Wort zur Woche
Nicht Bullerbü, nicht Bahnhof Zoo, aber ein roter Faden

Pfarrer Bernd S. Prigge

Wort zur Woche Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.
Römer 8, Vers 14

Ich bin Kind meiner Eltern. Was ich zumeist in guter Erinnerung habe. Ich bin Kind einer Generation, die gesagt bekommen hat: Ihr seid viel zu viele, und wir brauchen euch eigentlich nicht. Ich bin Kind einer Kirchengemeinde, deren Kirche bald zum Verkauf steht oder sogar abgerissen werden soll (wirklich kein Schmuckstück – aus den 60er-Jahren). Ich bin kein Kind, das sich jemals nach Bullerbü sehnte (habe ich was verpasst?) und Gott sei Dank kein Kind vom Bahnhof Zoo (bin aber sehr froh darüber, dass sich unsere Gesellschaft um diese Kinder bemüht). Für mein Leben prägend war die Leitung einer Jung-schargruppe, als ich mal gerade etwas älter war als die zu betreuenden Kinder. Und ein Jahr in einem Kinderprojekt in Brasilien, wo ich als junger Student trotz mangelnder Sprachkenntnisse Verantwortung tragen musste. Die beste Entscheidung meines Lebens war die Adoption eines Kindes …

Mensch, Kinders, was für Erfahrungen. Ich glaube, dass hinter meinen biografischen Stationen (auch) der Geist Gottes wirbelte. Bei allen Aufs und Abs. Auch als Erwachsener bleibe ich doch immer Kind. Kind Gottes. So sagt es uns die Bibel an verschiedenen Stellen. Die Taufe ist ein sichtbares Zeichen dafür.

Mir liegt nichts ferner, als Kinder zu vergöttern, ihre Spontanität, ihre Unbekümmertheit, ihre Ideen. Kinder sind auch Nervensägen und können kleine Monster sein. Sprechen wir es ruhig mal laut aus. Auch wenn in unserem ziemlich kinderlosen Land jedes Kind zum Prinzen oder zur Prinzessin wird. In der Kindschaft Gottes zu stehen durch den Geist, stelle ich mir als langen, elastischen Faden vor: wir bleiben in Kontakt, wenn auch mal mit weniger oder mehr Abstand, mal deutlich spürbar, mal eher lockerer verbunden, zumindest von meiner Seite … Vielleicht ist Faden auch kein gutes Bild. Er könnte als Leine gedeutet werden. Aber so unfrei fühle ich mich eigentlich nicht, sondern eher in guter Gesellschaft und mit vertrauenswürdigem Background. Auf alle Fälle ist es klasse, zu wissen und gesagt zu bekommen: Ich bin ein Kind Gottes.

Bernd S. Prigge, Augustinerpfarrer, Erfurt

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Online-Redaktion

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