Geschichte einer unerwarteten Rückkehr
Die Kripo auf dem Friedhof
- Kriminalhauptkommissar René Allonge (r.) mit Eigentümer Klaus Partheil vor den Sandsteinskulpturen
- Foto: Uwe Kraus
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"Gießkannen-Tüllen, Grabschmuck, Bänke oder Buntmetall, das wird auf dem Friedhof öfter gestohlen, aber der Diebstahl von zwei Sandsteinfiguren von einer Grabanlage aus dem Jahr 1787, das ist schon hochkriminell", stellt der Zerbster Pfarrer Albrecht Lindemann fest.
Von Uwe Kraus
Er freut sich mit dem Eigentümer der Grabanlage, dem Zerbster Metallbaumeister und Diplomgestalter Klaus Partheil, dass im Berliner Landeskriminalamt die Zuordnung des Diebesgutes nach Zerbst gelang.
"Das ist natürlich für uns toll. Es ist eine schöne Geschichte, die man erzählen kann und nicht eine Fehlstelle, die erklärt werden muss." 13 Jahre dauerte es, bis im Mai 2025 die Figuren von der Grabanlage auf dem Frauentorfriedhof in Zerbst von der Berliner Polizei zugeordnet und bei einer Diebes- und Hehlerbande sichergestellt werden konnten. "Wir haben nicht mehr damit gerechnet. Die Figuren kommen wieder auf den Sockel, auf jeden Fall," so Klaus Partheil, der außerdem vor 40 Jahren das Tor des Frauentorfriedhofs schuf. Zuvor sollen sie noch untersucht, gesichert und danach wieder fest verankert werden. Die Anlage gehört der Familie in zehnter Generation.
"Das gehört zu den positiven Seiten des Polizistenberufes, solche Herzensangelegenheiten zu klären", freuen sich René Allonge und seine Stellvertreterin Katharina Neuendorf vom Dezernat Kunstdelikte des Landeskriminalamtes Berlin.
Bei einer Razzia im Mai haben die Beamten zahlreiche Kunstgegenstände sichergestellt, darunter Bronze- und Steinskulpturen sowie eine Vielzahl historischer Zäune. Die Täter hatten seit Jahren auf Friedhöfen, meist im Norden Deutschlands, alles Stehlenswerte an Kunst mitgenommen, um es gewinnbringend zu ver-äußern.
Der Gesamtwert der entwendeten Gegenstände beläuft sich auf mehr als 400 000 Euro, so Kriminalhauptkommissar Allonge (laut Anklageschrift 411 343 Euro). Die Berliner Staatsanwaltschaft hat am dortigen Landgericht Anklage gegen drei Deutsche erhoben und ihnen 74 Taten vornehmlich in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und auch im Zerbster Fall nachgewiesen." Der kunsthistorische und emotionale Wert wie in diesem Fall lasse sich schwer beziffern.
Kriminalhauptkommissarin Katharina Neuendorf verwies im "G+H"-Gespräch darauf, dass vor allem für historische Zaunanlagen noch die rechtmäßigen Eigentümer gesucht werden. René Allonge unterstreicht, dass durchaus Privatinteresse an sakraler Kunst bestehe. So gab es möglicherweise direkte Auftragsdiebstähle. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin betont, dass neben 100 Kilogramm schweren Kirchenglocken und mehreren Jesusfiguren durchaus auch bekannte säkuläre Werke wie eine Ernst-Thälmann-Bronze-Plastik und Prof. Heinrich Drakes "Liegende" zur Beute gehörten.
Autor:Uwe Kraus |
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