Wort zur Woche
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.
2. Korinther 6, Vers 2

Von Thomas Begrich, Oberkirchenrat i. R., Magdeburg

In einer alten Familienkiste fand ich einen Stapel von Predigten meines Urgroßvaters. So zwischen 1860 und 1890 geschrieben. Darunter ein Text, den er als junger Pfarrer als Antrittsrede für seinen ersten, altmärkischen Pfarrkonvent verfasst hatte. Er wollte eine alte Tradition wieder beleben: die tägliche Hausandacht in den Familien. Es ist ihm wohl nicht gelungen.
Und wenn ich heute junge – durchaus christliche Familien – besuche, wundere ich mich, dass es kein Tischgebet gibt. Das tun wir nicht, erklärt man mir. Brauchen wir nicht? Haben wir Zeit, unseren Glauben irgendwann zu leben? Reicht es am Heiligabend?
Es sieht so aus, als ob unser Glaube Schritt für Schritt auswandert, kleiner wird. Meine Enkel sind nicht mehr getauft, sagte ein Bekannter resignierend zu mir. Meine Kinder sollen sich später selbst entscheiden, erklärte eins meiner Patenkinder. Und dann?
Jesus erzählte die Geschichte von den klugen und den törichten Jungfrauen, von denen, die kein Öl für ihre Lampen haben und zu spät zur Hochzeit kommen. Man lässt sie nicht ein: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Ist das nicht eine unchristliche Geschichte? Warum erzählt Jesus – ausgerechnet er! – so etwas?
Damit wir lernen: Jetzt, jetzt sollen wir tun, was nötig ist. Jetzt leben wir. Und jetzt stehen wir eben auch in der Verantwortung für das, was wir tun, und das, was wir lassen. Lastet das nun als ein großer Druck auf uns? Weil wir nicht alles schaffen? Sind wir unserem begrenzten Vermögen hilflos ausgesetzt? Warum denn ist Jesus Christus zu uns gekommen?
Darum: Um uns Lasten abzunehmen, die wir nicht tragen können. Wir sind eben nicht für alle und alles zuständig. Gott ist uns gnädig, auch in unserem Unvermögen. Paulus hat das verstanden: Leben in Verantwortung vor Gott ist Leben in seiner Gnade, ist Leben in der Gewissheit des Heils. Heute und nicht irgendwann. Darum hat er diese Erkenntnis in diesen wunderbaren Satz fassen können: Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist die Zeit des Heils.

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