942 beschlagnahmt worden. Weil Rohstoffe für die Rüstungsindustrie benötigt wurden, griff man, wie bereits zuvor im Ersten Weltkrieg üblich, auf die Kirchenglocken zurück, deren Metall vielfach eingeschmolzen wurde.
Davon blieb die Nohraer Glocke verschont. Nach den Wirren des Krieges aber konnte sie nicht mehr eindeutig zugeordnet werden. Wie sich erst jetzt herausgestellte, lagerte sie jahrzehntelang unerkannt als Teil eines Glockenlagers auf dem Johanniskirchhof in Magdeburg. Erst durch eine Anfrage im Stadtrat, zahlreiche, akribische Recherchen und die Erfahrung von Sachverständigen konnte ihre Herkunft entschlüsselt werden.
Die Inschrift „Sankt Johannis – Anno domini MCCCCCIII – Hilf got maria berot“ führte zurück nach Nohra. Die Formulierung sei laut Experten typisch für das untere Eichsfeld und die angrenzenden Regionen und passe auch zeitlich zur fehlenden Glocke der Johanniskirche, so Regina Englert. Zudem füge sich die Glockenkrone exakt in das bestehende Holzjoch des Glockenstuhls.
Diese Erkenntnis war ausschlaggebend, sodass die Glocke ihren Heimweg einmal quer durch Mitteldeutschland, von der Elbe zurück an die Wipper, antreten konnte.
Bereits im vergangen Jahr, zum Tag des offenen Denkmals, konnte die Glocke der Johanniskirche nach Nohra zurückgebracht werden. Bevor sie wieder in den Kirchturm einziehen konnte, wurde sie in Kölleda restauriert. Im Rahmen der Arbeiten erhielt sie einen neuen Klöppel und eine moderne Lagerung.
Die Kirchengemeinde hat die Kosten für Transport und Sanierung in Höhe von insgesamt 25 000 Euro mit 10 000 Euro Spenden, 10 000 Euro vom Kirchenkreis Südharz, 2000 Euro aus dem Glockenfonds der EKM und 3000 Euro Eigenmittel bereitgestellt.
(red)
Autor:Online-Redaktion |

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