Wort zur Woche
Die vermeintliche Katastrophe und Gottes Liebe

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Jesaja 42, Vers 3

Von Sabine Wegner,  Pfarrerin in Hohenstein

Zu gern wäre ich blinder Passagier auf dem Wagen des Kämmerers der Kandake gewesen, als ihm Philippus den Jesajatext (Apg. 8,26 f) erklärte.
Ich sehe die beiden vor mir, den dunkelhäutigen Äthiopier vom anderen Ende der Welt und Philippus, einfühlsamer Jerusalemer Diakon, wie sie sich gemeinsam, eingehüllt im Staub der Straße nach Gaza, in das Prophetenbuch vertiefen. Als die beiden daraus wieder auftauchten, wollte der Äthiopier und königliche Eunuch sofort getauft werden. Was hat ihn so betroffen gemacht?
Gott sieht, hört, leidet mit, gibt nicht preis, – auch keinen Verschnittenen, heilt und rettet seinen Knecht und sein Lamm, sein Volk und auch die Heiden.
Es spricht einiges dagegen, dass ein glimmender Docht nicht erlischt und ein geknicktes Rohr nicht zerbricht. Inmitten der Zerrissenheit der Welt erreicht diesen Wagen und uns der ganze Balsam und Trost Jesajas und ein klarer Maßstab der Bibel, der Maßstab der Misericordias Domini, der Barmherzigkeit des Herrn. Die Worte des Trösters Jesaja lassen mich, kleines Sandkorn, nicht untergehen in der Röhre von Raum und Zeit und bleiben doch Geheimnis des Himmels. Zugleich haben sie eine klare Ansage. Gottes Gerechtigkeit heißt, bei denen zu sitzen, die kurz vor dem Verlöschen und Zerbrechen sind. Was für eine Botschaft! Nach Geknickt- kommt nicht Gebrochensein; nach Glimmen nicht Ausgelöschtsein. Das, was eindeutig nach einer Katastrophe ausgesehen hat, ist in der Liebe Gottes aufgehoben. Das spricht gegen jede Definition unwerten Lebens! Ich würde gern in die Welt rufen: »Steigt auf, in den Wagen, ob ihr nun an den Wassern Babylons weintet, oder über den Jordan gehen werdet, …, lasst uns gemeinsam Gottes Wort studieren und gründlicher in die Texte anderer Religionen schauen, lasst mehrere Deutungen zu und uns mit weitem Horizont fröhlich unsere Straße ziehen. Wir verstehen noch lange nicht, was wir lesen! Wir müssen miteinander reden! Fahren wir ein Stück zusammen!«

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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