Wort zur Woche
Kleine Werke der Barmherzigkeit
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Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Matthäus 25, Vers 40b
Wer die Kirche St. Elisabeth im Sand in Bamberg betritt, wird sogleich von einem warmen Licht umfangen.
Von Mirjam-Christina Redeker
Aus unzähligen bunten Glasscheiben hat Markus Lüpertz hier Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth mit den sieben Werken der Barmherzigkeit verbunden: Hungrige speisen, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke begleiten, Gefangene besuchen, Tote begraben, Almosen geben. Das achte Fenster ist eine Darstellung unseres Wochenspruchs: Leuchtende Blätter und Blüten bilden ein buntes Ornament, ein farbiges Blütenmeer. Leben in Fülle.
Elisabeth von Thüringen teilte immer wieder Brot an Bedürftige aus. Als ihr Mann sie einmal dabei ertappte, sollen sich die Brote in Rosen verwandelt haben. Blüten über Blüten als Zeichen eines Leben spendenden Stroms. Elisabeth folgte Jesus nach. So radikal, dass sie sich wahrscheinlich bei der Pflege eines Kranken ansteckte und mit nur 24 Jahren starb.
Aus welcher Fülle kann ich anderen abgeben? Von meinem Wohlstand? Von meinen Gaben oder von meiner Zeit? Für wen bin ich der oder die Nächste? Wer sind Jesu geringste Geschwister für mich? Ist es die Frau neben mir in der Kirchenbank, die ich noch nie angesprochen habe? Oder die Nachbarin, die gerade ihren Mann verloren hat? Ist es der Obdachlose, der jeden Morgen an der Brücke sitzt? Oder das Kind, das meine Hilfe bei den Hausaufgaben braucht?
Entscheidend ist, dass ich den Anruf an mich erkenne. Welche Antwort verlangt gerade diese Begegnung von mir? Wo bin ich gefragt? Nicht jeder Anruf ist dabei für mich bestimmt. Aber wo kann ich vielleicht Hilfe zur Selbsthilfe organisieren? Wo bin ich unverzichtbar für meinen Nächsten? In wem begegnet mir Jesus Christus? Bin ich offen für diesen Anruf, dann habe ich Teil am Leben spendenden Strom. Empfange ich Leben in Fülle, indem ich etwas von mir abgebe. So strahlt das Licht des Auferstandenen durch mich in diese Welt.
Die Autorin ist Pfarrerin in Erfurt.
Autor:Online-Redaktion |
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