Anhalter Kreuz
Mit Mikrofon, Grillzange und Autoschlüssel

Wolfgang Mendel  | Foto: Uwe Kraus

Er hat die Mikrofonanlage in der Ballenstedter St. Nicolaikirche konzipiert und ist in fast jedem Gottesdienst der verantwortliche Tontechniker. Viele Jahre hat er mit für die Heizung der Kirche gesorgt. Wolfgang Mendel fuhr Mädchen und Jungen zu ihren Kindercamps, half beim Auf- und Abbau bei Kinderfreizeiten, man kennt ihn als Betreuer oder Koch.

Von Uwe Kraus

Er fuhr die Laienspielgruppe zu ihren Auftritten bis hin in die Partnerstadt Kronberg.

Der Mann, der seit 1993 ununterbrochen engagiertes Mitglied im Gemeindekirchenrat St. Nicolai Ballenstedt ist, baute Schränke und Regale im Kinderbereich des neuen Gemeindehauses ein und renovierte die Raume des „Christlichen Creativ Centrums David“. Was Mendel von Beruf ist? Bäcker hat er gelernt, aber lange Jahre in der Technik-Abteilung der Lungenklinik gearbeitet.

„Ich bin ein Ballenstedter Urgestein“, stellt Wolfgang Mendel fest. „Hier in der Stadt geboren, da gab es sogar noch eine Entbindungsstation.“ Seine Frau Claudia, langjährige Gemeindepädagogin im Kirchenkreis Ballenstedt der Evangelischen Landeskirche Anhalts, sagt, Wolfgang sei ihr Held. „Ohne ihn hätte ich das nie geschafft“, sagt die Frau, die von 1995 bis 1998 eine Ausbildung als Gemeindepädagogin absolviert hat. „Das war schon ein Spagat, schließlich hatten wir vier Kinder zu Hause. Ohne Wolfgangs Rückenstärkung wäre das nicht gegangen. Wir haben nicht nur die Theatergruppe gegründet und das Christliche Creativ Centrums aufgebaut. Dazu habe ich Religion unterrichtet.“

Er und seine Frau sind nicht typisch landeskirchlich aufgewachsen, empfingen wichtige Impulse aus der Ökumene. 1989 erfuhr das Paar auch eine persönliche Wende. Sie hatten 1982 standesamtlich geheiratet, sieben Jahre später, am 1. Weihnachtsfeiertag, erlebten sie ihre kirchliche Trauung. Damit habe alles irgendwie begonnen. Sie engagierten sich beim Krippenspiel. „Schon damals war Wolfgang immer da, wenn es etwas zum Anpacken gab“, sagt seine Frau. Mitte der 1990er Jahre gründete das Ehepaar einen Hauskreis mit. Er nahm 1995 an einer Reise teil, die ihn zusammen mit dem damaligen Pfarrer Herbert Pfautsch bis nach Seoul (Südkorea) zu einem internationalen Gemeindeaufbaukongress führte. Das brachte neuen Geist für die Ballenstedter Gemeinde. Aus dem Hauskreis wuchs unterdessen ein kleiner regelmäßiger Gebetskreis. Die Mendels hätten einst nicht gedacht, dass man früh um 5 Uhr zum Beten gehen kann. Schnell erfuhren sie aber aus eigenem Erleben die Wirkung auf den eigenen Glauben, so wie die Gemeinde. „Es bewegt etwas.“

Am Reformationstag empfing Wolfgang Mendel in Bobbau das Anhalter Kreuz. „Das verleihen wir jährlich an Ehrenamtliche, um ihre Arbeit und ihre Projekte zu würdigen“, sagt der Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalts, Karsten Wolkenhauer, und betont, dass Ehrenamt heute zu einem noch wichtigeren Bestandteil von Kirche wächst. „Ohne engagierte Menschen wären viele Angebote nicht denkbar. Wer würde helfen, den Gemeindebrief zu verfassen, im Gemeindekirchenrat mitzuwirken oder Kirchen zu öffnen?“

Wolfgang Mendel und seine Frau bedauern, dass sie nicht all das, was sie in den vergangenen Jahrzehnten in der Gemeinde erlebten, niedergeschrieben haben. Ob ökumenische Familienwandertage, das jährliche Osterfrühstück mit bis zu 100 Personen oder das Schlagen und Aufrichten der Weihnachtsbäume – Wolfgang Mendel Ist nach wie vor für jede praktische Tätigkeit ansprechbar.

Schmunzelnd erinnert er sich, als er mit Anderen bei 40 Zentimeter Schneehöhe den Weihnachtsbaum für die Kirche geschlagen hat. „Die Kirche ist ja ziemlich hoch. Wir haben den Baum genau zwei Handbreit unter die Kirchendecke gezirkelt.“ Das klingt wieder so, wie der Träger des Anhalter Kreuzes unterwegs ist: als Anpacker und Techniker.

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Uwe Kraus

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