Notfallseelsorge
Pfarrer geht zur Polizei

Ulrich Matthias Spengler

Nach über zwölf Jahren im Pfarrbereich Bad Berka (Kirchenkreis Weimar) zieht es Ulrich Matthias Spengler nach Meiningen. Dort wird der 55-Jährige für die Konzeption des berufsethischen Unterrichts an den Bildungszentren der Thüringer Polizei tätig sein. Beatrix Heinrichs hat mit ihm gesprochen.

Herr Spengler, neben dem Dienst in der Gemeinde waren Sie viele Jahre auch in der Notfallseelsorge in der Region Weimar tätig. Welche Erfahrung wird Ihnen bei Ihrer neuen Aufgabe hilfreich sein?
Ulrich Matthias Spengler:
Da zuletzt auch die Polizeiseelsorge in Weimar zu meinen Aufgaben zählte, hatte ich schon einmal die Gelegenheit, bei einem Einsatz dabei zu sein. Es war eine Kundgebung der AfD auf dem Jenaer Markplatz, zu der auch Gegendemonstranten kamen. Hier habe ich erleben können, was die Männer und Frauen leisten. Die Polizei, die da war, um das Versammlungsrecht zu schützen, agierte gewissermaßen „zwischen den Fronten“, mussten Trommel- und Trillerpfeifenchöre über sich ergehen lassen und sah sich sogar Anfeindungen ausgesetzt. Diese Menschen brauchen einfach Ermutigung.

Dafür ist persönlicher Kontakt unabdingbar. Wie lässt sich Polizeiseelsorge in der Pandemie gestalten?
Es gibt Hygienekonzepte. Und manche Gespräche kann man auf Distanz oder am Telefon führen – auch da kann Nähe und Vertrauen entstehen. Aber Begegnungsräume zu schaffen, ist in der Seelsorge entscheidend. Die Menschen müssen mich schon einmal gesehen oder von mir gehört haben. Kennen Sie nur meine Telefonnummer, melden sie sich vermutlich nicht.
Gespräche entstehen über Präsenz. Ist der Kontakt erst einmal hergestellt und wird als hilfreich empfunden, kann das Kreise ziehen. Als Seelsorger sind wir in der Verantwortung, dieser Aufgabe so gut wie möglich gerecht zu werden. Ein solches Gespräch kann Türen öffnen.

Kirchentüren?
Ich sehe die Polizeiseelsorge nicht als Missionsfeld an. Das wäre nicht aufrichtig. Dennoch steht für mich fest: Dort, wo ich hinkomme, komme ich als Pfarrer. Ich möchte authentisch sein.
Aber nicht jeder Polizist ist Christ. Welche Rolle spielt der Glaube in Ihren Seelsorgegesprächen?
Für viele ist es hilfreich, mit einem Pfarrer zu reden. Allein schon weil es die Menschen beruhigt, dass sie sich auf das Beichtgeheimnis verlassen können. Ich versuche, die angesprochenen Themen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und zu verbinden. Dabei bringe ich auch ein, was mir mein Glaube bedeutet. Über das Seelsorgegespräch kann sich Kirche positiv einbringen. Es ist die gelebte frohe Botschaft.

Autor:

Beatrix Heinrichs aus Jena

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