Predigttext zum Sonntag
Nur Mitleid genügt nicht

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Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten,
rief Jesus die Jünger zu sich.
Markus 8, Vers 1

Krisensitzung vor zweitausend Jahren irgendwo in einer einsamen Gegend auf dem Gebiet der Zehn-Städte, der Dekapolis, die im Grenzland des heutigen Jordanien lagen. Drei Tage lang hat Jesus vor einer großen Menschenmenge über das Reich Gottes geredet und offenbar großen Anklang bei der mehrheitlich nichtjüdischen Bevölkerung gefunden. Scharenweise sind sie ihm nachgelaufen, haben sich mitreißen lassen von seiner Botschaft, haben in dieser Zeit den Alltag vergessen. Nun knurrt ihnen der Magen. Viele der geschätzten 4000 Menschen haben einen langen Heimweg vor sich und nichts mehr zu essen.

„Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus an anderer Stelle. Aber er weiß, dass Leib und Seele zusammengehören. Und wenn auch der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht, wie er betont, so lebenswichtig ist es doch, beides zu haben.
Ihn jammert das Volk. Was tun? Mitleid genügt nicht. Aus Steinen Brot machen, wie der Teufel ihm in der Versuchungsgeschichte nahelegt? Ein solches Wunder wäre sicher die schnellste Lösung gewesen und sehr überzeugend.

Dagegen Lagebesprechung mit den Jüngern. Die Bestandsaufnahme ihrer Vorräte ist ernüchternd: sieben Brote und einige Fische. Was soll das bei so vielen bringen! Da kann man leider nichts machen, denken die Jünger. Jesus sieht das offenbar anders, dankt für die Brote, bricht sie und weist die Jünger an, die Brocken zu verteilen. Und da geschieht doch noch ein Wunder. Offenbar nehmen sich etliche ein Beispiel daran, dass hier jemand seine eiserne Ration teilt und zeigen sich gleichfalls solidarisch gegenüber denen, die keinen Bissen mehr in der Tasche haben. Alle werden satt, und es bleibt noch etwas übrig.

Der Hunger in der Welt ist so groß, da wären unsere Spenden und unser Engagement nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denken viele bis heute und kapitulieren vor der Macht des Faktischen. Wir können nicht die Welt retten. Erntedank dafür, dass es wenigstens uns gut geht? Im Sinne Jesus wäre das deutlich zu wenig. Er erwartet von seinen Jüngern, dass sie abgeben von ihren Vorräten, dass sie teilen mit allen, die Hunger haben und Hilfe brauchen. Das sind die Regeln im Reich Gottes.

Christine Lässig, Pfarrerin i. R., Weimar
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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